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Motorradfahrer nach Unfall ein Pflegefall
Verursacher kommt vor Gericht mit Geldstrafe davon

Dieses Foto der Polizei entstand nach dem Unfall und zeigt die demolierte Maschine, auf der der damals 60-Jährige verunglückte.
  • Dieses Foto der Polizei entstand nach dem Unfall und zeigt die demolierte Maschine, auf der der damals 60-Jährige verunglückte.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Olpe. Der 8. Juli 2019 war, so drückte es die Vertreterin der Nebenklage am Montag im Olper Amtsgericht aus, „der schlimmste Tag im Leben des Ehepaars“. Der 60-jährige Mann war mit dem Motorrad losgefahren, um rechtzeitig zur Nachtschicht zu kommen – und kam nie an. Es war der Bruchteil einer Sekunde, der das Leben des damals 60-Jährigen und seiner Ehefrau in den Grundfesten erschütterte.
Denn gerade als der Motorradfahrer gegen 22 Uhr auf der Westfälischen Straße in Fahrtrichtung Pallottihaus in Höhe des Abzweigs Im Hohl unterwegs war, bog ein Autofahrer von der Gegenspur nach links auf einen Schotterparkplatz oberhalb der ehemaligen Ziegelei ab, um dort einen Bekannten einsteigen zu lassen – der Zweiradfahrer hatte keine Chance, die Kollision zu verhindern;

win Olpe. Der 8. Juli 2019 war, so drückte es die Vertreterin der Nebenklage am Montag im Olper Amtsgericht aus, „der schlimmste Tag im Leben des Ehepaars“. Der 60-jährige Mann war mit dem Motorrad losgefahren, um rechtzeitig zur Nachtschicht zu kommen – und kam nie an. Es war der Bruchteil einer Sekunde, der das Leben des damals 60-Jährigen und seiner Ehefrau in den Grundfesten erschütterte.
Denn gerade als der Motorradfahrer gegen 22 Uhr auf der Westfälischen Straße in Fahrtrichtung Pallottihaus in Höhe des Abzweigs Im Hohl unterwegs war, bog ein Autofahrer von der Gegenspur nach links auf einen Schotterparkplatz oberhalb der ehemaligen Ziegelei ab, um dort einen Bekannten einsteigen zu lassen – der Zweiradfahrer hatte keine Chance, die Kollision zu verhindern; sein Motorrad stürzte bei der Notbremsung um und rutschte mit kaum gebremster Geschwindigkeit gegen die Seite des Autos; der Fahrer, aus dem Sitz geschleudert, knallte ebenfalls gegen die Karosse und blieb schwer verletzt am Boden liegen.

62-jähriger Motorradfahrer wird heute im Pflegeheim versorgt

Trotz des sofortigen beherzten Einsatzes von Ersthelfern leidet der Mann bis heute schwer unter den Folgen des Unfalls, insbesondere eine Hirnblutung hat schwere Nachwirkungen, die dafür sorgen, dass der 62-Jährige mit Pflegegrad 5 in einem Pflegeheim versorgt wird.
Der Autofahrer räumte unumwunden seine Schuld ein. „Es tut mir leid, aber ich habe ihn einfach nicht gesehen“, so seine Beteuerung, die allerdings vom Unfallgutachter widerlegt wurde. Nach dessen Angaben hätte der Autofahrer den Scheinwerfer des Motorrads sehen müssen. Hinzu kam, dass der Autofahrer an dieser Stelle gar nicht hätte abbiegen dürfen, musste er dazu doch die durchgezogene Mittellinie überfahren.

Der Gutachter machte klar, dass der Motorradfahrer keine Chance hatte, den Unfall zu verhindern. Den Augenblick vom Erkennen der Situation bis zum Einleiten der Bremsung sei zu kurz: „Das ist ein Wimpernschlag, und alles ist vorbei.“ Das Auto sei mit 15 bis 20 Kilometern pro Stunde gefahren, typisch für das Wiederanfahren nach dem Durchlassen von Gegenverkehr, und das Motorrad mit Tempo 37 bis 49 mit dem Auto kollidiert. Vor Einleitung der Bremsung sei der Fahrer mit 52 bis 62 unterwegs gewesen, eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt es an dieser Stelle ortsauswärts nicht, sodass auch keine Mitschuld beim Zweiradfahrer zu suchen war.

Amtsrichterin geht im Urteil über Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 60 Euro und ein Fahrverbot von drei Monaten für den Angeklagten. Dieser stand zur Unfallzeit unter laufender Bewährung für seine einzige Vorstrafe, einen Fall von gefährlicher Körperverletzung. Die Nebenklage schloss sich dieser Forderung an, während die Verteidigung fand, 40 mal 60 Euro reichten aus, auch sei ein Fahrverbot überflüssig. Doch Amtsrichterin Nicole Höhmann ging in ihrem Urteil noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Sie verurteilte den Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 90 Tagessätzen zu je 80 Euro sowie zu drei Monaten Fahrverbot. Er sei, die Kurve schneidend, über die durchgezogene Linie gefahren und habe dadurch den tragischen Unfall verursacht. „Ich glaube Ihnen, dass Sie den Motorradfahrer nicht gesehen haben – aber Sie hätten ihn sehen müssen.“ Unter anderem strafmildernd wirkte sich die Tatsache aus, dass der Angeklagte bisher eine komplett reine Weste in der „Verkehrssünderkartei“ in Flensburg hatte.

Zeuge bleibt vor dem Amtsgericht Olpe trotz Belehrung bei seinen Lügen

Ein Nachspiel dürfte das Verfahren für einen Zeugen haben: Dieser war der Kollege des Unfallverursachers, der auf dem Schotterparkplatz hatte zusteigen sollen. Er schilderte Szenen, die sich mit dem Unfallhergang und dem Verletzungsbild nicht vereinbaren ließen. So habe der Motorradfahrer das Auto seines Arbeitskollegen zunächst gar nicht touchiert; der Motorradfahrer habe das Krad danach absichtlich gegen die Seite des Autos fahren lassen, sei dabei mit dem Hosenbein am Motorrad hängengeblieben und erst dadurch zum Sturz gekommen. Auch sei der Mann nach diesem Sturz wieder aufgestanden und habe sich an einer anderen Stelle zu Boden fallen lassen. Trotz mehrerer Hinweise der Richterin auf die Folgen einer uneidlichen Falschaussage blieb der Mann bei seinen Schilderungen.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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