Bahnstrecke Olpe-Dieringhausen:
Viel Arbeit bis zur Jungfernfahrt

Nach dem Ende der Dampfzug-Zeit sorgten viele Jahrzehnte die dieselbetriebenen Schienenbusse für Hochbetrieb am Olper Bahnhof, hier zwei der Triebwagen jeweils mit einem Steuerwagen.
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  • Nach dem Ende der Dampfzug-Zeit sorgten viele Jahrzehnte die dieselbetriebenen Schienenbusse für Hochbetrieb am Olper Bahnhof, hier zwei der Triebwagen jeweils mit einem Steuerwagen.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sz Olpe/Dieringhausen. Die mögliche Reaktivierung der Schienenverbindung von Olpe nach Köln, wenn auch zum Teil über eine neu zu bauende Strecke, hat kürzlich Schlagzeilen gemacht. Der ambitionierte Plan zweier aus dem Kreis Olpe stammender Studenten der Uni Siegen wurde von Fachleuten begeistert aufgenommen und der weiteren Prüfung zugeführt. „Rhein-Südwestfalen-Express“ oder kurz „RExx“ ist der Arbeitstitel dieses Zukunftsplans. „Bestimmt nicht bei wenigen Lesern werden manche Erinnerungen an die Bummelbahn auf der Strecke von Olpe nach Bergneustadt über Dieringhausen wach geworden sein, die von 1903 bis 1979 eine wichtige Verbindung aus dem Kreis Olpe nach Köln darstellte“, so der pensionierte Gymnasiallehrer Gerhard Rüsche, der in seiner aktiven Zeit am Städtischen Gymnasium Olpe eine aufwendige, von Schülern erstellte Chronik dieser Bahnstrecke betreute. „Seit 1844 wurden Bahnstrecken durchs Lenne- und Volmetal ins Auge gefasst, die am Biggetal vorbeiführen sollten“, so Rüsche. Die Interessenten des Biggetals, vornehmlich die Städte Olpe und Attendorn, hätten eine derartige Streckenführung bei den staatlichen Behörden zu verhindern versucht – allerdings ohne Erfolg. Die 1861 eröffnete Ruhr-Sieg-Eisenbahn ging am Biggetal vorbei.

1873: Spatenstich für Bahnhof Olpe 

Am 10. Juli 1861 war in Olpe ein Eisenbahnkomitee zusammengetreten, um zu beraten, wie das Biggetal schnell einen Bahnanschluss erhalten könnte. Das Ziel war der Bau einer Zweigeisenbahn von Finnentrop durch das Biggetal nach Olpe. Dann traten aber andere Projekte in den Vordergrund, unter anderem das Köln-Kasseler Eisenbahnprojekt, das bei der Bevölkerung des Biggetals großen Anklang fand. Bereits am 25. Februar 1862 wurde in Olpe bei einer Versammlung der Mitglieder des Biggetalkomitees und der Hauptinteressenten der neuen Bahnlinie über die zweckmäßigste Linienführung beraten. Am 9. Januar 1863 wurde die Erlaubnis zur Vornahme der speziellen Vorarbeiten für die Eisenbahnlinie, die unter anderem Olpe, Attendorn und Finnentrop berühren sollte, erteilt.
Am 24. Mai 1873 erfolgte der erste Spatenstich für den Bahnhof Olpe. 1875 wurde er eingeweiht. In der Folgezeit kam es aber zu Streit zwischen dem Kasseler und dem Olper Komitee über die Linienführung, in dessen Verlauf die Olper Interessenten von der direkten Linie abgingen und unter anderem das Teilprojekt Olpe-Bergneustadt eifrig betrieben, um durch Benutzung und Verbindung bereits vorhandener Strecken Köln und Kassel einander näherzubringen. Erst als die Kölner Handelskammer sich in dem Streit auf die Seite des Olper Komitees stellte, gab man in Kassel den Widerstand gegen die Olper Bahnwünsche auf. Am 23. Juli 1896 teilte die Königliche Eisenbahn-Direktion in Elberfeld dem Landrat des Kreises Olpe mit, dass mit dem Bau der 11,2 Kilometer langen Strecke von Olpe bis zur Kreisgrenze des Oberbergischen Kreises bald begonnen werden könne. Der Bau der insgesamt 18,8 Kilometer langen Eisenbahnlinie stellte an alle Beteiligten hohe Anforderungen. Insgesamt waren 30 Brücken zu bauen. Neue Bahnhöfe wurden in Eichen, Drolshagen, Hützemert, Pernze und Wiedenest errichtet.
Der 724 Meter lange Tunnel zwischen Pernze (Oberbergischer Kreis) und Hützemert (Kreis Olpe) lag etwa 50 Meter tiefer als das Geländeniveau. Bei den Sprengarbeiten stellte sich heraus, dass der Untergrund aus lockerem Felsgestein bestand, das nur schwer zu stabilisieren war. Bei den Bauarbeiten hackten Bauarbeiter ein Loch in den Brunnen des Hauses Feldmann (Wegeringhausen). Das Wasser lief aus und setzte den Tunnel ein paar Zentimeter unter Wasser. Der Tunnel wurde viel teurer als ursprünglich geplant, wie auch die gesamte Bahnstrecke.

Erste Probe-Fahrt im Jahr 1903

Im Sommer des Jahres 1903 stand der Bau der Bahnstrecke Olpe-Bergneustadt vor seiner Fertigstellung. Am 26. August fuhr der erste Probe-Personenzug von Olpe nach Bergneustadt. Die Inbetriebnahme der neuen Strecke wurde am 31. August 1903 mit einem prächtigen Fest begangen. Die Straßen und Bahnhöfe der beteiligten Orte waren mit Fahnen, Ehrenpforten und Girlanden geschmückt. Mit Böllerschüssen und Beifall der riesigen Menschenmenge wurde der festlich geschmückte Sonderzug überwiegend aus Salonwagen auf seiner Fahrt begleitet. Am 1. September 1903 begann der Eisenbahnbetrieb auf der neuen Strecke.
Für die verschiedenen Eisenbahnlinien, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Olpe mündeten oder sich kreuzten, musste eine Eisenbahn-Betriebsinspektion eingerichtet werden, was 1907 geschah. Dafür wurde ein Gebäude an der Bruchstraße gebaut, das heute der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus gehört.
Außer Wohnhäusern entstanden im Bahnbereich auch Industriebetriebe, für die die Eisenbahn eine wichtige Voraussetzung darstellte. Die Industrieansiedlungen schufen für die Bewohner der an der Bahnstrecke liegenden Orte neue Arbeitsplätze und damit neue Erwerbsquellen. Aber auch die Inbetriebnahme der Bahnstrecke selbst brachte neue Arbeitsmöglichkeiten. So waren allein beim Eisenbahnbetriebswerk in Olpe über 100 Mann beschäftigt, die für die Instandhaltung der Lokomotiven verantwortlich waren.
(Ein Bericht über die florierenden Zeiten und den Niedergang der Bahnstrecke folgt.)

Autor:

Redaktion Olpe aus Stadt Olpe

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