SZ

Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Viele Waldbesitzer verlieren ihr "Sparbuch"

Ein Bild, wie es wohl mehrere Jahre nicht mehr zu sehen sein wird: ein typischer Hauberg mit transportbereitem Durchforstungsholz, das im Kamin enden wird.
  • Ein Bild, wie es wohl mehrere Jahre nicht mehr zu sehen sein wird: ein typischer Hauberg mit transportbereitem Durchforstungsholz, das im Kamin enden wird.
  • Foto: Heinrich Afflerbach (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

win Olpe. Silbergrau gemahnen ganze Wälder toter Bäume an die Klimakrise. Zu viele sind es, als dass die Vollernter der Forstunternehmer sie rechtzeitig niederlegen könnten. Gespenstisch das Bild, Licht fällt durch die trockenen Äste, wo voriges Jahr noch sattes Grün stand. Die Klimakrise ist da, und eine ihrer Folgen: Wassermangel, Dürre, zu wenig Kraft für die Fichten, die die Borkenkäfer nicht mehr durch verstärkte Harzproduktion einkleben und damit töten können. Und so töten die Borkenkäfer die Fichten. Milliarden der kleinen Schädlinge bohren ein Loch in die Rinde und fressen ihre zerstörerischen Gänge durchs Kambium, die Wachstumsschicht, der damit seiner Lebensader zwischen Wurzeln und Blättern beraubt wird.

win Olpe. Silbergrau gemahnen ganze Wälder toter Bäume an die Klimakrise. Zu viele sind es, als dass die Vollernter der Forstunternehmer sie rechtzeitig niederlegen könnten. Gespenstisch das Bild, Licht fällt durch die trockenen Äste, wo voriges Jahr noch sattes Grün stand. Die Klimakrise ist da, und eine ihrer Folgen: Wassermangel, Dürre, zu wenig Kraft für die Fichten, die die Borkenkäfer nicht mehr durch verstärkte Harzproduktion einkleben und damit töten können. Und so töten die Borkenkäfer die Fichten. Milliarden der kleinen Schädlinge bohren ein Loch in die Rinde und fressen ihre zerstörerischen Gänge durchs Kambium, die Wachstumsschicht, der damit seiner Lebensader zwischen Wurzeln und Blättern beraubt wird.

Der Wald ist auch ein Sparbuch

Der Forst der Zukunft wird ein anderer sein, daran zweifelt niemand. Wie aber soll dies geschehen? Die einen setzen auf Baumarten, die mit Trockenheit besser umgehen können. Andere fordern, der Natur die Hand zu überlassen und einfach wachsen zu lassen, was auf den Brachen wachsen will.
Waldbesitzer machen sich Gedanken – und das in Zeiten, in denen viele von ihnen ihr „Sparbuch“, nämlich besagten Wald, verloren haben. Schon jetzt reicht der Erlös für den Verkauf des Käferholzes oft nur, um die Unkosten für den Unternehmer zu decken, der das trockene Holz „wirbt“, es also erntet, aufarbeitet und bereitstellt. Was aber, wenn es nicht ein Waldbesitzer ist, der hier entscheidet? Sondern Dutzende? Genau diese Situation existiert in der Region in vielen Bereichen, denn ein erheblicher Teil des Waldes in Siegerland, Wittgenstein und Sauerland ist Gemeinschaftswald. Die Mitglieder der Genossenschaften besitzen Anteile – hüben heißen sie Haubergspfennige, drüben Taxtaler –, doch das Prinzip ist überall gleich.

Genossen teilen sich den Wald

Ein gewählter Vorsteher leitet die jeweilige Genossenschaft, gelegentlich gibt es derer pro Ortschaft sogar mehrere, und Jahr für Jahr wird ein bestimmter Teil des Genossenschaftswaldes ausgewählt, um ihn zu durchforsten. Für die Genossen hat das zwei Vorteile: Erstens ernten sie Brennholz, denn damit ausgesuchte Bäume gut wachsen können, müssen andere fallen. Zweitens können sie auf Geld hoffen, denn erntereife Großbäume werden verkauft, der Erlös fließt den Genossen als Ausschüttung zu. Beziehungsweise floss. Denn seit drei Jahren ist alles anders.
1975 wurde das Gemeinschaftswaldgesetz in Nordrhein-Westfalen erlassen. Es regelt nun, was zuvor das Waldkulturgesetz für den Kreis Wittgenstein vom 1. Juni 1854, die Haubergordnung für den Kreis Siegen vom 17. März 1879 sowie das „Gesetz betreffend die Regelung der Forstverhältnisse für das ehemalige Justizamt Olpe im Kreise Olpe, Regierungsbezirk Arnsberg“ vom 3. August 1897 festgeschrieben hatte.

Käferholz hat Priorität

Und noch nie – die Kriegsjahre ausgenommen – gab es die Situation wie heute, dass die Genossenschaften praktisch zum Zuschauen verdammt sind. Denn schon im dritten Jahr in Folge wird nicht durchforstet. „Das kann man im Laubwald auch machen“, so der Leiter des Forstamts Olpe, Jürgen Messerschmidt. „Im Moment hat es absolut keinen Sinn, planmäßige Maßnahmen im Wald durchzuführen. Die Aufarbeitung des Käferholzes muss absolute Priorität haben, schon, um so viel Eigentum wie möglich zu schützen.“ Denn je länger das Holz im Wald bleibt, desto schlechter die Qualität, desto geringer der Erlös – und erst wenn toter Wald abgeräumt ist, kann neuer entstehen. „Ein paar Jahre kann man die Durchforstung schleifen lassen, ohne dass der Zug abgefahren ist.“ Dann aber sei es an der Zeit, auch die gesunden Wälder wieder in den Blick zu nehmen: „Dann wird es auch wieder Laubholz für den Kamin geben“, so Messerschmidt, und auch Laubbäume, die in den Verkauf gehen.

Genossenschaften stimmen demokratisch ab.

Der Forstamtsleiter hat einen Blick auf die Genossenschaften, denn als Körperschaften öffentlichen Rechts unterstehen sie der Aufsicht des Landesbetriebs Wald und Holz. Die Betreuungsförster kümmern sich fachlich um die Genossenschaften und beraten sie. Was die jeweilige Genossenschaft aber im Einzelnen tun, das ist letztlich allein Sache der Mitglieder. Sie stimmen demokratisch nach Anteilen ab und regeln, was zu regeln ist. Und das ist in Zeiten von Käferholz und Sturmschäden nicht wenig.
Die meisten indes sind dem Rat der Förster gefolgt und haben jegliche Durchforstungen eingestellt. Brennholz gibt es auch so zu genüge.

Hier finden Sie alle Artikel zur SZ-Serie "Der Wald im Wandel" im Überblick.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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