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Weniger Impfstoff als zugesagt
Vollbremsung im Impfzentrum

Wer es bis hierher geschafft hat, ist von seiner Impfung nur noch Minuten entfernt: die Eingangskontrolle des Impfzentrums des Kreises Olpe.
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  • Wer es bis hierher geschafft hat, ist von seiner Impfung nur noch Minuten entfernt: die Eingangskontrolle des Impfzentrums des Kreises Olpe.
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win Olpe/Attendorn. Sowohl Landrat Theo Melcher wie Fachbereichsleiter Michael Färber, der Leiter des Krisenstabs, Andreas Sprenger, und Fachdienstleiter Frank Japes konnten am Mittwochabend ihren Unmut kaum verbergen: Der Kreis Olpe hat in Attendorn ein Impfzentrum aus dem Boden gestampft, das wie die sprichwörtliche Nähmaschine schnurren könnte – indes fehlt es im übertragenen Sinn am Garn, sprich: dem Impfstoff.

Sprenger berichtete im Arbeitskreis Gesundheit/Corona des Kreistags, inzwischen seien 52 069 Erstimpfungen im Kreis Olpe verabreicht worden, damit hätten 38 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die so wichtige Dosis erhalten, im überhaupt für Impfungen in Frage kommenden Teil der Bevölkerung, die Über-16-Jährigen, seien es sogar 45,2 Prozent.

win Olpe/Attendorn. Sowohl Landrat Theo Melcher wie Fachbereichsleiter Michael Färber, der Leiter des Krisenstabs, Andreas Sprenger, und Fachdienstleiter Frank Japes konnten am Mittwochabend ihren Unmut kaum verbergen: Der Kreis Olpe hat in Attendorn ein Impfzentrum aus dem Boden gestampft, das wie die sprichwörtliche Nähmaschine schnurren könnte – indes fehlt es im übertragenen Sinn am Garn, sprich: dem Impfstoff.

Sprenger berichtete im Arbeitskreis Gesundheit/Corona des Kreistags, inzwischen seien 52 069 Erstimpfungen im Kreis Olpe verabreicht worden, damit hätten 38 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die so wichtige Dosis erhalten, im überhaupt für Impfungen in Frage kommenden Teil der Bevölkerung, die Über-16-Jährigen, seien es sogar 45,2 Prozent. Rund die Hälfte davon wurde im Impfzentrum verimpft, die übrigen Spritzen in den Krankenhäusern und den Hausarztpraxen bzw. durch die mobilen Impfteams in Pflege- und Senioreneinrichtungen gesetzt. „Wir bekommen nicht das an Impfstoff, was uns versprochen wurde“, so Sprengers nüchternes Fazit, im Mai sogar noch weniger als im April.

Derzeit erhalte der Kreis für das Impfzentrum gerade 1340 Dosen in der Woche, „das sind also 200 Erstimpfungen am Tag, mehr nicht. Wir könnten locker mehr als das Doppelte“. Die Länder könnten den Impfzentren nicht mehr geben, denn diese bekämen nicht mehr vom Bund. Aber offenbar gehe die Zielrichtung dorthin, verstärkt die Arztpraxen zu beliefern.

Kein zusätzlicher Impfstoff

Der neue Erlass, dass sich nun auch Bürgerinnen und Bürger der Priorität 3 anmelden können, sei nur vordergründig eine gute Nachricht, denn: „Das wird nur im Rahmen der zur Verfügung stehenden Kontingente sein. Es gibt keinen zusätzlichen Impfstoff für uns.“

Landrat Melcher führte aus, es gebe keine Erklärung dafür, dass die Zahlen im Kreis derzeit deutlich höher als im Landesschnitt seien, „vor ein paar Wochen war es andersherum, da hatten wir deutlich niedrigere Zahlen als beispielsweise Siegen-Wittgenstein, und das konnte auch niemand erklären“, ergänzte Michael Färber. Sicherlich hätten auch im Kreis Olpe Ostern und Ramadan einen „gewissen Effekt“ auf das Ansteckungsgeschehen, so Melcher, doch von wenigen Ausnahmen wie dem Ausbruch in der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Olpe oder dem St.-Martinus-Hospital fänden die Ansteckungen „im privaten und familiären Umfeld statt“. Dies werde auch deutlich dadurch, dass der Kreis im Rahmen der Kontaktpersonennachverfolgung viele Positiv-Fälle herausfische. „Das zeigt, wie infektiös das Virus jetzt ist im Vergleich zu vor einem Jahr ist.“ Er sei sicher, dass auch der Feiertag am 1. Mai sich bei den Infektionszahlen niederschlagen werde, weil sich eben viel zu viele Menschen nicht an die Auflagen hielten.

Das Impfzentrum in Attendorn könnte weit mehr Dosen verimpfen – wenn denn ausreichend Impfstoff käme. Doch der Kreis erhält weniger Vakzin als versprochen.
  • Das Impfzentrum in Attendorn könnte weit mehr Dosen verimpfen – wenn denn ausreichend Impfstoff käme. Doch der Kreis erhält weniger Vakzin als versprochen.
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Auch bei Bürgertestungen würden weiterhin positive Fälle auffallen, „die wir sonst nicht festgestellt hätten“, vorige Woche beispielsweise 40 an der Zahl, die durch einen PCR-Nachtest bestätigt worden seien. „Das ist ein wichtiger Beitrag zur Unterbrechung der Infektionsketten, gleichzeitig sorgen die Tests natürlich für einen hohen Anteil an der Inzidenz.“

Situation in Krankenhäusern entspannt

Die Situation in den Krankenhäusern sei weiterhin entspannt, was aber daran liege, dass inzwischen Covid-19-Patientinnen und -Patienten nicht mehr ausschließlich im Olper St.-Martinus-Hospital, sondern auch in Altenhundem und Attendorn versorgt würden, so Amtsärztin Dr. Claudia Lamprecht. Zwei Patienten seien in ein Krankenhaus außerhalb des Kreises verlegt worden, weil die für sie nötige maschinelle Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff hier nicht vorgenommen werden könne.

Meinolf Schmidt (UWG) fragte, ob denn nicht längst ein System hermüsse, um mehr Daten zu erheben, die den Verlauf von Infektionswegen aufzeigen. Landrat Melcher entgegnete, dies sei nicht nötig, weil es eben ein diffuses Infektionsgeschehen sei; es gebe verstärkt dort Ausbrüche, wo die Wohnverhältnisse beengt sind, „aber die lassen sich nicht ändern“, und es gebe soziokulturelles Verhalten, „das wir auch nicht ändern können“. Manche Gruppen seien diesbezüglich nicht zu erreichen.

Wer es bis hierher geschafft hat, ist von seiner Impfung nur noch Minuten entfernt: die Eingangskontrolle des Impfzentrums des Kreises Olpe.
Das Impfzentrum in Attendorn könnte weit mehr Dosen verimpfen – wenn denn ausreichend Impfstoff käme. Doch der Kreis erhält weniger Vakzin als versprochen.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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