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Edgar Rameil und seine Mikrobrauerei
Von Hell bis Black

Edgar Rameil aus Saalhausen zapft in seinem Hotel-Restaurant fast nur noch selbstgebrautes Bier – verschiedene Sorten Flurschütz. Und die Nachfrage nach seinen aromareichen Landbieren steigt stetig.
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  • Edgar Rameil aus Saalhausen zapft in seinem Hotel-Restaurant fast nur noch selbstgebrautes Bier – verschiedene Sorten Flurschütz. Und die Nachfrage nach seinen aromareichen Landbieren steigt stetig.
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yve Saalhausen. „Plopp“, das charakteristische Geräusch erklingt. Die Bierflasche mit Bügelverschluss ist offen. Edel 25 steht auf ihrem Emblem. „Das ist etwas zum Nippen, nicht zum Kippen“, hat mich Edgar Rameil freundlich vorgewarnt.

Vor einigen Tagen sitze ich auf seiner Terrasse, dort möchte ich aber nicht von der rot-goldenen Flüssigkeit kosten, schließlich muss ich noch von Saalhausen zurück ins „Wendsche“ fahren. Der Alkoholanteil hat es in sich – 25 Prozent! So ein starkes Bier habe ich noch nicht getrunken. Meine Erfahrung mit hoher Stammwürze endet in Prag. Damals zu Abiturzeiten habe ich dort 14-prozentiges Schwarzbier probiert.

yve Saalhausen. „Plopp“, das charakteristische Geräusch erklingt. Die Bierflasche mit Bügelverschluss ist offen. Edel 25 steht auf ihrem Emblem. „Das ist etwas zum Nippen, nicht zum Kippen“, hat mich Edgar Rameil freundlich vorgewarnt.

Vor einigen Tagen sitze ich auf seiner Terrasse, dort möchte ich aber nicht von der rot-goldenen Flüssigkeit kosten, schließlich muss ich noch von Saalhausen zurück ins „Wendsche“ fahren. Der Alkoholanteil hat es in sich – 25 Prozent! So ein starkes Bier habe ich noch nicht getrunken. Meine Erfahrung mit hoher Stammwürze endet in Prag. Damals zu Abiturzeiten habe ich dort 14-prozentiges Schwarzbier probiert.

Traditionsreiche Herberge

Edgar Rameil ist der zweite Bierhersteller, den die Siegener Zeitung für ihre Serie über Mikrobrauereien im Kreis Olpe besucht. Wir treffen uns im Freien. Nach Dauerfrost und eiskalten Nächten ist es frühlingshaft warm – Biergartenwetter im Februar. Doch die Zapfhähne hat der 52-Jährige seit Wochen nicht mehr in Gang gesetzt, zumindest nicht, um Gäste zu bewirten. Im grünen Lennetal führt er mit seiner Lebensgefährtin Sabine van Lakum ein Hotel-Restaurant, Saison ist in der traditionsreichen Herberge das ganze Jahr, Corona-bedingt nur in diesem nicht. Die Schürze des gelernten Kochs ist dennoch frei von Staub. Er steht nach wie vor am Kessel, er braut Flurschütz, verschiedene Sorten Landbier. Hell, Edel und Weißbier. Dazu das besagte Edel 25 und Black, ein so genanntes Imperial Stout. „Das ist eine englische Biersorte, 12-prozentig und pottschwarz“, erzählt der 52-Jährige. Seine Spezialbiere hat er nach seinem Betrieb benannt.

Das ursprüngliche Fachwerkhaus Auf der Jenseite am Fuße des Rothaargebirges existiert schon seit dem Mittelalter. „Das war früher eine Mühle, aus der nach dem Krieg ein Gasthof wurde.“ 1997 macht Edgar Rameil ein Hotel-Restaurant daraus. „Mein Urgroßvater war Flurschütz.“ Das sei heute vielen kein Begriff mehr. Ein Flurschütz habe früher für Ordnung auf dem Feld und im Wald gesorgt, aufgepasst, dass niemand wildere oder Holz stehle. Im Dorf sei sein Urgroßvater nur der Flurschütz gewesen, das habe sich über Generationen fortgesetzt. „Beinamen sind hier geläufig, einfach, um zu wissen, wer gemeint ist. Rameil heißt hier nämlich der halbe Ort.“

Ausgedehnte Hauptgärung

Flurschütz Hell ist ein Sommerbier. „Das schmeckt wie ein bayerisches Hellbier – ehrlich, frisch und würzig“. Seine klare Farbe erhalte es nicht durch Filtrierung, sondern durch Sedimentation. „Dadurch bewahrt sich dieses Bier sämtliche Aromen von Malz und Hopfen.“ Die Besonderheit des süffigen Weißbieres ist das Zusammenspiel von verschiedenen Malzsorten und Zutaten. „Die Hefetrübung macht einen Großteil des Geschmacks aus, ein Fruchtaroma mit einem Hauch von Banane.“ Edel bezeichnet der Brauer als das Flaggschiff der hauseigenen Craft-Biere. „eine Anlehnung an ein Märzen und traditionell mit Röstmalz, kräftig und würzig“ Die Sorte sei sehr bekömmlich. „Das liegt an der ausgedehnten Hauptgärung und an der ausreichenden Reifung.“

Vor Jahren habe der Betrieb Rameil-Flurschütz geheißen, „den Namen haben wir dann aber umfirmiert“. Zumal ein Doppelname auf dem Bieremblem viel zu sperrig wäre. „Flurschütz – natürlicher Biergenuss aus dem Herzen des Sauerlandes“, das passe doch. Gebraut ausschließlich mit weichem Gebirgswasser. „Saalhausen hat eine eigene Wasserversorgung“, so der Brauer. „Das ist die beste Voraussetzung für gutes Bier.“ Etwa 7 Hektoliter davon stellt Edgar Rameil jeden Monat her. Eine abgesonderte Braustube hat er nicht. „Das ist bei uns relativ unspektakulär. Ich habe eine mobile Anlage.“ Die könne er überall hinstellen. Die drei Hauptsorten fließen bei Rameils aus dem Fass. Für den Außer-Haus-Verkauf befüllt der Saalhausener neben Fässern 1-Liter-Flaschen mit Bügelverschluss. Nur Edel 25 kommt in Piccolo-Größe auch edel daher. „Mein Landbier ist naturbelassen – ungefiltert und ungeklärt.“ Bei geklärten Bieren bleibe der Geschmack oft auf der Strecke. Rameil arbeitet mit Aromahopfen. „Im Industriebier ist oft nur Hopfenextrakt.“ Das schaffe kein Aroma, sondern bringe nur das Bittere ins Bier. Das Traditionelle, das ursprüngliche Handwerk gerate immer mehr in den Hintergrund.

Und die Nachfrage steigt

90 Prozent von Rameils Gästen setzen bei der Wahl des Bieres auf ein Flurschütz. Und die Nachfrage steigt. „Um die Weihnachtszeit herum war ich komplett trocken“, freut sich der 52-Jährige über sein Erfolgsrezept. „Ein Fässchen konnte ich für die Familie sichern.“ So wird er auch in Zukunft die Kessel füllen und nicht müde werden, die uralte Technik des Brauens weiterzugeben. In sechsstündigen Seminaren. „Die Teilnehmer erleben einen echten Brautag mit.“ Der sei gleichzeitig eine Bierprobe mit zehn verschiedenen Craft-Bieren. Neue Termine hat der Saalhausener noch nicht festgelegt – „wir wissen ja immer noch nicht, wie und wann es weitergeht“. Was ihm derzeit bleibt, ist der reine Bierverkauf. Auch ich decke mich ein. Mit drei Flaschen der Hauptsorten und mit Edel 25, das hat meine Neugierde am meisten geweckt.

Zu Hause am Abend macht dann auch das Starkbier den Auftakt meiner privaten Bierverkostung. Das Likörglas ist die richtige Wahl, Edel 25 schmeckt süß, der Geschmack nach Bier ist aber eindeutig vorhanden. Definitiv etwas zum Nippen, nicht zum Kippen. Im Gegensatz zum Gerstensaft mit authentischem Charakter aus den großen braunen Flaschen, geprägt von Regionalität, Handwerk und Tradition. Das macht Lust auf mehr.

Ich werde also zurückkehren nach Saalhausen, zum Flurschütz mit eigener Brauerei. Eine echte Rarität zwischen Biggesee und Lenne!

Edgar Rameil aus Saalhausen zapft in seinem Hotel-Restaurant fast nur noch selbstgebrautes Bier – verschiedene Sorten Flurschütz. Und die Nachfrage nach seinen aromareichen Landbieren steigt stetig.
Flurschütz aus Saalhausen gibt es in mehreren Varianten.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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