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Tötungsdelikt in Flüchtlingsunterkunft wird vor dem Landgericht verhandelt
War es Totschlag oder Notwehr?

Vor dem Landgericht Siegen wird seit Donnerstag ein Tötungsdelikt verhandelt.

soph Attendorn/Siegen. Vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht in Siegen hat am Donnerstag der Auftakt zu einem Schwurgerichtsprozess wegen eines Totschlags stattgefunden. Staatsanwalt Rainer Hoppmann warf dem Angeklagten folgende Tat vor: Am frühen Morgen des 9. September 2019 soll der 35-Jährige in der Flüchtlingsunterkunft in der Donnerwenge in Attendorn einen Mitbewohner mit einem Küchenmesser attackiert und dabei so stark verletzt haben, dass er im Laufe des Vormittags in einem Krankenhaus an den Folgen der Stichverletzung gestorben war.
Verteidiger verliest ErklärungDer Angeklagte ist nach dem Vorfall geflohen und wurde am Morgen des 10. September in Cochem an der Mosel, wo seine Mutter lebt, festgenommen. Seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt in Attendorn ein.

soph Attendorn/Siegen. Vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht in Siegen hat am Donnerstag der Auftakt zu einem Schwurgerichtsprozess wegen eines Totschlags stattgefunden. Staatsanwalt Rainer Hoppmann warf dem Angeklagten folgende Tat vor: Am frühen Morgen des 9. September 2019 soll der 35-Jährige in der Flüchtlingsunterkunft in der Donnerwenge in Attendorn einen Mitbewohner mit einem Küchenmesser attackiert und dabei so stark verletzt haben, dass er im Laufe des Vormittags in einem Krankenhaus an den Folgen der Stichverletzung gestorben war.

Verteidiger verliest Erklärung

Der Angeklagte ist nach dem Vorfall geflohen und wurde am Morgen des 10. September in Cochem an der Mosel, wo seine Mutter lebt, festgenommen. Seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt in Attendorn ein. Der Angeklagte, ein syrischer Staatsbürger, der seit 2016 in Attendorn lebt, wollte sich zu der Anklage nicht äußern, ließ aber über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Stefan Rückle aus Olpe, eine Erklärung verlesen. Demnach habe er an besagtem Morgen aus Notwehr gehandelt: Das Opfer habe ihm im Flur aufgelauert und sei plötzlich mit einem Messer auf ihn losgegangen. Er habe den Angriff abgewehrt, wobei es zu der tödlichen Verletzung gekommen sei.

Opfer war stark blutend vorgefunden worden

Zum Prozessauftakt wurden zunächst die beiden Rettungssanitäter und die Polizisten gehört, die an dem Morgen in die Flüchtlingsunterkunft gerufen worden waren. Das Opfer hatte den Notruf gewählt und war von den Sanitätern stark blutend und mit offensichtlich großen Schmerzen in seinem Zimmer vorgefunden worden. Auf die Fragen der Sanitäter und auch der Polizisten habe er den Namen des Angeklagten geäußert und „er hat mich gestochen“. Die Rückfrage nach einem Kampf habe er verneint – „no fight“ habe er immer wieder gesagt.Im Laufe der Versorgung seien seine Aussagen immer verworrener geworden, was nach Einschätzung der Sanitäter mit seinem akuten Zustand zusammengehangen habe. Auch sei die Verständigung nicht ganz einfach gewesen, gaben alle zu Protokoll. Die Fahndung nach dem Angeklagten sowie die Suche nach der Tatwaffe, einem Küchenmesser, waren an diesem Morgen erfolglos verlaufen.

Große Konflikte zwischen mutmaßlichem Täter und Opfer

Einen großen Anteil am ersten Verhandlungstag hatte die Vernehmung der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin, die den Angeklagten über einen Sprachkurs kennengelernt und sich seitdem sehr um ihn gekümmert hatte. Sie schilderte, dass es zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer von Anfang an große Konflikte gegeben habe. Das Opfer habe den 35-Jährigen mehrfach wegen Körperverletzung, Diebstahl oder anderen Delikten angezeigt, was dessen Asylverfahren und damit den Nachzug der Familie aus Syrien verzögert bzw. bis zum jetzigen Zeitpunkt verhindert habe. Der Angeklagte habe die ihm vorgeworfenen Taten jedoch nicht begangen, betonte sie und schilderte ihre großen Bemühungen, ihm zu helfen.

"Ehrlicher und integrer Mensch"

Der Angeklagte wie auch sie selbst hätten große Angst vor dem späteren Opfer gehabt, sie habe auch von anderen gehört, dass es mit ihm große Probleme gegeben habe. Auf Rückfrage von Staatsanwalt Hoppmann bestätigte sie, dass sie alle Vorkommnisse stets nur vom Angeklagten selbst gehört habe. Sie habe seine Aussagen aber immer hinterfragt und versucht zu verifizieren, vor allem ihr Menschenverstand und ihr Bauchgefühl hätten sie dazu gebracht, den Aussagen des Angeklagten zu vertrauen. „Ich habe ihn als einen ehrlichen und integren Menschen kennengelernt, der integrationsfähig und -würdig ist.“ Er sei weltoffen, nicht gewalttätig und intelligent und habe große Angst vor dem Opfer gezeigt. Sie habe keinen Grund, an seinen Aussagen zu zweifeln.
In dem Prozess sind noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt.

Autor:

Katja Fünfsinn (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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