Weg zur Gestaltungssatzung frei

Oberveischeder hatten nur wenige Anregungen / Grundsätzliche Zustimmung

win Oberveischede. Der Weg zur ersten Gestaltungssatzung in der Stadt Olpe ist frei. Am Dienstagabend kamen rund 40 Bürgerinnen und Bürger im Gasthof Sangermann in Oberveischede zusammen, um den von Stadtplaner Kai Thomalla vorgestellten Satzungsentwurf zur Kenntnis zu nehmen. Außer einigen kleineren Anregungen, die vor der endgültigen Beschlussfassung eingearbeitet werden sollen, traf der Entwurf auf uneingeschränkte Zustimmung. Sichtlich erleichtert zeigte sich stellv. Bürgermeister Lothar Epe (CDU) aus Oberveischede, der mit Ablehnung gerechnet hatte .

Technischer Beigeordneter Bernd Knaebel rief in Erinnerung, dass bereits am 24. Januar 2002 die Oberveischeder grundsätzlich Ja zu einer Gestaltungssatzung gesagt hätten. Ortsvorsteher Albert Schneider erklärte, es gehe nicht darum, die Vorstellungen bauwilliger Bürger einzuschränken, sondern, das Ortsbild zu bewahren. »Wir bekommen zurzeit gerade ein Holzhaus, da kann wohl niemand behaupten, es passe ins Ortsbild«, warb Schneider für die Zustimmung zu dem Satzungsentwurf.

Stadtplaner Thomalla erläuterte die Satzung im Detail und wies darauf hin, eine solche Gestaltungssatzung könne nicht am Reißbrett entstehen, sondern müsse auf den Grundlagen des Dorfs basieren.

Für die Gestaltungssatzung wird der Ort in zwei Zonen eingeteilt. Die Zone 1 umfasst den historischen Ortskern und ist etwas strenger gehalten als Zone 2. So sollen in der Zone 1 nur Satteldächer zulässig sein, in Zone 2 auch Walmdächer und versetzte Pultdächer. Der Neigungswinkel soll in Zone 1 zwischen 35 und 55 Grad, in Zone 2 zwischen 35 und 45 Grad liegen. Die Drempelhöhe soll in Zone 1 bei einem Meter, in Zone 2 bei 1,25 Metern liegen. Die Dacheindeckung muss laut Entwurf schwarz, schiefergrau, dunkelgrau oder dunkelbraun sein.

Als Materialien sind ausschließlich Beton, Ton oder Schiefer zulässig. Dabei sollen die Bauherren auf jede Art von Glanz verzichten, ausgenommen sind allerdings Solaranlagen und untergeordnete verglaste Dachflächen. In Zone 2 darf außerdem eine naturbelassene Zinkeindeckung Verwendung finden. Die Dachüberstände sollen in beiden Zonen auf 60 Zentimeter begrenzt sein. Als Dachaufbauten sind nur Schlepp- oder Satteldachgauben sowie Zwerchhäuser zulässig, zudem wird die maximale Größe der Gauben auf 40 Prozent der Firstlänge und maximal drei Meter pro Gaube begrenzt. In Zone 1 sind zudem Dacheinschnitte (etwa für eine Loggia) zur Straßenseite untersagt.

Wie bei den Dächern, müssen die Oberveischeder künftig auch bei der Fassade auf jede Art von glänzenden Materialien verzichten. Zulässig sind laut Entwurf nur Putz, geschlämmtes oder gestrichenes Mauerwerk, Sichtmauerwerk und Fachwerk. Als Fassadenfarben sind nur weiß und hellgrau erlaubt. Zudem darf in Zone 1 maximal ein Drittel (Zone 2: die Hälfte) der Fassade mit Holz, Schiefer oder Naturstein verkleidet werden. Gebäude oder Gebäudeteile in Block- oder Holzbohlenbauweise sind nicht zulässig. Weiterhin regelt die Satzung die Fensterform und -anordnung, die Größe von Werbeanlagen und Warenautomaten, Aufschüttungen und Grabungen und die Einfriedung der Grundstücke. Hier sind nur Hecken oder Staketenzäune erlaubt.

Mehrere Bürger hatten die Sorge, Häuser oder andere Gebäude nach dem Erlass einer solchen Satzung verändern zu müssen. Knaebel, Thomalla und der Leiter des Bauordnungs- und -planungsamts, Winfried Quast, beruhigten: Alles, was in Oberveischede steht, hat Bestandsschutz. Nur bei Änderungen muss die Gestaltungssatzung beachtet werden.

Kritik kam an dem Satzungspunkt, der pro Haus nur eine Antenne zulassen soll. Ein Bürger wies darauf hin, dass höchstrichterlich festgelegt sei, dass jeder Mieter das Recht auf eine eigene Antennenanlage habe. Die Stadtverwaltung will dies prüfen und gegebenenfalls einarbeiten. Kreistagsmitglied Lothar Sabisch (CDU) lobte, die Satzung sei akzeptabel, weil sie genügend Spielraum lasse – »anders als anderswo«. Er wies darauf hin, dass eine Beschränkung nur auf Satteldächer ebenfalls ausreichen würde, die in Zone 2 zulässigen versetzten Pultdächer seien nicht ortstypisch. Nun wird der Entwurf nach Einarbeitung der Vorschläge in Bauausschuss und Stadtverordnetenversammlung gegeben, um per Beschluss zur bindenden Satzung erhoben zu werden. Dann sollen weitere Ortschaften folgen.

Anders als die Gemeinde Wenden, die vor Gericht mit dem Plan scheiterte, eine einheitliche Satzung für nahezu die gesamte Gemeinde zu erlassen, sollen in Olpe von Dorf zu Dorf abgestimmte Satzungen erlassen werden, wenn die Mehrheit der Bürger es wünscht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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