"Ommi Kese" hilft Flutopfern in Dernau
Wein trinken für den guten Zweck

Peter Reck und Nicole Keseberg in der Strandbar „Ommi Kese“. Dort und auf der „Weißen Flotte“ kann der Flutwein für den guten Zweck erworben werden.
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  • Peter Reck und Nicole Keseberg in der Strandbar „Ommi Kese“. Dort und auf der „Weißen Flotte“ kann der Flutwein für den guten Zweck erworben werden.
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yve Sondern. „Ich habe den größten Wagen der Familie genommen und bin losgefahren“, erzählt Nicole Keseberg von der Personenschifffahrt Biggesee. Am Montag steuert sie mit dem Auto ihres Vaters den Kreis Ahrweiler an. Ihr Plan: Wein aus Dernau „retten“. Bei der Ankunft sieht sie die Ausmaße der Jahrhundertflut, „das ist einfach unvorstellbar“.

Die verheerenden Wassermassen haben auch bei Winzer Volker Riske ein Bild der Zerstörung hinterlassen. „Sein Wohnhaus steht zum Glück zwar noch“, so die Sondernerin. Die Schuhe an Riskes Füßen, die er bei ihrem Besuch getragen habe, „sind aber die einzigen, die er noch hat“. Schwere Maschinen aus dem Keller seien von der reißenden Strömung wie Spielzeug davongeschwemmt worden. In der Umgebung brechen während der Flut Gebäude wie Kartenhäuser zusammen, Menschen verlieren den Kampf um ihr Leben, Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten – ohne Strom und fließendes Wasser.

"Ommi Kese" hilft Opfern der Flutkatastrophe in Dernau

Die Solidarität mit den Betroffenen ist enorm, selbst aus dem Ausland wird Hilfe angeboten. „Auch wir haben uns gefragt, was wir tun können“, berichtet Peter Reck im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Er ist der Lebensgefährte von Nicole Keseberg und Pächter der Strandbar „Ommi Kese“ in Sondern. Sofort denkt das Paar an Volker Riske, der das Weingut in Dernau in dritter Generation führt. Mit dem Winzer teilt die 45-Jährige eine große Leidenschaft. Beide sind begeisterte Skifahrer, geben bei Freizeiten des hiesigen Skiclubs „Schneekanonen“ ehrenamtlich Kurse. „Volker war auch schon öfters bei uns und hat Verkostungen bei den Weinkreuzfahrten auf dem Biggesee durchgeführt“, so Nicole Keseberg.
Nach der Flut ruft sie Riske an. „Ich wollte wissen, wie wir ihm unter die Arme greifen können.“

Nicole Keseberg hat zahlreiche Flaschen persönlich abgeholt, um sie in Sondern zu verkaufen. Der komplette Erlös ist für Winzer Volker Riske und seine Belegschaft bestimmt. Überschuss fließt auf das Konto der Dorfgemeinschaft Dernau.
  • Nicole Keseberg hat zahlreiche Flaschen persönlich abgeholt, um sie in Sondern zu verkaufen. Der komplette Erlös ist für Winzer Volker Riske und seine Belegschaft bestimmt. Überschuss fließt auf das Konto der Dorfgemeinschaft Dernau.
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Der Winzer informiert sie über die aktuelle Lage, berichtet, dass er in der oberen Etage eines Hauses gefangen gewesen sei, während er aus der Ferne habe beobachten müssen, wie das Wasser an seinem Weingut immer höher gestiegen sei. Riske, erzählt Nicole Keseberg, habe zu diesem Zeitpunkt einer befreundeten Familie geholfen, Inventar zu sichern. „Er hat nicht damit gerechnet, dass die Flut so schnell auch sein Haus erreichen und ihn vor die Trümmer seiner Existenz stellen würde.“
Als aus Flüssen und Bächen reißende Ströme werden, brechen bei Volker Riske unzählige Kartons mit Weinflaschen auf, viele zerschellen an Mauern oder Decken. Andere haben der Verwüstung standgehalten. Auf manchen Etiketten lässt sich der Inhalt noch erahnen, vom Schlamm verschont geblieben sind jedoch die wenigsten.

Winzer in Dernau braucht Geld für den Wiederaufbau

In Dernau öffnet Nicole Keseberg den Kofferraum, füllt das Auto bis zum Dach mit Flutwein – Riesling, Sekt, Weiß- und Spätburgunder. Voher hat sie beim Aufräumen geholfen, gemeinsam mit weiteren Skiclub-Mitgliedern. Volker Riske braucht Platz für die Sanierungsarbeiten. Und Geld für den Wiederaufbau – wie andere Winzer im Ahrtal auch. Für sie steht der Schmutz auf den Flaschen symbolisch für den horrenden Schaden, den die Katastrophe herbeigeführt hat. Die Vermarktung von Flutwein ist für einige aktuell die einzige Einnahmequelle.

Der Import aus dem Keller von Riske steht jetzt in der Strandbar „Ommi Kese“ in Sondern und auf der „Weißen Flotte“ der Personenschifffahrt. Gereinigt wird das Glas nicht. „Wir verkaufen die Flaschen so, wie sie geborgen worden sind“, sagt Reck. Bezahlt werde müsse ein Mindestpreis, „Aufstocken ist bei der Aktion ,Ommi hilft’ erwünscht“. Die Einnahmen aus dem Verkauf sowie die zusätzlichen Spenden sind zu 100 Prozent für den Wiederaufbau des Winzerbetriebs bestimmt. „Was Volker nicht benötigt, kommt der Dorfgemeinschaft Dernau zugute“, verspricht Nicole Keseberg.

"Hoffen, dass wir viele Flaschen verkaufen"

Ebenfalls zum Skiclub „Schneekanonen“ gehören Marius Quast und Melanie Krawitz. Auch die Inhaberin der „Krämerei am Markt“ in Olpe verkauft die schlammverschmierten Zeugen der Flut vom Weingut Riske in ihrem Laden, völlig uneigennützig – wie der Einsatz von Marius Quast aus Wenden. „In kürzester Zeit hat er einen Online-Shop für den Verkauf von Flutwein eingerichtet“, freut sich Nicole Keseberg. Dann geht die 45-Jährige in die Strandbar und holt ein paar Flaschen aus dem Lager. „Wir hoffen, dass wir viele davon verkaufen“, blickt sie auf den Rebensaft in verdreckter Außenhaut, der ohne Bedenken und mit gutem Gewissen genossen oder aber als Zeugnis der unfassbaren Ereignisse im Juli 2021 aufbewahrt werden sollte.

Peter Reck und Nicole Keseberg in der Strandbar „Ommi Kese“. Dort und auf der „Weißen Flotte“ kann der Flutwein für den guten Zweck erworben werden.
Nicole Keseberg hat zahlreiche Flaschen persönlich abgeholt, um sie in Sondern zu verkaufen. Der komplette Erlös ist für Winzer Volker Riske und seine Belegschaft bestimmt. Überschuss fließt auf das Konto der Dorfgemeinschaft Dernau.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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