Weißes Licht gegen Depressionen

St.-Martinus-Hospital setzt neues Hilfsmittel im Kampf gegen saisonale Erkrankung ein

hobö Olpe. Neue Behandlungsmethoden im Gesundheitssystem bedürfen in aller Regel in der Anwendung eines großen fachspezifischen Know-hows und in der Anschaffung eines prall gefüllten Geldbeutels. Um so erstaunlicher wirkt, dass jetzt im Olper St.-Martinus-Hospital für nicht einmal 4000e ein simpel zu bedienendes Gerät angeschafft wurde, dass dort erstmals die Lichttherapie bei Patienten mit einer so genannten saisonalen Depression ermöglicht. Dr.med. Wolf-Dieter Werry, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte gestern die für Olpe neue Behandlungsmethode vor.

Die Lichttherapie ist keine völlig neue Erfindung. Das weiß auch Dr. Werry: »Dass Licht eine heilende Wirkung hat, ist eine uralte Weisheit.« Aber erst in den 1980er Jahren wurde die Methode zur Behandlung der saisonalen Winterdepression erforscht. Diese Form der Depression unterscheidet sich von der »üblichen« Depression vor allen Dingen durch vermehrtes Schlafbedürfnis, verstärkten Kohlehydrathunger und Gewichtszunahme. Wie Dr. Werry berichtete, erkannten die Forscher, dass die saisonalen depressiven Störungen typischerweise im Herbst beginnen und im Frühjahr oft schlagartig nachlassen, um dann einer eventuell leicht euphorischen Stimmungsphase zu weichen. Daher setzte man starkes weißes Licht von der Stärke über 2500 Lux zur Therapie ein (der ultraviolette Anteil wird nicht ausgestrahlt). An einem Frühjahrstag herrschen etwa 5000 Lux, in einem normal beleuchteten Raum lediglich 500 Lux. Das Licht wirkt über die Augen auf die Stimmungsregulation, indem es laut Dr. Werry auf das körpereigene Hormon der Zirbeldrüse, Melatonin, sowie das Hormon Serotonin, das im Winter in der Hirnanhangdrüse vermindert vorhanden ist, einwirkt.

Die Patienten in der psychiatrischen Abteilung des Olper Krankenhauses sitzen bei der Lichttherapie in etwa 1m Abstand vor der Lichtwand und werden durch ein akustisches Signal alle 90 Sekunden aufgefordert, für zwei bis drei Sekunden in das Licht zu schauen, während sie sich ansonsten Tätigkeiten wie Stricken und Lesen hingeben. Die Therapie wird ein- bis zweimal am Tag für 30 bis 45 Minuten durchgeführt. Ein therapeutischer Effekt sei bei der typischen saisonalen Depression nach etwa drei bis sieben Tagen zu erwarten.

»Mit der Einführung dieser Methode erwarten wir, vielen Patienten während der Herbst- und Wintermonate schneller aus ihrem depressiven Stimmungstief heraus helfen zu können«, erklärte Dr. Wolf-Dieter Werry. Es gebe Untersuchungen, dass die antidepressive medikamentöse Therapie mit Hilfe der Lichttherapie schneller anspreche. Auch eine weitere antidepressive Behandlungsmethode, der so genannte partielle Schlafentzug, bei dem die Patienten im zweiten Teil der Nacht wach sind, wird laut Dr. Werry in Kombination mit der Lichttherapie als wesentlich wirkungsvoller beschrieben.

Der Mediziner gab den Hinweis, dass nicht jede Müdigkeitserscheinung oder jede Gewichtszunahme ein Hinweis auf eine Winterdepression darstelle. Eine tatsächliche saisonale Depression beeinträchtige die Lebensqualität enorm. Betroffene Menschen seien kaum in der Lage, ihr ansonsten normales Tagesgeschäft zu bewältigen.

Der Olper Psychologe warnte davor, beispielsweise ein Solarium zur Lichttherapie zu nutzen. Schließlich wirke die Lichttherapie nur über die Augen, und die ultravioletten Strahlen in einem Solarium könnten bei geöffneten Augen zu Schädigungen führen. Vielmehr sollten alle Menschen versuchen, im Herbst und Winter so viel Tageslicht wie möglich zu nutzen. Wie wichtig das Tageslicht für die Menschen sei, erklärte Dr. Werry, sehe man daran, dass die Winterdepression von Süden nach Norden mit der geringeren Zahl an Sonnenstunden stetig zunehme. Überdies seien Frauen – wie generell bei Depressionen – häufiger betroffen.

Laut Dr. Werry stellen Depressive neben den Alkoholikern den größten Teil seiner Patienten. Gleichwohl sei die Depression die Krankheit, die man am besten heilen könne. Immerhin liege die Heilungsquote bei über 80 Prozent. Mit Hilfe einer chronischen Therapie könne ein Wiederauftreten der Krankheit in sehr vielen Fällen verhindert werden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen