Windpark offiziell eröffnet

Vier Anlagen drehen sich auf dem Engelsberg / Große Bürgerbeteiligung

rudi Neuenkleusheim. Vier Windkraftanlagen drehen sich auf dem Engelsberg und dem nahe gelegenen Kreuztaler Standort »Ewiger Fuhrmann« - nicht erst seit kurzem, sondern bereits seit Ende des Jahres 2004. Erst am Samstag wurden sie jedoch offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Zusammen mit allen am Bau der Anlagen Beteiligten stieß der Betreiber und Eigentümer, die »Windpark Engelsberg GmbH&Co. KG«, auf die nach eigener Aussage gelungene Inbetriebnahme an.

Mit einer Änderung im Baurecht wurden 1996 die Voraussetzungen dafür geschaffen, die Windkraftanlagen am Engelsberg zu errichten. Im Folgenden wies die Stadt Olpe ein Gebiet nahe Rehringhausen sowie nahe Kleusheim als so genannte »Windvorrangzone« aus. Diese Gelegenheit ergriff die Windpark Engelsberg GmbH beim Schopfe. Schnell wurden Pachtangebote eingeholt, erste Ertragsrechnungen mittels zuvor ermittelter Winddaten erstellt und ein Beteiligungsprospekt aufgelegt. Die Windpark Engelsberg GmbH versteht sich nämlich als geschlossener Immobilienfonds, an dem insgesamt 76 Miteigentümer beteiligt sind. 2,1Mill.e des Gesamtvolumens von 7,7Mill.e, die der Bau der Anlage kostete, wurden durch diese Beteiligungen sowie Kapitalmarktdarlehen finanziert. Rund ein Drittel der Miteigentümer stammen aus dem Kreis Olpe, 31 aus dem Stadtgebiet Olpe, davon allein 24 aus Neuenkleusheim.

Dieser Umstand bewirkte positive Aspekte für alle Beteiligten: Zum einen gestaltete sich die Errichtung der Anlage um ein Vielfaches einfacher, da man seitens der Bürger trotz vereinzelter Widersacher breiten Zuspruch erfuhr. Zum anderen schien aus Sicht der Bürger sowie der Stadt besonders attraktiv, dass das verdiente Geld in der Region bleibt. Während die Gewerbesteuer in die Kassen der Stadt Olpe fließt und die Pachtzahlungen für das Gelände im Dorf Neuenkleusheim bleiben, sind die Miteigentümer direkt am Ertrag der Anlagen beteiligt. Der Begriff »Bürgerpark« greift daher.

Die große Beteiligung seitens der Bürger wurde nicht zuletzt durch eine durchdachte Ertragsrechnung sowie ein zuvor erstelltes Gewinngutachten auf den Plan gerufen. Neben der Überzeugung, dass Strom aus Windkraft laut den Entwicklungen an der Leipziger Strombörse schon in wenigen Jahren wettbewerbsfähig sein wird, waren vor allem die für den Engelsberg errechneten Winddaten ausschlaggebend für das positive Echo. Jede der vier Anlagen erzeugt eine Höchstleistung von 1500 Kilowatt pro Stunde. Im Jahr werden somit rund 12Mill. kwh Strom erzeugt – genug, um 10000 Einwohner zu versorgen.

Seit Oktober 2004 sind die Anlagen am Engelsberg nach nur viermonatiger Bauzeit ans Stromnetz angeschlossen. Bis dato haben sie in Littfeld bereits 19 Mill. kwh ins Netz der RWE eingespeist. Allein im vergangenen Jahr erzeugte man nach Angaben des Unternehmens 11 Mill. kwh Strom. Damit lag man zwar leicht unter der anvisierten Leistung, verbuchte aber mit Blick auf ein vergleichsweise schwaches Windjahr ein gutes Fazit. »Die Erwartungen werden gut gedeckt«, brachte es Rudolf Kaiser, neben Alfred Hesse Geschäftsführer der Windpark Engelsberg GmbH & Co. KG, am Samstagnachmittag auf den Punkt. Schon dieses Jahr wehte der Wind nämlich stärker.

Nicht weniger interessant wie die Zahlen, die dem Windpark zugrunde liegen, gestaltete sich dessen Bau. Die Gittermastkonstruktionen der Firma Seeba aus Minden wurden erst vor Ort zusammengeschraubt und in einzelnen Segmenten hochgezogen. Die Nabenhöhe beträgt 111 Meter und erreicht damit die für den Betrieb notwendigen ruhigen Windlagen, die vor allem für die Ertragssicherheit von Belang sind. Per Aufzug können die Plattformen der Windräder erreicht werden – ein »Ausflug«, auf den sich nunmehr zehn Personen freuen dürfen. Im Rahmen der Einweihungsfeier wurden am Samstag zehn Fahrten auf die in 105 Metern liegenden Terrassen verlost. Der Erlös kommt der Anschaffung von Spielgeräten für den Kindergarten Neuenkleusheim zugute.

Auch Olpes Bürgermeister Horst Müller stattete dem Windpark Engelsberg am Samstag einen Besuch ab und zeigte sich begeistert – nicht zuletzt, da die Anlage ein gutes Beispiel für den Begriff der regionalen Wertschöpfung darstelle. Dennoch scheint der Windpark Engelsberg der letzte seiner Art im Kreis Olpe zu sein. Zumindest Rudolf Kaiser betonte, dass es im Kreis Olpe ansonsten keine leicht bebaubaren, rentablen Standorte für Windkraftanlagen mehr gebe.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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