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Institutionen in Olpe solidarisch mit Handel und Gastronomie
„Wir lassen euch nicht allein!“

Gähnende Leere an einem Freitag inmitten der Kreisstadt Olpe. Die erfreut womöglich die Virologen, die Einzelhändler bedroht es in ihrer finanziellen Existenz, zudem klagen immer mehr mangels einer Perspektive über die enorme psychische Belastung.
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  • Gähnende Leere an einem Freitag inmitten der Kreisstadt Olpe. Die erfreut womöglich die Virologen, die Einzelhändler bedroht es in ihrer finanziellen Existenz, zudem klagen immer mehr mangels einer Perspektive über die enorme psychische Belastung.
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö Olpe. „Das sind Belastungen, die einzelne Unternehmer kaum ertragen können.“ Eindringlich schildert Peter Enders, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins „Olpe Aktiv“, am Freitagvormittag, wie es um die Gewerbetreibenden in der Kreisstadt bestellt ist. Zu den finanziellen Belastungen infolge des Corona-bedingten Lockdowns stellen sich laut Enders vermehrt „sehr starke nervliche Probleme“ ein. In den vielen, vielen Gesprächen mit Händlern und Gastronomen sei deutlich geworden, „wie schwierig die Lage wirklich ist“.

Nun hat sich in der Kreisstadt Olpe ein Bündnis zusammengefunden, um in dieser düsteren Zeit ein Signal zu setzen. Ein Signal der Hilfsbereitschaft und des Zusammenstehens.

hobö Olpe. „Das sind Belastungen, die einzelne Unternehmer kaum ertragen können.“ Eindringlich schildert Peter Enders, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins „Olpe Aktiv“, am Freitagvormittag, wie es um die Gewerbetreibenden in der Kreisstadt bestellt ist. Zu den finanziellen Belastungen infolge des Corona-bedingten Lockdowns stellen sich laut Enders vermehrt „sehr starke nervliche Probleme“ ein. In den vielen, vielen Gesprächen mit Händlern und Gastronomen sei deutlich geworden, „wie schwierig die Lage wirklich ist“.

Nun hat sich in der Kreisstadt Olpe ein Bündnis zusammengefunden, um in dieser düsteren Zeit ein Signal zu setzen. Ein Signal der Hilfsbereitschaft und des Zusammenstehens. Daher hatten die Stadt, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen, die Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden, die Volksbank Olpe-Wenden-Drolshagen sowie der Stadtmarketingverein „Olpe Aktiv“ zu einem gemeinsamen Pressegespräch in den Olper Ratssaal eingeladen.

Gemeinschaftsaufgabe

„Wir wollen aufmerksam machen, wie die Situation tatsächlich ist, was nicht überall angekommen scheint, sowie aufzeigen, was wir tun wollen und können“, eröffnet Bürgermeister Peter Weber das Gespräch. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Hilfe für die Gewerbetreibenden eine Gemeinschaftsaufgabe ist.“

Dabei macht der Verwaltungschef keinen Hehl daraus, dass „wir nicht alle retten können, aber wir wollen so vielen helfen wie möglich“. Die Probleme seien sehr vielschichtig, es gebe nicht die eine Lösung. Aber die hier versammelten Institutionen böten eine Vielzahl an Hilfestellungen an, die man nun gebündelt zusammenstellen und darlegen wolle. Weber: „Wir haben hier einen lebenswerten Stadtkern mit einem guten Handel – um den zu retten, wollen wir zusammenstehen. Wir lassen euch nicht allein!“

Vorweg: Ein neues Hilfsprogramm haben die benannten Einrichtungen nicht auf die Beine gestellt. Selbst wenn die Stadt eine sechsstellige Summe zur Verfügung stellen würde, wäre vielen nicht geholfen, erklärt Weber. Und die Vergabe von Steuergeldern sei an viele Hürden gebunden, die den Dschungel an Fördermöglichkeiten nicht leichter durchdringen lasse. Jedem einzelnen der rund 300 betroffenen Betriebe wäre mit einer solchen Summe ohnehin nicht geholfen.

Erstaunt über die vielen Ideen

Vielmehr also sollen die einzelnen Hilfsangebote der beteiligten Einrichtungen gebündelt und transparenter werden. Ab Montag sollen auf der Homepage des Stadtmarketingvereins (olpe-erleben.de) die Offerten von IHK, Banken, „Olpe Aktiv“ und Stadt dargestellt werden. Überdies werde dann ein plakativer Überblick aller Online-Auftritte der Olper Händler und Gastronomen aufrufbar sein, erklärte Klarissa Hoffmann, Geschäftsführerin von „Olpe Aktiv“. „Ich bin erstaunt über die innovativen Ideen der Händler. Viele haben in kürzester Zeit einen Online-Shop aus dem Boden gestampft, von denen aber viele noch nichts wüssten.“

Peter Enders hat sich als Vorsitzender des Vereins sehr gefreut, dass Bürgermeister Weber das Thema aufgegriffen und zu Gesprächen sowie Workshops mit Einzelhändlern und Gastronomen geladen habe. Die Lage für viele sei sehr ernst. Bei vielen Betrieben seien die Rücklagen aufgebraucht, Kredite bereits überlebensnotwendig. Häufig würden Freunde und Familie sogar finanziell helfen. „Für uns ist das alles sehr belastend“, erklärt Enders. Zumal ja keine Perspektive in Aussicht gestellt werde und ein Gefühl der ungerechtfertigten Ungleichbehandlung um sich greife.

Dieter Kohlmeier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden, räumte zwar ein, dass die Banken nicht zaubern könnten, „aber wir versuchen alles Machbare, um zusammen mit der Volksbank ein verlässlicher Partner für die Gewerbetreibenden zu sein“. Die starke Verwurzelung und die engen persönlichen Kontakte würden helfen, den Kunden Tilgungsstreckungen, Liquidität und Beratungs-Knowhow zu bieten.

Banken wollen unterstützen

Marco Heinemann vom Vorstand der Volksbank Olpe-Wenden-Drolshagen unterstrich, dass man im „Gleichschritt mit der Sparkasse“ handele, um in der Region für die Region da zu sein. „Wir analysieren jedes Anliegen sehr sensibel, fair und verantwortungsbewusst. Wir gehen sehr pragmatisch vor.“ Die Vertreter der beiden Geldinstitute versprechen unisono, mit Rat und Tat schnell und flexibel zu helfen. „Wir wollen hier und jetzt auch Mut machen, auf uns zuzugehen“, so Heinemann.

Hilfe fließt spärlich

Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, lobt die konzertierte Aktion, denn miteinander zu handeln sei das Beste. Eigentlich gebe es in Olpe eine hervorragende Struktur mit dem höchsten Umsatz pro Einwohner im Kammerbezirk und der zweithöchsten Kaufkraftbindung nach Siegen. Von den 400 Händlern in Olpe dürften aber nur 100 die Läden öffnen. Die versprochenen Hilfen seien nicht oder nur spärlich angekommen: von der im Juni beschlossenen Überbrückungshilfe II lediglich 8 Prozent und von der dritten Stufe 0,07 Prozent.

Die Ungleichbehandlung des Handels gegenüber anderen Branchen habe die IHK zu einer Resolution veranlasst, die Druck aufbauen soll (vergl. Bericht auf Seite 4). „Die Händler müssen endlich wieder handeln dürfen“, fordert Gräbener.

Bürgermeister Weber glaubt, dass im Einzelhandel keine höhere Ansteckungsgefahr herrsche. Natürlich dürfe die Gesamtsituation der Corona-Pandemie nicht außer Acht gelassen werden, aber mit den AHA-Regeln, den Impfungen und den Schnelltests seien bessere Strategien möglich und nötig als einfach den Lockdown zu verlängern. „Ich bin mir sicher, dass es Betriebsschließungen in Olpe geben wird – und mit jeder Woche des Lockdowns werden es mehr“, glaubt Peter Weber.

Daher sei es so enorm wichtig, dass die staatliche Förderung endlich ankommt, appelliert Peter Enders. „Und am meisten helfen können uns die Bürger und Kunden, wenn sie zurückkommen oder jetzt schon online bei den Händlern vor Ort kaufen. Wir wollen doch alle, dass unsere so schöne Stadt erhalten bleibt.“

Gähnende Leere an einem Freitag inmitten der Kreisstadt Olpe. Die erfreut womöglich die Virologen, die Einzelhändler bedroht es in ihrer finanziellen Existenz, zudem klagen immer mehr mangels einer Perspektive über die enorme psychische Belastung.
Dieter Kohlmeier (Sparkasse), Marco Heinemann (Volksbank), Klarissa Hoffmann („Olpe Aktiv“), Beigeordneter Thomas Bär (Stadt), Peter Enders („Olpe Aktiv“), Bürgermeister Peter Weber sowie Jens Brill und Klaus Gräbener (beide IHK) machen auf die extrem schwierige Lage der Gewerbetreibenden und die möglichen Hilfestellungen ihrer Einrichtungen aufmerksam (v. l.).  Fotos: hobö
Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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