„Wunderkind“ in Olpe

Hochbegabtes „Wunderkind“: Kit Armstrong (18) aus London eröffnete die Reihe „Piano solo“ in Olpe.  Foto: pjw
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pjw Olpe. „Hut ab, ihr Herren, ein Genie“, mochte man im Kreishaus Olpe ganz im Sinne Robert Schumanns ausrufen, als dort der erst 18-jährige Pianist Kit Armstrong in die Tasten griff und den Saal in seinen Bann zog. „Wir sind völlig ausverkauft“, freute sich Klaus Droste, Organisator der „Piano-solo“-Konzerte, gleich zu Beginn. Ein guter Startschuss für die kommenden Konzerte der Reihe, die am Freitagabend für dieses Jahr ihren Anfang nahm.

Am Flügel verzauberte der hochbegabte Kit Armstrong – bereits studierter Musiker und Mathematiker – aus London die Zuhörer mit einem Programm, das von Barockmusik bis zur Gegenwart reichte. Dieses „Wunderkind“ wollte man sehen – und vor allem hören. Die „Vier Duette“ von Johann Sebastian Bach, mit denen das Konzert begann, passten gut zu dem jungen Künstler. Bachs Musik hat auch immer etwas Mathematisches an sich, was sich in Armstrongs Vortrag durchaus zeigte. Die unterschiedlichen Stimmen, die seine Finger kontrolliert spielten, schienen wie berechnet. Dennoch kam die Spielfreude nicht zu kurz, auch beim nachfolgenden „Italienischen Konzert“ nicht.

Gespannt war das Publikum auch auf die Sonate Nr. 18 in D-Dur von Mozart. Dessen letzte Klaviersonate birgt viele Schwierigkeiten, obwohl sie leicht und jugendlich-frisch klingt. Die polyphonen Elemente wurden von Armstrong aber klar und exakt hervorgehoben; in diesen Klavierpassagen – so war der Eindruck – fand sich der Pianist in der subtilen Musik wieder, ging in ihr auf.

Kit Armstrong ist nicht nur renommierter Pianist, sondern kann auch als Komponist mit verschiedenen Werken aufwarten. Nach der Pause spielte er seine „Varianten eines kleinen Stückes“, ein modern angehauchtes, schwer zu durchdringendes Stück.

Die Wirkung der Klaviermusik von Frédéric Chopin ist immer wieder erstaunenswert und zieht magisch an. Die Musikwelt feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag, klar, dass er in Olpe nicht fehlen durfte. Drei Etüden spielte Armstrong hintereinander weg, bis der nicht enden wollende Applaus erklang. Aber da saß die recht zierliche, bescheiden und unkompliziert wirkende Person schon wieder mit ernster Miene am Klavier und interpretierte drei Préludes von Debussy. Die kurzen Stücke waren wie für ihn geschrieben: Die Ruhe, die von ihnen ausgeht, schuf auch im Saal eine kontemplative Atmosphäre.Behutsam begann auch der nächste Programmpunkt des Abends: zunächst Liszts Etüde „La leggierezza“ (Leichtigkeit). Das Stück steigert sich sukzessive und schlägt den Zuhörer mit perlenden virtuosen Passagen in seinem Bann. Ein absolutes Highlight und ein würdiger Schluss war die erste Legende aus der „Vogelpredigt des heiligen Franz von Assisi“. Armstrongs zarte Finger waren bestens geschaffen für die zwitschernde Vogelwelt, dargestellt in unzähligen Trillern, Läufen, chromatischen Figuren und Arpeggien. Nach zwei Zugaben – darunter Ligetis „Fanfares“ – und Standing Ovations darf wohlwollend über dieses „Wunderkind“, wie ihn sein Lehrer Alfred Brendel einmal nannte, geurteilt werden. Die Bühnen dieser Welt werden ihm auch weiterhin offen stehen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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