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Die Pferde als zentrale Teammitglieder
Zu Besuch bei einem Training der Voltigierfreunde Süd-Sauerland

Bei einer Kür präsentieren die Voltigerinnen zu dritt eine Choreografie auf dem Pferderücken – natürlich normalerweise im Galopp.
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  • Bei einer Kür präsentieren die Voltigerinnen zu dritt eine Choreografie auf dem Pferderücken – natürlich normalerweise im Galopp.
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soph Frenkhausen. „Jill“ kommt an diesem Tag schneller ins Schwitzen als sonst, und man kann es ihr nun wirklich nicht verübeln: In der Reithalle des Reitbetriebs Sondermann ist es sehr heiß, die Luft steht und macht es den sechs Sportlerinnen und ihrem vierbeinigen Teammitglied recht schwer. Longenführerin Toni ist erstaunt: „Jill mag das Wetter, die ist richtig gut drauf.“ Und tatsächlich braucht es nur einen kleinen Wink mit der Peitsche und schon wechselt die Stute vom Trab in flotten Galopp. Trotzdem wird sie an diesem Tag nicht ganz so sehr gefordert, es ist das letzte Training vor einer kurzen Sommerpause. Viele Teammitglieder sind bereits im Urlaub, andere folgen bald.

soph Frenkhausen. „Jill“ kommt an diesem Tag schneller ins Schwitzen als sonst, und man kann es ihr nun wirklich nicht verübeln: In der Reithalle des Reitbetriebs Sondermann ist es sehr heiß, die Luft steht und macht es den sechs Sportlerinnen und ihrem vierbeinigen Teammitglied recht schwer. Longenführerin Toni ist erstaunt: „Jill mag das Wetter, die ist richtig gut drauf.“ Und tatsächlich braucht es nur einen kleinen Wink mit der Peitsche und schon wechselt die Stute vom Trab in flotten Galopp. Trotzdem wird sie an diesem Tag nicht ganz so sehr gefordert, es ist das letzte Training vor einer kurzen Sommerpause. Viele Teammitglieder sind bereits im Urlaub, andere folgen bald.

Erholung von Westfälischer Meisterschaft

Bei meinem Besuch bei den Voltigierfreunden Süd-Sauerland findet daher ein abgespecktes Training statt. „Jill“ darf sich so auch ein wenig vom Wochenende zuvor erholen: Gemeinsam mit den Leistungssportlern war sie bei der Westfälischen Meisterschaft. Nur knapp haben sie es nicht aufs Treppchen geschafft, der vierte Platz ärgert die Mädchen und jungen Frauen noch immer ein wenig und führte vor dem Training zu Analysegesprächen beim Pferdeputzen und Boxen ausmisten. Mit diesen Arbeiten beginnt der Nachmittag der Voltigierer. Beim Striegeln und Putzen ist auch schon viel Zeit, um mit „Jill“ und „Nerino“ zu schmusen und kuscheln.

„Nerino“ (l.) und „Jill“ werden vor dem Training geputzt und gepflegt.

„Die Pferde sind unsere zentralen Teammitglieder, um sie dreht sich alles“, betont Britta Dehne, 2. Vorsitzende des Vereins. Nicht jedes Pferd ist für den Job geeignet. „Das Pferd muss sehr geduldig und schreckfest sein, denn es passiert immer viel drumherum – gerade auf den Wettkämpfen.“ Denn da gibt es laute Musik, da sind viele Leute und die Richtertische mit den weißen Tischdecken kennt man auch nicht aus dem Stall. „Sie müssen die Verantwortung an den Longenführer abgeben und sich denken: ,Wenn du sagst, dass das nicht gefährlich ist, dann ist das so’.“ „Jill“ ist vor allem neugierig und schaut sich meinen Schreibblock mal genauer an. Die Stute ist recht klein für ein „Voltipferd“, ihr Kollege „Kingsman“ mit einem Stockmaß von über 1,80 Meter ist da schon eine imposantere Erscheinung. Aber „Jill“ macht einen guten Job, versichert mir Britta Dehne. Und ich werde mich während des Trainings auch noch selbst davon überzeugen können. Auch von ihrer Geduld, wenn sich ein absoluter Anfänger auf ihrem Rücken versucht. Doch dazu später mehr.

Ein Sport, der viel verbindet 

Nachdem die beiden Pferde sauber sind, bekommen sie ihr Trainingsoutfit verpasst. Anna (21) erklärt mir alles. Sie ist seit 15 Jahren im Verein und in der Turniergruppe, in der die Leistungssportler trainieren. Was ist denn für sie das Besondere an diesem Sport? „Er verbindet so viel. Das Turnen, die Pferde, die Mannschaft – das ist einfach ein tolles Gefühl.“ Ob sie vorher auch schon geritten ist, interessiert mich als erstes. Ja, das schon, aber Reiten und Voltigieren, das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Da pflichten ihr alle bei. „Längst nicht jeder kann reiten.“ Und auch die Ausrüstung unterscheidet sich vom Reitsport: Zunächst kommt das Pad auf den Rücken, um einerseits das Tier zu schonen, andererseits, um den „Voltis“ mehr Halt zu geben. Ein Schaumgummi wird über die Schulter gelegt, darüber kommt der Gurt, an dem sich die Sportler festhalten und mit Hilfe dessen sie auf das Pferd aufspringen. Dann kommen noch Gamaschen an die Pferdebeine und Voltigierschlappen an die Menschenfüße und es kann losgehen.

Die speziellen Schlappen sind hilfreich für die Übungen auf dem Pferderücken.

Holzpferd für neue Übungen und Choreografien

Mittlerweile sind auch alle Sportlerinnen da und die beiden Pferde werden in die Halle geführt. Am Eingang fällt mein Blick direkt auf ein Holzpferd ohne Kopf, dafür mit Griffen. „Daran probieren wir neue Übungen aus oder üben Choreografien ein“, erläutert Britta Dehne. Heute wird es nur beim Aufwärmen genutzt.

Zack - Schulterstand.

Denn auch wenn es fast schon unerträglich heiß ist, müssen sich die Sportler und Pferde warmmachen. Während Toni und Sabine Backwinkel, 1. Vorsitzende des Vereins, sich um die Pferde kümmern und die „Großen“ alleine ihre Runden drehen und Dehnübungen machen, schlägt Alicia den „Kleinen“ eine Variation vom Fangen spielen vor. Alle sind einverstanden. In dieser Gruppe – die Mädels sind alle im Grundschulalter – läuft vieles spielerisch, erklärt mit Sabine Backwinkel. „Die Kinder sollen mit Spaß bei der Sache sein, der Trainingseffekt kommt dann von selbst.“ Alicia trainiert mit Toni im Doppel, unterstützt Sabine Backwinkel beim Training und macht gerade ihren C-Trainerschein. Die jüngeren Vereinsmitglieder dürfen sich heute ihre Spiele aussuchen. Die Wahl fällt auf das Ansage-Spiel, bei dem der Trainer sagt, welche Körperteile das Pferd berühren sollen oder eben nicht.

Schritt ist bei der Hitze die bevorzugte Gangart

Auch die „Großen“ weiter hinten in der Halle dürfen heute viel selbst entscheiden. Alle sind sich einig, dass Schritt heute die bevorzugte Gangart sein sollte. Galopp ist nicht nur für „Jill“ anstrengender. Zunächst dreht die ihre Runden aber im Trab, die Mädels laufen neben ihr her und klopfen ihr immer wieder mal an den Hals und die Seite. „Das ist das Zeichen für ,Jill’, dass es gleich losgeht“, erklärt mir Toni. Im Wettkampf wird Trab nicht genutzt, zu holprig wird alles dadurch. Ich bekomme so ganz aus der Nähe einen Eindruck davon, wie anspruchsvoll diese Sportart schon im Schritt ist. Zu zweit laufen die Mädels neben dem Pferd her, die eine hält sich an den Griffen fest, die andere hilft ihr beim Aufspringen. Dann geht es darum, zu stehen und sich zu drehen.

Auf dem Pferderücken stehen ist eine Übung der Kategorie "Pflicht".

Dabei sieht man, wie wichtig die flexiblen Schlappen an den Füßen sind, damit das Gleichgewicht ausbalanciert werden kann. Regelmäßig wechselt Toni die Richtung, damit das Pferd nicht einseitig belastet wird und die Menschen keinen Drehwurm kriegen. Die Mädels präsentieren mir noch zwei Küren, bevor die letzten Runden dann doch im Galopp laufen, aber dafür mit Wunschübungen.

Bei einer Kür präsentieren die Voltigerinnen zu dritt eine Choreografie auf dem Pferderücken – natürlich normalerweise im Galopp.
  • Bei einer Kür präsentieren die Voltigerinnen zu dritt eine Choreografie auf dem Pferderücken – natürlich normalerweise im Galopp.
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Randsportart, die mehr Beachtung verdient hätte

Zu guter Letzt bin ich an der Reihe. Toni hilft mir beim Aufsteigen – im Stehen, versteht sich. Klappt tatsächlich beim ersten Mal, ich sitze auf dem weichen Pad. Toni gibt „Jill“ ein Zeichen und die Stute setzt sich unbeeindruckt in Bewegung. Die Griffe geben wirklich guten Halt und ich drehe ein paar Runden auf den Knien und auf dem Bauch liegend, wobei ich – sehr zur Erheiterung der Mädels – meine eigene Kür versuche und recht unkoordiniert Arme und Beine in die Höhe recke. Aber um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, auf einem Pferderücken anspruchsvolle Übungen zu machen, hat es gereicht. Nachdem ich wieder den Hallenboden unter den Füßen habe bedanke ich mich bei „Jill“ für ihre Geduld und den Mädels für diesen interessanten Einblick in eine Randsportart, die durchaus größere Beachtung verdient hätte.

Die Voltigierfreunde Süd-Sauerland:
Derzeit hat der Verein 105 Mitglieder aus den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein im Alter von sechs bis 23 Jahren, die mit den vier Pferden „Papis Polydor“, „Jill“, „Nerino“ und „Kingsman“ trainieren. Die Mitglieder teilen sich in vier Breitensportgruppen und eine Turniergruppe auf, weiterhin gibt es fünf Einzelvoltigierer und zwei Paare.

Die Turniergruppe der Voltigierfreunde Süd-Sauerland.

Bei einem Turnier gibt es die Pflicht im Galopp – vorgegebene Übungen – und die Kür in Schritt oder Galopp, bei der die Voltigierer zu zweit oder dritt selbstgewählte Choreografien zeigen. Die Wettkampfsaison läuft von März bis Oktober, dazwischen findet das Wintertraining statt. Neben dem großen Heimturnier ist die Westfälische Meisterschaft der Höhepunkt der Saison, daneben nehmen die Sportler am Fünf-Ländervergleich teil und in diesem Jahr zum ersten Mal am Deutschen Doppel-Cup. Bei Youtube kann man sich die Sportlerinnen in Aktion ansehen:
 

Voltigierfreunde Süd-Sauerland Derzeit hat der Verein 105 Mitglieder aus den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein im Alter von sechs bis 23 Jahren, die mit den vier Pferden „Papis Polydor“, „Jill“, „Nerino“ und „Kingsman“ trainieren. Die Mitglieder teilen sich in vier Breitensportgruppen und eine Turniergruppe auf, weiterhin gibt es fünf Einzelvoltigierer und zwei Paare. Bei einem Turnier gibt es die Pflicht im Galopp – vorgegebene Übungen – und die Kür in Schritt oder Galopp, bei der die Voltigierer zu zweit oder dritt selbstgewählte Choreografien zeigen. Die Wettkampfsaison läuft von März bis Oktober, dazwischen findet das Wintertraining statt. Neben dem großen Heimturnier ist die Westfälische Meisterschaft der Höhepunkt der Saison, daneben nehmen die Sportler am Fünf-Ländervergleich teil und in diesem Jahr zum ersten Mal am Deutschen Doppel-Cup.
Autor:

Katja Fünfsinn (Redakteurin) aus Siegen

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