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Regionalliga West + Südwest Saison 2022/23

„Wir wollen nicht warten, bis die Schlange zubeißt“

Kaan-Mareinborn: Trainer Thorsten Nehrbauer geht mit dem 1. FC Kaan-Marienborn zum zweiten Mal die Mission Klassenerhalt in der Regionalliga West an

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Diesmal soll es klappen: Nach dem (knapp) gescheiterten ersten Versuch will Trainer Thorsten Nehrbauer in der kommenden Saison mit dem 1. FC Kaan-Marienborn den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga West schaffen. Foto: carlo

Der 44-jährige Ex-Profi sieht den Aufsteiger besser aufgestellt als 2018Vier Jahre nach dem ersten Aufstieg ist der 1. FC Kaan-Marienborn zum zweiten Mal in der Fußball-Regionalliga West angekommen. Vor dem 1. Spieltag am Sonntag (14 Uhr) gegen Borussia Mömchengladbach 2. sprach die SZ mit Kaans Trainer Thorsten Nehrbauer über die Rückkehr in die Viertklassigkeit, die Saison und den geeigneten Sonnenschutz.Herr Nehrbauer, 2016, bei Ihrem Aufstieg mit dem 1. FC Kaan-Marienborn in die Oberliga, musste Ihr Bart dran glauben. Jetzt, seitdem der zweite Aufstieg in die Regionalliga feststand, ist Ihr Haupt obenrum kahl. Wie ist es denn nun in der Viertklassigkeit mit dem Sonnenschutz bei Ihnen – Sonnencreme, Kappe oder doch wieder volles Haar?- Das lasse ich offen (lacht). Das kommt auf die Stimmung an. Mittlerweile hat sich mein Kopf schon so an die Sonne gewöhnt, dass ich da mit den wenigeren Haaren etwas braun geworden bin. Kappe ist nicht so mein Ding, weil ich mich da eingeschränkt fühle vom Sichtfeld. Alles andere bringt die Zeit mit sich.

"Wir wollen die Euphorie mitnehmen."

Thorsten Nehrbauer
... mit Blick auf den Saisonauftakt

Hat sich denn Ihr Kopf schon daran gewöhnt, dass nun Ihre zweite Regionalliga-Saison mit dem 1. FC Kaan-Marienborn bevorsteht?

- Auf jeden Fall. Das war ja auch das Ziel, das war auch schon während der Oberliga-Saison so. Was schwierig ist, ist die kurze Vorbereitungszeit. Denn das war mit diesem komischen Modus, den wir in der Oberliga hatten, schon extrem. Es war ja nicht nur eine körperliche Belastung, sondern auch eine rein psychologische Belastung. In der Meisterrunde waren es alles Endspiele, du durftest dir keinen Fehler erlauben. Alles durfte passieren, nur nicht verlieren. Das haben die Jungs gut gemacht. Und dafür machen sie das in der Vorbereitung schon ganz gut. Sie haben vor Vorbereitungsbeginn eine Woche frei gehabt. Manche hatten dann auch während der Vorbereitung eine Woche frei – das war ein Arrangement unsererseits. Wir haben mittlerweile alle an Bord. Und man merkt, dass der Kopf wieder frischer wird, der Körper besser. Aber unter dem Strich brauchen wir sicher noch zwei, drei Wochen. Daher wollen wir die Euphorie mit in die kommenden Aufgabe nehmen. Wir müssen Energie daraus ziehen und zusehen, dass wir genügend Kraft haben, um die Spiele zu gewinnen.

Hat sich für Sie dieser Aufstieg in die Regionalliga jetzt anders angefühlt als der erste vor vier Jahren?

- 2018 war es ein bisschen anders, weil uns keiner den Aufstieg zugetraut hat. Der Aufstieg war damals etwas Überraschendes. Dieses Jahr waren wir schon Mitfavorit. Es gab aber aus meiner Sicht vier, fünf andere Aufstiegsanwärter, und so war natürlich ein ganz anderer Druck da. Weil du musstest. Du hattest das Ziel ausgesprochen. Dementsprechend war es diesmal ein größerer Stein, der vom Herzen gefallen ist.

Im letzten Spiel der Saison 2018/19 hat Kaan-Marienborn zwar in Bonn gewonnen, trotzdem fehlte in der Endabrechnung ein Punkt zum Klassenverbleib. Was wollen Sie anders machen, damit es diesmal am Ende nicht auf eine solche knappe Entscheidung hinausläuft?

- Ich glaube, dass wir schon vieles anders gemacht haben, weil wir diesmal schon frühzeitig auf dem Transfermarkt tätig geworden sind. Wir hatten aber auch schon einige Qualitätsspieler in der Oberliga-Mannschaft, die wir damals nicht hatten. Damals hat es etwas länger gedauert, bis wir Leistungsträger wie Mehmet Kurt oder Leon Binder geholt haben. Diesmal haben wir schon frühzeitig zum Beispiel Julian Schauerte, Nico Brandenburger oder Markus Pazurek (schon im vergangenen Sommer, Anm.d.Red.) verpflichtet. Aber wir haben auch Spieler, die sich weiter entwickelt haben, wie Daniel Waldrich, der sicherlich zeigen will, dass er es noch mal kann in dieser Liga, oder Lars Bender, der die Erfahrung hat. Da sind wir besser aufgestellt als 2018, so dass wir sofort am 1. Spieltag um Punkte kämpfen können.

Sie haben in den Testspielen mit den taktischen Formationen 4-2-3-1 und 3-5-2 spielen lassen. Wie sehen Sie die Rolle Ihrer Mannschaft in der Regionalliga, wie wollen Sie agieren – tatsächlich flexibel oder eher abwartend, nachdem Kaan in der Oberliga ja immer das Spiel machen musste?

- Dass wir so das Spiel machen müssen wie in der Oberliga, wird sicherlich nicht so sein. Aber das wird so auch passieren, weil nicht alle Teams in der Regionalliga das Kaliber von Preußen Münster haben. Dennoch werden wir aus einer kontrollierten Offensive heraus versuchen, Fußball zu spielen. Wir wollen nicht nur hinten drin stehen und warten, bis die Schlange zubeißt. Wir wollen schon mitspielen. Ich glaube, es wird keine andere Lösung geben. Du kannst nicht nur verteidigen.

"Wir werden aus einer kontrollierten Offensive heraus versuchen, Fußball zu spielen."

Thorsten Nehrbauer
... über die taktische Ausrichtung

Im Vergleich zu damals, wie schätzen Sie die anderen Mannschaften in der Regionalliga ein?

- Man muss sagen, es ist sehr gefährlich. Wenn ich etwa an den 1. FC Düren (Aufsteiger Mittelrhein, Anm.d.Red.) denke. Das ist kein normaler Gegner. Die haben jetzt viel investiert, die haben auch schon vorher viel investiert, haben viele erfahrene Regionalliga-Spieler. Wenn ich den 1. FC Bocholt (Aufsteiger Niederrhein, Anm.d.Red.) sehe, die haben finanziell richtig reingebuttert. Die SG Wattenscheid 09 (zweiter Aufsteiger Westfalen, Anm.d.Red.) ist ein Traditionsverein, das ist auch immer was anderes, da werden Euphorie und viele Zuschauer sein. Aber wir haben auch ein gewisses Potenzial. Das heißt für mich, dass die Liga an sich in der Breite stärker wird. Man hat auch nicht mehr die eine Mannschaft wie RW Essen, die da durch marschiert. Ich glaube, dass es ein harter Kampf wird.

Wer sind die Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg?

- Alle Aufsteiger plus alles, was da mit kreucht und fleucht.

Was da kreucht und fleucht? Also alles, was nicht Traditionsverein ist?

- Man muss sagen, Lippstadt macht das ja auch schon seit Jahren sehr gut. Straelen macht es auch gut, die haben sich ein bisschen etabliert. Aber das sind trotzdem Mannschaften, die immer wieder schauen müssen, dass sie nicht da unten reinkommen, weil überall Qualität ist. Bei den U-Mannschaften muss man sehen, was die im Kader haben. Ich glaube, es gibt eine unheimlich breite Masse. carlo

Das ist Thorsten Nehrbauer

Thorsten Nehrbauer ist 44 Jahre alt, er lebt mit seiner Familie in Windeck (Sieg). Sein Sohn Tim Nehrbauer spielt beim TSV Meerbusch (Oberliga Niederrhein). Nehrbauer war Profi in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga und ist Inhaber der Trainer-A-Lizenz. Seine Stationen als Spieler waren der Bonner SC (Jugend), Bayer Leverkusen U 19, Bayer Leverkusen, Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld, FSV Mainz 05, Hannover 96 (2 Einsätze in der Bundesliga), 1. FC Saarbrücken, Kickers Emden, Bonner SC und Germania Windeck. Er bestritt 13 Spiele für die U-21-Nationalmannschaft und fünf Partien für die Olympia-Auswahl. Von 2011 bis 2013 war Nehrbauer (spielender) Co-Trainer und Trainer beim TuS Homburg-Bröltal. Ende Januar 2014 heuerte er erstmals beim 1. FC Kaan-Marienborn an (Westfalenliga, Oberliga, Regionalliga). Nach seinem Engagement im Breitenbachtal war der Ex-Profi von 2019 bis zum 1. Dezember 2020 beim Bonner SC (Regionalliga) tätig. Seit dem 1. Oktober 2021 steht er wieder beim 1. FC Kaan-Marienborn an der Seitenlinie.

REGIONALLIGA WEST

- 24. Juli: 1. FC Kaan-Marienborn - Borussia Mönchengladbach 2. (So., 14 Uhr).
- 7. August: 1. FC Kaan-Marienborn - 1. FC Köln 2. (So., 14 Uhr).
- 10. August: SV Straelen - 1. FC Kaan-Marienborn (Mi., 19.30 Uhr).
- 13. August: SV Lippstadt - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).
- 20. August: 1. FC Kaan-Marienborn - SV Rödinghausen (Sa., 14 Uhr).
- 28. August: FC Schalke 04 2. - 1. FC Kaan-Marienborn (So., 14 Uhr).
- 2. September: Fortuna Köln - 1. FC Kaan-Marienborn (Fr., 19.30 Uhr).
- 10. September: 1. FC Kaan-Marienborn - Rot-Weiß Oberhausen (Sa., 14 Uhr).
- 17. September: 1. FC Düren - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).
- 1. Oktober: 1. FC Kaan-Marienborn - Fortuna Düsseldorf 2. (Sa., 14 Uhr).
- 8. Oktober: Preußen Münster - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).
- 15. Oktober: 1. FC Kaan-Marienborn -Wuppertaler SV (Sa., 14 Uhr).
- 22. Oktober: RW Ahlen - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).
- 29. Oktober: 1. FC Kaan-Marienborn - SG Wattenscheid 09 (Sa., 14 Uhr).
- 5. November: SC Wiedenbrück - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).
- 12. November: 1. FC Kaan-Marienborn - 1. FC Bocholt (Sa., 14 Uhr).
- 19. November: Alemannia Aachen - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).
- 26. November: Borussia Mönchengladbach 2. - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).
- 3. Dezember: 1. FC Kaan-Marienborn - SV Straelen (Sa., 14 Uhr).
- 10. Dezember: 1. FC Köln 2. - 1. FC Kaan-Marienborn (Sa., 14 Uhr).

- Anmerkung: Die Saison wird nach der Winterpause am 4. Februar 2023 fortgesetzt.