Anzeige
Gesundheits Kompass

Stimulation des Gehirns durch Magnetimpulse

Nicht nur für depressiv Erkrankte stellt die rTMS-Therapie eine geeignete Behandlungsmethode dar

Stimulation des Gehirns durch Magnetimpulse

Alle Vorgänge im Gehirn – wie Denken, Fühlen, Wahrnehmen und das Vorbereiten von Handlungen – entstehen durch einen Austausch von Informationen zwischen Hirnzellen und werden ebenfalls dadurch gesteuert. Die Informationen werden über sogenannte Schaltstellen (Synapsen) auf elektrischem und chemischem Weg weitergegeben. Ein geordnetes Zusammenspiel der Nervenbahnen im Gehirn ist dabei die Voraussetzung für seelische und körperliche Gesundheit. Kommt es zu einer Störung im Stoffwechsel der Botenstoffe oder einer Fehlfunktion der Schaltstellen, kann es zu Krankheitssymptomen wie z.B. einer Depression oder Angstzuständen kommen.      

Schonende Behandlungsmethode

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS-Therapie) wurde erstmals 1985 angewandt und entwickelte sich seither zu einer anerkannten und wirksamen Behandlungsmethode. Sie eignet sich besonders für Patienten mit einer Depression, die nicht ausreichend mit Medikamenten therapiert werden können. Die Therapie kann dabei gezielt den Ausgleich der aus der Balance geratenen Hirnaktivitäten bewirken. Seit 2010 ist die rTMS­-Therapie in den USA und seit 2011 auch in Deutschland zugelassen.

Viele Patienten haben zunächst Bedenken, sich den Magnetimpulsen auszusetzen, doch die sehr gut verträgliche und sichere Therapie ist für viele Therapeuten und Patienten eine hochwirksame und nebenwirkungsarme Behandlungsmethode, die zusätzlich oder alternativ zur medikamentösen Therapie eingesetzt werden kann. Doch nicht nur für depressiv Erkrankte stellt die rTMS­-Therapie eine geeignete Behandlungsmethode dar. Auch bei anderen psychischen sowie neurologischen Erkrankungen kommt die Therapiemethode zum Einsatz.

Stimulation des Gehirns durch Magnetimpulse-2

DR. MED. HEIKO ULLRICH

Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Kreisklinikum Siegen

Hirnstimulation durch Magnetimpulse

Bei der rTMS-­Therapie wird eine Magnetspule auf die linke vordere Gehirnhälfte am Kopf aufgelegt. Die Stimulation des Gehirns erfolgt über kurze Magnetimpulse, die einen Stromfluss im oberflächennahen Gehirnareal auslösen. Dadurch soll die Hirnaktivität normalisiert werden. Die Stärke dieser Impulse wird bei jedem Patienten individuell angepasst und vorher genau ausgemessen. Die Impulse führen zu einer anhaltenden Anregung der Nervenzellaktivitäten. Auch eine Überaktivität der Nervenzellen kann durch eine rTMS­-Therapie behandelt werden. Das Magnetfeld ist in der Lage, die Schädeldecke ohne Abweichung zu durchdringen.

Durch Forschung und in Studien wurde nachgewiesen, dass die verhaltensmäßigen und funktionellen Störungen bei einer Depression auf Veränderungen der Gehirnaktivität zurückzuführen sind. Vor allem der linke vordere Gehirnbereich ist der Bereich, der alle Hirnareale, die an einer Depression beteiligt sind, miteinander verbindet. Durch die gezielte Stimulation dieses Bereiches können alle speziellen Gehirnareale erreicht werden, die die Stimmung und die Emotionen steuern. Somit muss nicht das gesamte Gehirn therapiert werden, sondern nur ein kleiner Teil. 
  

Stimulation des Gehirns durch Magnetimpulse-3

Die rTMS­-Therapie erfolgt in der Regel stationär. Unter bestimmten Bedingungen ist jedoch auch eine ambulante Therapie möglich. Zu Beginn einer Behandlungsphase findet zunächst ein ärztliches Vorgespräch statt. In diesem wird abgeklärt, ob eine Indikation zur rTMS-­Therapie besteht und keine Kontraindikationen vorliegen. Für Patienten mit Kopfimplantaten, Medikamentenpumpen oder Herzschrittmachern sowie bei bestehender Schwangerschaft, Epilepsie oder Hirntumoren kann die Therapie nicht angewandt werden.

Besteht eine Indikation zur rTMS­-Therapie, wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Die Anzahl der erforderlichen Sitzungen und die Art der Stimulation werden von einem behandelnden Arzt festgelegt. Eine Therapiesitzung dauert in etwa 20 bis 30 Minuten und wird in der Regel einmal täglich über 4 bis 6 Wochen vorgenommen. Die Intensität und Dauer der Wirkung hängen dabei von verschiedenen Faktoren ab. Eine Garantie für die Wirkung der rTMS-­Therapie gibt es – wie bei der medikamentösen Therapie auch – leider nicht. In der weltweit größten kontrollierten rTMS­-Studie wurde jedoch festgestellt, dass ganze 49 Prozent der Patienten auf die Behandlung ansprachen und 32 Prozent eine vollständige Symptomfreiheit erreichten.

Verbesserung der Symptome

Nach den Therapiesitzungen verbessert sich häufig zuerst der Schlaf der Patienten. Zu Beginn der Behandlung können leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase können Patienten während der Therapie besser entspannen. Auch die Stimmung verbessert sich zunehmend. Zu einer professionellen rTMS­-Therapie gehört nicht nur der Umgang mit der Magnetspule. Das Besondere der Behandlung ist die Kombination aus der Anwendung der Magnetstimulation und einer intensiven Beziehungsarbeit mit den Patienten. In jeder Sitzung werden deshalb zusätzlich Gespräche geführt und individuelle Probleme besprochen.