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Gesundheits Kompass

Schonende Operation bei Lungenkrebs

Damit der Eingriff für Patienten so wenig Schmerzen wie möglich birgt, steigt der Anteil der minimalinvasiven Operationen im Vergleich zur offenen Operation

Schonende Operation bei Lungenkrebs

Lungenkrebs stellt bei Männern die häufigste Krebstodesursache dar und tritt bei ihnen in Deutschland fast doppelt so häufig auf wie bei Frauen. Die Sterberaten steigen trotzdem seit Ende der 1990er Jahre bei den Frauen kontinuierlich an, wohingegen sie bei den Männern zurückgehen, was auf die Veränderung der Rauchgewohnheiten zurückzuführen ist. Zu den Risikofaktoren gehören neben der Hauptursache des Rauchens auch gewisse Berufe, bei denen durch das Einatmen krebserregender Substanzen das Erkrankungsrisiko erhöht wird.Therapie und Diagnostik des LungenkrebsesDie Verdachtsdiagnose Lungenkrebs sollte eine möglichst zügige Diagnostik nach sich ziehen. Hierbei muss durch ein aufwendiges Untersuchungsprogramm geklärt werden, welcher Tumorzelltyp vorliegt (zytologische/histologische Sicherung) und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Erst mit diesen wichtigen Informationen lässt sich die optimale Behandlung für Patienten finden. Der behandelnde Arzt muss dabei abklären, ob der Tumor auf die Lunge oder lokal begrenzt ist und ob die Tumorzellen in den Lymphknoten sind oder bereits Metastasen in anderen Organen abgesiedelt sind.Für die Bestimmung des Tumorstadiums bedarf es einer ausgedehnten Diagnostik, auch Staging genannt. Dazu können die folgenden Untersuchungen herangezogen werden: Bronchoskopie, endobronchialer Ultraschall mit Gewinnung von Proben an Lymphknoten durch Feinnadelpunktion (EBUSTBNA), Spiegelung des Mittelfellraumes (Mediastinoskopie), minimalinvasive operative Entfernung von Lymphknoten aus dem Mediastinum (VAMLA), MRT des Schädels (cMRT), Sonographie vom Oberbauch, Computertomographie (CT) und CT über die Stoffwechselprozesse (PET­CT). Welche dieser Untersuchungen bei Patienten zum Einsatz kommt, hängt davon ab, wie belastbar sie sind, welche Funktionsreserven des Herz­-Lungen-Systems und Vorerkrankungen vorliegen und welche Wünsche der Patient selbst hat. So kann individuell auf Patienten eingegangen werden.

Schonende Operation bei Lungenkrebs-2

DR. MED. KHALED MARDANZAI

Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie und thorakale Endoskopie am Kreisklinikum Siegen

Die Untersuchungsergebnisse werden dann mit allen an der Behandlung beteiligten Disziplinen (Pneumologie, Onkologie, Strahlentherapie, Thoraxchirurgie, Pathologie, etc.) in einem sogenannten Tumorboard besprochen und gemeinsam wird eine Therapieempfehlung erstellt. Grundsätzlich stehen bei der Behandlung von Lungenkrebs vier Behandlungs-­optionen sowie ihre Kombination zur Verfügung:

1. Operation

2. Strahlentherapie

3. Chemotherapie

4. Immuntherapie

Optimale Behandlung abhängig von Tumortyp

Für die Behandlung von Lungenkrebs ist es im ersten Schritt wichtig, eine Gewebeprobe aus dem Tumor zu entnehmen und diese genauestens zu analysieren, um den speziellen Zell­- und Gewebetyp zu kennen. Zudem teilt man Lungenkarzinome in kleinzellige oder nicht-­kleinzellige Lungentumore ein. Erst mit diesen wichtigen Informationen und der Einteilung in kleinzellige oder nicht ­kleinzellige Lungentumore lässt sich die optimale Behandlung für Patienten finden. Generell bietet eine Operation im Frühstadium des Lungenkrebses die beste Heilungschance, ist jedoch auch abhängig von der Größe und Ausbreitung des Tumors. Gegebenenfalls müssen als weitere Maßnahmen dann andere Therapien wie Chemo­ und Strahlentherapie zum Einsatz kommen. Ist die Krebserkrankung aber auf die Lunge beschränkt und hat noch keine anderen Organe befallen, ist die Chance auf eine vollständige Heilung durch eine Operation absolut gegeben.

Operative Therapie des Lungenkrebses

In der Thoraxchirurgie stellen die einzelnen operativen Verfahren lediglich Varianten der im Grunde identischen Operationen dar, die sich im Wesentlichen nur durch die Art des operativen Zugangs unterscheiden. Ein Verfahren ist beispielsweise die konventionelle offene Operation. Im Gegensatz dazu werden bei der minimalinvasiven Operation (Schlüsselloch-Chirurgie) unter Kamerasicht nur ein oder mehrere kleine Hautschnitte vorgenommen. Weitere Varianten der minimalinvasiven Operation sind beispielsweise die uniportale videoassistierte Thorakoskopie (uVATS) oder die sogenannte robot­assisted thoracic surgery (RATS), die mit dem Robotersystem DaVinci durchgeführt wird.

Damit die Operation für Patienten so wenig Schmerzen wie möglich birgt, nimmt – wie mittlerweile in vielen anderen chirurgischen Disziplinen auch – in der Thoraxchirurgie der Anteil der minimalinvasiven Operationen im Vergleich zur offenen Operation deutlich zu. Darunter fallen auch roboterassistierte operative Eingriffe, bei denen erfahrene Thoraxchirurgen vermehrt auf die DaVinci­-Technik setzen, die Patienten viele Vorteile gegenüber herkömmlicher OP-­Verfahren bietet.
    

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Hochmodernes OP-Verfahren mit DaVinci-System

Zu den Vorteilen der minimalinvasiven roboterassistierten Thoraxchirurgie gehören:

+ geringere Verletzungen der Brustwand und damit weniger Schmerzen

+ verkürzte Wundheilung

+ schnellere Mobilisation nach der Operation

+ verkürzter Krankenhausaufenthalt

+ bessere kosmetische Ergebnisse sowie eine bessere intraoperative Sicht und damit hohe Patientensicherheit

Die modernsten OP­-Verfahren zur Behandlung von Lungenkrebs sind die RATS-Lobektomie, RATS­Manschetten­-Resektion sowie die RATS­T-hymektomie. Dabei wird der krebsbefallene Teil der Lunge über kleine Schnitte (8­12 Millimeter) am Brustkorb robotergestützt entfernt. Dank der hochauflösenden 3D­Bildgebung des DaVinci­-Operationssystems können feinste Nervenstrukturen detailliert dargestellt und das Gewebe bestmöglich geschont werden.

Durch diese verbesserte Gewebeschonung wird möglichst viel Lungengewebe erhalten, was zu einem raschen Heilungsprozess und einer zügigen Stabilisierung der Lungenfunktion der betroffenen Patienten führt. Die bei herkömmlichen Lungenoperationen notwendige Eröffnung des Brustkorbes mit einem großen Schnitt und mit Auseinanderspreizen der Rippen entfällt bei der minimalinvasiven Lobektomie (Entfernung des Lungenlappens) vollkommen. Im frühen Stadium des Lungenkrebses ist die Einsatzmöglichkeit des DaVinci­-Systems besonders gut geeignet, aber auch bei fortgeschrittenen Tumoren lassen sich durch die optimale Technik des Roboters in engen Räumen problemlos sehr komplexe Eingriffe hochpräzise durchführen.

Der DaVinci­-Roboter ist das weltweit verbreitetste und am weitesten entwickelte Robotersystem. Zu betonen ist hierbei, dass der Roboter keine selbstständigen Entscheidungen trifft und keine eigenen OP­-Schritte durchführt. Er ist nur ein Instrument, das dem operierenden Chirurgen eine bessere Sicht und exaktere Bewegungen, besonders in engen Räumen, ermöglicht. +