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GESUNDHEITS KOMPASS

Aus dem Takt

Aus dem Takt

Schnelle Hilfe bei Herzbeschwerden

Lange Zeit bleiben sie symptomlos. Werden Probleme des Herzens indes diagnostiziert, ist schnelle Hilfe gefragt. Moderne Therapiemethoden beleuchten die beiden Chefärzte der Medizinischen Klinik II am Diakonie Klinikum Jung-Stilling, Professor Dr. Dursun Gündüz (Kardiologie und Angiologie) und Privatdozent Dr. Damir Erkapic (Kardiologie und Rhythmologie).

Unregelmäßiger Herzschlag, Luftnot oder übermäßige Wassereinlagerungen: Diese Symptome treten auf, wenn die sogenannte Mitralklappe (zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer) oder die Trikuspidalklappe (zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzklammer) nicht mehr richtig arbeiten. Sind die Klappen undicht, hilft oft nur eine aufwändige Operation. Meist handelt es sich bei Betroffenen aber um ältere Patienten, die für offene Eingriffe oftmals schon zu schwach sind. Eine Alternative bieten Clip-Verfahren für die Herzklappen. Minimalinvasiv kann mit deren Hilfe die Schlussfähigkeit der Klappen wiederhergestellt werden. 56 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ausgezeichnete Zentren, die das Verfahren anbieten, gibt es in Deutschland. Eines davon befindet sich am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen, im Umkreis von 100 Kilometern das einzige dieser Art.

Breites Feld von Behandlungsoptionen

Als häufigster Herzklappenfehler in Industrienationen wie Nordamerika oder Europa gilt die Aortenklappenstenose. Auch von dieser durch Kalkablagerungen bedingten Verengung sind insbesondere ältere Patienten betroffen. Offene Operationen bringen demnach auch hier ein hohes Risiko mit sich. Deshalb bietet sich ein sogenannter TAVI an, ein biologischer Aortenklappenersatz, der minimalinvasiv über einen Katheter angebracht werden kann.

Werden Herzrhythmusstörungen diagnostiziert, kann der Mediziner auf ein breites Feld von Behandlungsoptionen zurückgreifen. Dazu zählt etwa der Einsatz eines Herzschrittmachers oder auch Defibrillators, die Gabe von Medikamenten oder die sogenannte Ablation, also Verödung (mit und ohne 3D-Technologie).

Rhythmusstörungen können verschiedene Ursachen haben. Hinter ihnen kann sich beispielsweise ein erkrankter Sinusknoten verbergen. Dieser ist Hauptgeber für den Herzschlag. Ist seine Funktion gestört, ist der Einsatz eines Herzschrittmachers oftmals angezeigt. Als „Pförtner“ des Herzens gilt der Atrioventrikular (AV)-Knoten. Entzündungen, Infektionen, die Gabe bestimmter Medikamente oder auch ein höheres Lebensalter des Patienten können zur Funktionsschwäche führen. Leistungsschwäche, Schwindel oder Müdigkeit gelten als Symptome. Ist die Störung nicht mehr umkehrbar, bedarf es ebenfalls einer Herzschrittmacher-OP.

Als häufigste Form der Herzrhythmusstörung gilt indes das Vorhofflimmern. Mehr als wie Millionen Betroffene gibt es in Deutschland. Bedingt durch das steigende Lebensalter ist ein weiterer Anstieg der Zahlen zu erwarten. Körperliche Leistungsschwäche, Herzklopfen, Luftnot, Schwitzen, innere Unruhe oder auch Schwindel treten hierbei als Symptomatik in Erscheinung. Doch die Krankheit ist mittels minimalinvasiver Katheterablation gut behandelbar – sofern sie frühzeitig erkannt wird.

Verfahren der Diagnostik

Egal, welche Rhythmusstörung vorliegt: Am Beginn jeder Therapie sollten immer umfangreiche Diagnostiken stehen. Dazu zählen Patientengespräche ebenso wie ein 24-Stundenoder auch ein Sieben-Tage-Langzeit-EKG oder die genaue Überwachung mittels implantierter Geräte. Aus den gewonnen Ergebnissen leitet sich dann die Behandlung ab.

Zum Ausschluss struktureller Veränderungen oder Erkrankungen des Herzens ist eine bildliche Darstellung unverzichtbar. Die heute zur Verfügung stehenden Verfahren bieten eine Fülle an Möglichkeiten, fordern jedoch auch eine ausgewiesene Expertise für die Erstellung und Interpretation der Befunde. Das Diakonie Klinikum ist von der Fachgesellschaft als Zentrum für kardiovaskuläre Bildgebung zertifiziert und bietet alle Möglichkeiten einer adäquaten kardialen Diagnostik: 3D-Echokardiographien ermöglichen dem Mediziner präzisere Beschreibungen von beispielsweise krankhaften Herzklappenprozessen. Bei Verdacht auf eine mögliche koronare Herzerkrankung sollte zunächst die Durchblutung am Herzen mittels nicht-invasiver – und damit für den Patienten – schonende Verfahren durchgeführt werden. Hierzu zählen unter anderem die Computer- und Magnetresonanztherapie des Herzens, Stressechokardiographien sowie nuklearmedizinische Untersuchungenwie die Szintigraphie. Bestätigt sich hierbei der Verdacht einer vorliegenden Erkrankung der Herzkranzgefäße, sollte eine Herzkatheteruntersuchung stattfinden.

In den vergangenen Jahren kam es in der invasiven Kardiologie zum Paradigmenwechsel. Hieß es früher „Wo muss ein Stent rein?“, so heißt es heute „Wo kommen wir ohne Stent aus?“. Hierzu bedienen sich Ärzte sich heute in der modernen Kardiologie invasiver bildgebender Verfahren, mit denen die Herzkranzgefäße ganz genau ausgemessen werden können („intravaskulärer Ultraschall“, „Optische Kohärenztomographie“). Damit kann genau visualisiert werden, welche Länge und Breite der Stent (Gefäßstütze) haben sollte. Komplettiert wird dies mit Flussmessungen der Herzkranzgefäße (FFR). Hiermit kann sichergestellt werden, ob die Engstelle relevant ist und ob der Patient überhaupt von einem Stent profitiert. Damit ist eine optimale Versorgung möglich.

PRIVATDOZENT DR. DAMIR ERKAPIC

Chefarzt für Kardiologie und Rhythmologie, Medizinische Klinik II am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen



PROF. DR. DURSUN GÜNDÜZ

Chefarzt für Kardiologie und Angiologie, Medizinische Klinik II am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen

Telefon (0271) 333 4740
Email: info.kardiologie@diakonie-sw.de