Anzeige
GESUNDHEITS KOMPASS

Früherkennung bleibt der wichtigste Beitrag

Früherkennung bleibt der wichtigste Beitrag

Lungenkrebs: Minimalinvasiv operabel trotz Befall der zentralen Strukturen?

Während der Lungenkrebs die häufigste krebsbedingte Todesursache weltweit darstellt, bildet die Chirurgie in heilender Intention weiterhin die tragende Säule der Therapie Betroffener. Die Früherkennung des Lungenkrebses bleibt der wichtigste Beitrag zur Erhöhung der Heilungschancen. Das dafür notwendige CT-Screening der Risikogruppen (Raucher, Passivraucher und asbestexponierten Personen) hat sich bisher noch nicht durchgesetzt, daher ist der Lungenkrebs bei der Diagnosestellung in vielen Fällen so weit fortgeschritten, dass eine vollständige operative Entfernung und damit die Heilung der Krankheit nicht möglich ist.

Das ist bei Lungentumoren der Fall, wenn Tumorabsiedlungen in anderen Organen nachgewiesen werden. Wird jedoch eine Tumorabsiedlung in anderen Organen (Fernmetastasierung) sowie Lymphknotenbefall ausgeschlossen, ist eine primäre operative Therapie vorzuziehen. Sind dahingegen die Lymphknoten befallen, wird ein multimodales Therapiekonzept (Chemo-, Immun,- Strahlentherapie kombiniert mit Operation) empfohlen.

Das Ausmaß der entfernten Lungenanteile beeinflusst direkt die spätere Leistungsfähigkeit des Patienten und damit die Lebensqualität. Daher gilt vor jeder Operation eine ausgedehnte funktionelle Überprüfung der Leistungsfähigkeit. Sind die zentralen Strukturen befallen, wird für die Heilung des Krebses oft die Entfernung der ganzen Lungenflügel der betroffenen Seite notwendig. Dies ist durch ein multimodales Therapiekonzept in vielen Fällen nicht mehr notwendig, da der Tumor so verkleinert werden kann, dass eine operative Therapie ohne Entfernung der ganzen Lungenflügel möglich wird. Zudem ermöglichen moderne Operationstechniken selbst in die Luftwege oder Lungengefäße eingewachsene Lungentumoren zu entfernen. Herausfordernd ist dabei, den Tumor komplett herauszunehmen und gleichzeitig möglichst viel Lungengewebe zu erhalten.

Konventionelle VATS-Lobektomie

Lungenoperationen bei Lungenkrebs wurden bislang offen-chirurgisch durch Brustkoberöffnung durchgeführt, meist verbunden mit langen Heilungsprozessen, starken Wundschmerzen und langer Liegezeit mit Komplikationen und schwerwiegenden Infektionen. Mittlerweile ist das in den meisten Fällen jedoch nicht mehr notwendig, da Lungenoperationen auch in minimalinvasiver Technik oder in sogenannter Knopflochchirurgie durchgeführt werden können. Als etabliertes Verfahren hat sich bei operativer Behandlung des Lungenkrebses in erfahrenen Händen die sogenannte VATS-Lobektomie durchgesetzt. Dabei werden konventionell über drei kleine Schnitte zwischen den Rippen eine Kamera sowie zwei Instrumente in den Brustkorb eingeführt. So werden der ganze tumortragende Lungenlappen sowie die Lymphknoten vollständig entfernt. In den Kliniken mit entsprechender Expertise werden die offenen Operationsverfahren nur noch selten durchgeführt.

Uniportale VATS-Lobektomie

In der Weiterentwicklung der VATS-Lobektomie in der Thoraxchirurgie wurde auf die beiden zusätzlichen Schnitte verzichtet, so dass die komplexen Operationen über einen kleinen drei bis vier Zentimeter großen Schnitt (uniportal), der als Zugang für die Kamera und die OP-Instrumente dient, vorgenommen werden können. Das bedeutet noch weniger Schmerzen durch weniger Trauma der Nerven und Gewebe, schnellere Erholung, geringere Infektionsgefahr und kürzere stationäre Aufenthalte. Durch Verfeinerung und Weiterentwicklung der Technik mit sehr viel Erfahrung des Chirurgen können hochkomplexe Verfahren der Manschettenoperation über diesen einzigen kleinen Schnitt sicher durchgeführt werden. Diese Technik kommt bei Tumoren zum Einsatz, die in die Lungenwurzel mit den herznahen Gefäßen und dem Bronchialbaum eingewachsen sind. Durch dieses komplizierte Operationsverfahren ist es möglich, einzelne Lungenabschnitte zu erhalten, d.h. parenchym - sparend oder gewebesparend minimalinvasiv zu operieren, obwohl die Lungenwurzel durch den Tumor befallen ist. So gelingt es den Tumor zu entfernen und dabei gleichzeitig die Atemwege neu zu rekonstruieren. Insbesondere bei eingeschränkter Lungenfunktion wird durch den Erhalt der Gasaustauschfläche die Leistungsfähigkeit weniger beeinträchtigt. So kann auch älteren und funktionell eingeschränkten Patienten eine operative Therapie angeboten werden.

Roboterassistierte Systeme im Einsatz

Seit mehr als einem Jahrzehnt kommen zudem im Rahmen der Lungenoperationen bei Lungenkrebs auch roboterassistierte Systeme, wie der DaVinci Xi, zum Einsatz. Das roboterassistierte Vorgehen bietet eine Vielzahl von Vorteilen:

- Körperliche Entlastung für den Chirurgen, da der Chirurg im Sitzen an einer Konsole arbeitet. Das bedeutet: weniger Ermüdung und mehr Konzentration. 

- Die 3D-Kamera des DaVinci Xi bietet dem Chirurgen scharfe wackelfreie Aufnahmen mit starker Vergrößerung. So können selbst kleinste Strukturen versiegelt und dagegen feinste Nervenstränge geschont werden.

- An jedem der vier Arme des Roboters können spezielle Instrumente befestigt werden, die sich in alle Richtungen (sieben Freiheitsgrade) drehen können. So sind natürliche Handbewegungen für den Operateur bei der Steuerung der abgewinkelten Instrumente möglich.

- Durch minimalinvasive Operationen sind die Heilungs- und Genesungszeit deutlich kürzer. Somit kann der Patient schneller in den Alltag zurück.

- Präzise Identifizierung der Gewebeebenen unentsprechend ergonomischer und sicherere Tumorentfernung. Aufgrund dieser Vorteile wächst auch das Anwendungsspektrum für roboterassistierte Resektionen.

Eine ganz neue und bahnbrechende Technik ist darüber hinaus die Kombination der uniportalen Technik mit der Roboterchirurgie. Auf diese Weise sind komplexe Nahttechniken durch die enorm beweglichen Arme des Roboters im kleinen Raum deutlich besser möglich. Mit Hilfe dieser Operation wird einerseits die Patientensicherheit erhöht und auf der anderen Seite so viel Lungengewebe wie möglich erhalten, um insbesondere bei eingeschränkter Lungenfunktion, durch den Erhalt der Gasaustauschfläche, die Leistungsfähigkeit der Patienten weniger zu beeinträchtigen. Außerdem kann der Tumor dabei mit einem genügenden Sicherheitsabstand aus dem gesunden Gewebe herausgenommen werden. Durch solch moderne Operationstechniken sowie einer interdisziplinär abgestimmten Vorbehandlung kann möglichst viel Lungengewebe erhalten werden.

DR. MED. KHALED MARDANZAI

Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie und thorakale Endoskopie am Klinikum Siegen, Facharzt für Thoraxchirurgie