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GESUNDHEITS KOMPASS

Hier gibt's was auf die Ohren

Hier gibt's was auf die Ohren

Bestimmte Testverfahren machen das Hörvermögen messbar

Hören ist ein komplexer Prozess. Er reicht von der einfachen Wahrnehmung von Tönen und Geräuschen bis zum Verständnis komplexer kommunikativer Sachverhalte. Doch was tun, wenn das Hörvermögen nachlässt? Mittels diverser Testverfahren kann die Ursache gefunden werden.

Schon Immanuel Kant sagte: „Nicht sehen trennt den Menschen von den Dingen, nicht hören trennt den Menschen von den Menschen“. Unsere ganze Gesellschaft basiert auf einer verbalen, auditiven Kommunikation. Daher ist gutes Hören und Verstehen für uns alle wichtig – und das ab dem Zeitpunkt der Geburt. Schon in den ersten Lebenstagen werden Neugeborene auf ihr Hörvermögen hin getestet.

Doch wie funktioniert das Organ Ohr? Die Schallwellen nehmen wir mit der Ohrmuschel auf, leiten sie über den Gehörgang weiter und verstärken diese im Mittelohr. Fehler in dieser Übertragung werden als Schallleitungsstörung bezeichnet. In der Hörschnecke erfolgt die Transformation der mechanischen Wellen in elektrische Impulse. Eine Störung in diesem Bereich ist eine Schallempfindungsstörung.

Über Nerven werden die Höreindrücke in verschiedene Hörzentren im Gehirn geleitet, wobei beide Großhirnhemisphären beteiligt sind. Es gibt Hörbereiche, die die Impulse verstärken, andere unterdrücken sie. Eine Störung hier ist eine neurale Hörstörung. Das Endergebnis des Hörprozesses kann der Handyklingelton eines Mobiltelefons drei Sitzreihen unter mir in einem Konzert sein, den ich als solchen wahrnehmen und lokalisieren kann. Ist das Hörvermögen beeinträchtigt, gibt es diverse Testverfahren.

Tympanometrie

Bei der Tympanometrie handelt es sich um ein objektives Messverfahren. Dabei untersucht der HNO­Arzt das Ohr zunächst visuell. Kann er Anomalien ausschließen, wird behutsam eine Sonde in den Gehörgang eingeführt und darüber Töne eingespielt. Ziel ist es (anhand der Messung des akustischen Widerstandes des Trommelfells), auf indirektem Wege den Druck im Mittelohr zu messen, pathologischen Mittelohrinhalt (wie etwa Schleim) nachzuweisen und den Zustand der Gehörknöchelchenkette zu beurteilen. Unter der sogenannten Impedanz wird in diesem Fall das Ausmaß des Widerstandes verstanden, den das akustische System als Ganzes, etwa das Mittelohr, der Aufnahme von Schallwellen entgegensetzt. Ein akustisches System mit hoher Impedanz absorbiert wenig Schallenergie und reflektiert einen großen Anteil. Ein System mit niedriger Impedanz nimmt hingegen viel Schallenergie in Form von Vibrationen auf. Das Ausmaß der Schallabsorption wird hier auch mit dem Begriff „Compliance“ beschrieben und meint die Nachgiebigkeit beziehungsweise Steifigkeit des Trommelfells.

Diese Untersuchungsmethode wird häufig eingesetzt, um einen Paukenerguss festzustellen. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung nicht­eitriger Flüssigkeit im Mittelohr. Der Paukenerguss tritt nicht selten in Folge einer Mittelohrentzündung auf und kann zu Hörverlust oder Gleichgewichtsstörungen führen.

Otoakustische Emissionen

Otoakustische Emissionen (OAE) sind aktive, akustische Aussendungen des Innenohrs, die entgegen der normalen Richtung bei der Schallwahrnehmung (über den Weg Gehörknöchelchen und Trommelfell) in den Gehörgang gelangen und dort mithilfe von hochempfindlichen Messmikrofonen aufgenommen werden können. Das Ohr macht also, ähnlich wie ein elektrisches Gerät, ein Geräusch, das man messen kann, wenn es funktionstüchtig ist.

Akustisch evoziertes Potenzial

Ohne dass eine Mitarbeit des Probanden notwendig ist, können wir die elektrischen Hirnimpulse, die durch ein Schallereignis hervorgerufen werden, mit Ableitelektroden am Kopf messen. Dies wird auch als Hirnstammaudiometrie bezeichnet. Akustisch evozierte Potentiale (AEP) haben zwei Anwendungsgebiete:

- Diagnostik des Hörsystems; Einsatz beispielsweise beim Neugeborenen-Hörscreening
- Diagnostik der Nervenbahnen bei neurologischen Erkrankungen

Das größte Problem dieser Art Messungen ist ihre Störanfälligkeit – etwa durch geringe Geräusche des Probanden oder durch Bewegungsstörungen. Bei Erwachsenen kann meist von einer guten Mitarbeit ausgegangen werden. Für die Bestimmung der Hörschwelle über verschiedene Frequenzen ist bei Kindern meist eine Sedierung oder gar Narkose notwendig. Für die einfachen Methoden des Hörscreenings reicht häufig auch der Spontanschlaf aus.

Tonaudiogramm

Ein Tonaudiogramm entsteht durch Messung des subjektiven Hörvermögens für Töne. Die Töne werden in verschiedenen Frequenzen dargeboten (meist von 250 bis 8000 Hertz in Lautstärken von 0 bis 100 Dezibel). Zum Aufnehmen eines Tonaudiogramms ist die Mitarbeit des Probanden notwendig. Der Untersucher spielt der Reihe nach bestimmte Töne in jeweils steigender Lautstärke ab, und der Proband gibt an, wann er den Ton wahrnimmt. Man kann die Übertragung mit Kopfhörern messen, um eine Aussage über die Schallleitung über den Gehörgang und das Mittelohr zu erreichen, oder über Knochenleiter, die hinter dem Ohr auf den Knochen gehalten werden. Dies macht eine Aussage, was das Innenohr an Tönen wahrnehmen kann. Man erhält dann zwei Kurven für verschiedene Frequenzen: eine für die Luftleitungshörschwelle (Leitung der Schallsignale über das Mittelohr zum Innenohr) und eine für die Knochenleitungshörschwelle (Leitung der Schallsignale über den Schädelknochen für das Innenohr). Ist die Luftleitungshörschwelle normal, arbeiten Gehörknöchelchen und Hörschnecke auch normal.

Bei einer Schallempfindungsstörung liegen Luftleitungsund Knochenleitungshörschwelle in gleicher Weise bei höheren Dezibel-Werten als beim Normalhörenden. Werden dagegen Töne über Luftleitung schlecht, über Knochenleitung aber normal wahrgenommen, handelt es sich um eine Schallleitungsstörung. Beide Formen der Schwerhörigkeit können gleichzeitig vorliegen, dann ist die Knochenleitungshörschwelle schlechter als normal, die Luftleitungshörschwelle jedoch noch schlechter. Man spricht dann von einer kombinierten Schwerhörigkeit.

Sprachaudiogramm

Eine Sprachaudiometrie untersucht die Fähigkeit des Probanden, Sprache zu verstehen. Bei den meisten Sprachverständlichkeitstests werden über einen Kopfhörer oder Lautsprecher gesprochene Wörter in definierter Lautstärke vorgespielt. Meistens werden Zahlenwörter und einsilbige Nomen getestet, in ansteigender Lautstärke. Der Proband muss die Worte richtig wiederholen. Die Diskrepanz zu den tatsächlich abgespielten Worten lässt Rückschlüsse auf das Hörvermögen und Sprachverstehen zu. Zusätzlich kann auch ein Störgeräusch abgespielt werden.

Spielaudiometrie

Im Alter von etwa drei bis fünf Jahren kann die Hörschwelle bei Kindern mittels „Spielaudiometrie“ bestimmt werden. Eine seitengetrennte Messung über Kopfhörer ist in diesem Alter häufig noch nicht möglich. Auch das Vorspielen von einfachen Sinustönen, wie dies bei der Erwachsenenmessung der Fall ist, ist für Kinder uninteressant. Daher werden bestimmte Töne über Lautsprecher abgespielt. Immer, wenn das Kind die bestimmten Töne hört, darf es spielen. Auf diese Weise kann eine Hörschwelle bestimmt werden.

Testverfahren zur auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung

Eine auditive Wahrnehmungsstörung ist als Teilleistungsstörung der Gehirnfunktionen zu verstehen. Eine relative Störung der auditiven Wahrnehmung äußert sich in einer Beeinträchtigung kommunikativer Funktionen, wie etwa der Lautsprache, der Schriftsprache oder dem Verstehen und Umsetzen gehörter Informationen. Zur Prüfung der Fähigkeiten der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung sowie der Sprachverarbeitung stehen verschiedene normierte und Standardisierte Testverfahren für das Vorschulalter und für Gundschulkinder, aber auch für Erwachsene zur Verfügung.

Ziel der Audiometrie ist die Bestimmung einer normalen Hörschwelle. Sollte jedoch eine Hörstörung vorliegen, muss diese genau erkannt und den jeweiligen Ohr- und Hirnstrukturen zugeordnet werden, um eine bestmögliche Rehabilitation des Patienten zu erreichen.

DR. MAGDALENA GRZONKA

Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Diakonie Klinikum Bethesda Freudenberg

Telefon: (02734) 8676
E-Mail: mvz-hno@diakonie-sw.de