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GESUNDHEITS KOMPASS

Plötzlich Pflegefall

Plötzlich Pflegefall

Mit guter Beratung alle Hürden nehmen

Mit einem Schlag war das Leben ein anderes – im wahrsten Sinne des Wortes. Von jetzt auf gleich war Waltraud Schmitz ein Pflegefall. Ein Schlaganfall hatte sie aus dem gewohnten Leben gerissen. Die vermeintlich einfachsten alltäglichen Dinge waren plötzlich unmöglich. „Nicht einmal ein Butterbrot kann sie sich mehr schmieren“, schildert Tochter Bettina.

„In solchen Situationen ist vor allem eins wichtig: Ruhe bewahren und sich helfen lassen“, sagt Susanne Sahm, zertifizierte Pflegeberaterin und Fallmanagerin bei der Mobilen Pflege der Diakonie Bethanien in Siegen. Hilfe finden Betroffene unter anderem bei Menschen wie ihr. „Pflegeberater kennen alle möglichen Sozialleistungen und erstellen bei Bedarf Versorgungspläne“, erklärt sie. In Akutsituationen wie der von Waltraud Schmitz führen sie Angehörige zudem mit kühlem Kopf zielsicher durch den Paragrafen-Dschungel, so dass schnelle Hilfe für den Betroffenen möglich wird.

Zwei Arten der Pflegeberatung

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten der Pflegeberatung. Die Pflegeberatung nach §7a SGB XI ist das, was zum Beispiel im Fall der Familie Schmitz erfolgt oder wenn der Bedarf an pflegerischer Unterstützung absehbar ist. Sie wird von Krankenkassen, Pflegediensten, Krankenhäusern , Verbraucherzentralen, Sozialämtern, Pflegestützpunkten und privaten Pflegeberatungen angeboten.

„Die Beratung nach §7a SGB XI dient der Erstinformation und beinhaltet ein individuelles Fallmanagement“, erklärt Susanne Sahm. „In einem Erstgespräch ermitteln Pflegeberater systematisch den individuellen Hilfe- und Unterstützungsbedarf des Klienten und beraten ihn zu gesundheitsfördernden, präventiven, rehabilitativen oder sonstigen pflegerischen und sozialen Hilfsangeboten sowie möglichen Geld- und Sachleistungen.“ Hat die Begutachtung zur Einstufung in den Pflegegrad noch nicht stattgefunden, unterstützen Pflegeberater auf Wunsch auch die Vorbereitung darauf.

Die Pflegeberatung nach §37.3 SGB XI ist für Menschen, die ausschließlich Pflegegeld erhalten, verpflichtend. Für die Pflegegrade 2 und 3 muss sie halbjährlich, für die Pflegegrade 4 und 5 vierteljährlich stattfinden. Freiwillig ist die Beratung hingegen bei Pflegegrad 1. „Die Beratung nach §37.3 SGB XI dient vor allem der regelmäßigen Qualitätssicherung“, erklärt Susanne Sahm. „Hier prüfen Pflegeberater zum Beispiel, ob weitere Leistungen beantragt werden können oder ob beispielsweise für pflegende Angehörige Entlastungsangebote Sinn machen. Auch eventuell erforderlichen pflegerelevante Umbaumaßnahmen sind in diesen Beratungsgesprächen ein Thema.“

So lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben zu können

Wichtig: Beide Beratungsarten sind kostenlos bzw. von der Pflegekasse finanziert. Im Vordergrund steht dabei immer, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben können. „Externe Entlastungsangebote werden für dieses Ziel immer wichtiger“, erklärt Susanne Sahm. „Tagespflegen entlasten zum Beispiel sowohl die Pflegebedürftigen als auch die pflegenden Angehörigen und sorgen für Verschnaufpausen im herausfordernden Pflegealltag.“ Budgetsorgen sind an dieser Stelle meist unbegründet, weiß Susanne Sahm. „Selbst wenn Sie bereits eine ambulante Pflege in Anspruch nehmen, können Sie Tagespflege in Anspruch nehmen, ohne dass sich die Sachleistungen reduzieren.“

Ebenso hilfreich für eine Entlastung sind Pflegekurse. „Was nur Wenige wissen: Pflegende Angehörige haben nach §45 SGB XI den Anspruch auf kostenfreie Pflegekurse und -schulungen“, sagt Susanne Sahm. Das in den Kursen vermittelte Wissen verbessert und erleichtert die häusliche Pflege und Betreuung und reduziert somit die individuellen Belastungen, die durch die Pflege entstehen. „Wer in Deutschland zum Pflegefall wird, erhält umfassende Unterstützung“, erklärt Susanne Sahm. „Er muss nur wissen, was ihm zusteht und wie man es beantragt.“ Hierzu leisten qualifizierte Pflegeberater wie Susanne Sahm von der Mobilen Pflege Bethanien in Siegen einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag.

CARMEN REICHMANN

Einrichtungsleiterin Tagespflegen und mobile Dienste der Diakonie Bethanien in der Region Siegen



SUSANNE SAHM

zertifizierte Pflegeberaterin und Fallmanagerin bei der Mobilen Pflege Bethanien in Siegen

Telefon: 0271-23374212
E-Mail: susanne.sahm@diakoniebethanien.de