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GESUNDHEITS KOMPASS

Probleme mit dem Wasserlassen

Probleme mit dem Wasserlassen

Therapieansätze bei gutartigen Prostataerkrankungen

Häufiger Harndrang oder der nächtliche Gang zur Toilette: Das können typische Beschwerden einer vergrößerten Prostata sein. Die Prostata ist eine Drüse, die bei Männern vorkommt und einen großen Anteil der Flüssigkeit produziert, aus der das Ejakulat des Mannes besteht. Sie liegt direkt unter der Harnblase und umgibt die Harnröhre. Mit zunehmendem Alter, insbesondere bei Männern über 50 Jahren, vergrößert sich die Prostata zunehmend. Das führt dazu, dass die Prostata allmählich die Harnröhre zusammendrückt und den Harnabfluss verhindert. Dadurch kann es zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen kommen und die Häufigkeit und Dringlichkeit des Harndrangs nimmt zu. Bei inkompletter Blasenentleerung steigt das Risiko für Prostata- und Blasenentzündungen. In selten Fällen können die Betroffenen plötzlich kaum noch oder gar nicht mehr Wasser lassen.

Die benigne (gutartige) Prostatahyperplasie, kurz BPH, beschreibt diese Art der Prostatavergrößerung. Rund 50 Prozent der 40 bis 60-Jährigen ist davon betroffen. Bei den 60 bis 80-Jährigen sind es schon 75 Prozent. Bei dieser gutartigen Vergrößerung der Prostata findet eine Zellzunahme innerhalb der Prostata statt. Die Zellkerne der Drüsen zeigen dabei keine Zeichen der Malignität. Im Gegensatz zum Prostatakrebs, bilden sich hierbei keine Tochtergeschwulste (Metastasen).

Probleme beim Wasserlassen können Anzeichen sein

Eine vergrößerte Prostata kann sich durch einen schwachen oder abgeschwächten Harnstrahl sowie nächtlichen Harndrang äußern. Bleibt das Wasserlassen vollständig aus (Harnverhalt), sollte direkt eine Notaufnahme aufgesucht werden. Es kann dadurch zu einer Harntransportstörung mit einer gefährlichen Nierenentgleisung kommen. Besteht der Verdacht auf eine vergrößerte Prostata, lässt sich diese mit einer rektalen Untersuchung durch einen Urologen meist ertasten. Die Untersuchung einer Urinprobe sollte eine Infektion oder Blutung ausschließen. Zur besseren Evaluierung wird eine Harnstrahlmessung durchgeführt (Uroflowmetrie), die das Harnflussvolumen sowie die Rate des Harnflusses misst. Eine Ultraschalluntersuchung kann ebenfalls zeigen, wie hoch das Prostatavolumen ist und wie viel Urin in der Harnblase zurückbleibt (Restharnmenge).

Therapie verschafft Symptomlinderung

Eine benigne Prostatahyperplasie ist nicht zwingend therapiebedürftig. Erst wenn die Symptome die Lebensqualität der Betroffenen negativ beeinflussen oder es zu Komplikationen kommt, wird eine Behandlung erwogen. Bei einer leichten Form der Vergrößerung ist eine medikamentöse Therapie meist ausreichend. Genügt der Einsatz der Medikamente nicht mehr oder verschlimmern sich die Symptome, wird ein operatives Vorgehen in Betracht gezogen. Für die Behandlung einer benignen Prostatahyperplasie gibt es verschiedene operative Behandlungsmöglichkeiten. Die gängigste Operation ist die transurethrale Resektion der Prostata, kurz TUR-P. Bei dieser minimalinvasiven Operation wird, ähnlich wie bei einer Blasenspiegelung, ein kleines Arbeitsinstrument in die Harnröhre eingeführt. Mit Hilfe einer Metallschlinge, über die elektrischer Strom fließt, wird das überschüssige Gewebe der Prostata abgetragen. Im Normalfall können Patienten das Krankenhaus innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder verlassen.

Eine abgewandelte Form der TUR-P ist die transurethrale Inzision der Prostata, auch TUIP abgekürzt. Die Technik ist dieselbe, jedoch wird hierbei kein Prostatagewebe entfernt, sondern nur eingeschnitten. Dadurch wird der Harnröhre mehr Platz verschafft, was zu einer Verbesserung beim Wasserlassen führt. Die TUI-P wird dann eingesetzt, wenn die Vorsteherdrüse noch nicht zu groß ist.

Kleine Implantate werden eingesetzt

Das Verfahren Prostatic Urethal Lift „UroLift“, gilt als nichtablative operative Technik. Hierbei werden kleine Implantate eingesetzt, die das vergrößerte Prostatagewebe einengen, wodurch der Harnfluss offen gehalten wird. Der „UroLift“ bewirkt somit eine schnelle Symptomlinderung, ist jedoch nur für kleine Prostata ohne signifikante Mittellappen geeignet.

Das Laserverfahren stellt ein weiteres operatives Therapieverfahren dar. Mithilfe verschiedener Lasertechniken kann das Gewebe eingeschnitten oder eingeschmolzen werden. Die Laserverfahren eignen sich besonders gut bei einer stark vergrößerten Prostata. Die meisten Verfahren dieser Art sind minimalinvasiv, einige können sogar ambulant und/oder in örtlicher Betäubung durchgeführt werden.

Das sogenannte Aquablationoder Aquabeam-Verfahren gehört zu den neuen Operationsverfahren bei Prostatavergrößerungen. Durch einen Hochdruckwasserstrahl wird das vergrößerte Prostatagewebe mit Hilfe eines Operationsroboters abgetragen.

Die roboter-assistierte Adenomektomie kommt bei sehr großen Prostata (>100 ml) oder Begleitpathologie wie Harnblasensteinen bzw. großen Blasendivertikeln zur Anwendung. Diese moderne minimalinvasive Operationstechnik wird nur in wenigen Zentren regelmäßig angewendet.

Welches Therapieverfahren bei den Patienten angewandt wird, hängt vom Einzelfall ab. Abgesehen von den im Vorfeld erläuterten Behandlungsmöglichkeiten gibt es gegenwärtig keine gesicherten Empfehlungen für eine Vorbeugung der Krankheit. Eine generelle gesunde Ernährung und Lebensweise kann jedoch Abhilfe schaffen und beugt gleichzeitig anderen Krankheiten, wie dem Prostatakarzinom, vor. 

DR. MED. MUSTAPHA ADDALI

Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Siegen, Facharzt für Urologie und Kinderurologie, FEBU, Berater der Deutschen Kontinenzgesellschaft