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Gesundheits Kompass

Den Pfunden den Kampf ansagen

Wenig Bewegung und zu viel Essen: Adipositas ist eine krankhafte Form des Übergewichts

Den Pfunden den Kampf ansagen

Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung leidet an krankhaftem Übergewicht – Adipositas. Die im Volksmund „Fettsucht“ genannte Krankheit bringt viele Probleme mit sich, ob im akuten Stadium oder auch nach einer massiven Gewichtsabnahme. Experten in Sachen Therapiemöglichkeiten sind Privatdozent Dr. Thomas Pech, Chefarzt Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling, und Privatdozent Dr. Sebastian Dango, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Kreisklinikum Siegen.Adipositas oder „nur“ Übergewicht?Wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbrennt, nimmt zu. Zwei bis drei Kilos zu viel machen nicht viel aus. Doch es gibt auch krankhafte Formen des Übergewichts, wie die Adipositas. Wer unter „Fettsucht“ leidet, der kämpft meist nicht allein mit einem rein kosmetischen Problem, sondern muss mit schweren gesundheitlichen Folgen rechnen. Wenig Bewegung und zu viel Essen: Dies sind die grundlegenden Faktoren, die die Adipositas begünstigen. Hinzu kommen noch andere Risikofaktoren. Dazu zählen gewisse Stoffwechselerkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente, Essstörungen, depressive Erkrankungen, genetische Faktoren oder auch Stress.

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PRIVATDOZENT DR. THOMAS C. PECH

Chefarzt Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling Siegen, Telefon: (0271) 333 40029, E-Mail: plastische@diakonie-sw.de

Adipositas begünstigt das Auftreten der Zucker- oder Herz-Kreislauf-Krankheiten. Zudem steigt das Risiko, an Magen-, Darm-, Nieren- oder Lungenkrebs zu erkranken. Wissenschaftlich belegt ist zudem ein Zusammenhang zwischen der „Fettsucht“ und hormonellen Störungen – bis hin zur Unfruchtbarkeit.

Auch negative psychosoziale Auswirkungen sind nicht zu vernachlässigen. Nicht selten führt Adipositas zu einer sozialen Ausgrenzung. Vermindertes Selbstwertgefühl, Vereinsamung oder Angststörungen können die Folge sein.

Body-Mass-Index ist ein erster Indikator

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Ob Übergewicht krankhaft sein könnte, lässt sich zunächst durch die Berechnung des Body-Mass-Indexes testen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein Wert ab 30 als Indikator für die Fettsucht. Doch auch andere Faktoren, wie etwa die Verteilung des Körperfettes, werden in die Diagnosestellung miteinbezogen. Besonders gefährlich gilt dabei die so genannte viszerale Fettmasse, also Fettpolster, die sich im Bereich des Bauches ausbilden. Diese wird durch Messung des Taillenumfanges festgestellt. Bei Frauen liegt ab einem Wert von 88 Zentimetern eine „bauchbetonte Adipositas“ vor, bei Männern ab einem Wert von 102 Zentimetern.

Wichtigstes Ziel der Adipositas-Therapie ist die langfristige Reduktion des Körpergewichts. Dazu dient als erste Maßnahme ein dreistufiges Basisprogramm bestehend aus Ernährung, Bewegung und der Umstellung des eigenen Verhaltens. Dazu gibt es Hilfe, etwa eine Ernährungsberatung oder Anleitungen zum gelenkschonenden Sport. Auch eine Verhaltenstherapie kann sinnvoll sein. Greift das Basisprogramm nicht, kann über den Einsatz kalorienreduzierender Medikamente nachgedacht werden.

Möglich sind zudem chirurgische Therapien, insbesondere bei einem Body-Mass-Index größer als 40. Wenn die Betroffenen dem starken Übergewicht mit Bewegung und einer angepassten Ernährung nicht beikommen, kann mithilfe der Adipositas-Chirurgie in relativ kurzer Zeit das Gewicht reduziert werden. Bei einem sogenannten bariatrischen Eingriff wird zum Beispiel das Magenvolumen operativ verkleinert. Damit kann nicht nur eine schnelle Gewichtsabnahme erzielt werden. Auch auf die begleitenden Erkrankungen wirkt sich die Operation positiv aus.

Folgen starker Gewichtsabnahme

Die Pfunde sind gefallen, doch die Körpersilhouette hat sich nicht angepasst: Nach einer starken Gewichtsabnahme bringt überschüssige Haut nicht nur ästhetische, sondern vor allem gesundheitliche Probleme mit sich. Verlieren Menschen viel Körpergewicht in kurzer Zeit, kann insbesondere an Oberarmen, Brust, Rücken, Gesäß und Oberschenkeln überschüssige Haut zurückbleiben. Dies ist kein rein kosmetisches Problem, denn die erschlaffte Haut kann sich entzünden, Rückenschmerzen bereiten und generell bei Bewegung stark behindern. Auch psychische Krankheiten können entstehen, wenn sich die Betroffenen im Alltag stigmatisiert fühlen. In solchen Fällen kann eine Operation helfen, die Form des Körpers wiederherzustellen.

Patienten können selbst einiges tun, um Hautreizungen vorzubeugen, etwa durch die passende Hautpflege mit Babyöl oder Körperpuder sowie das Tragen von Stützwäsche und Kompressen. Bereitet die überschüssige Haut jedoch körperliche oder psychische Beschwerden, kann sie bei einer plastisch-chirurgischen Wiederherstellungsoperation entfernt werden. Vor und nach dem Eingriff sind engmaschige Kontrollen wichtig. Deshalb werden individuelle Therapiepläne erstellt. Voraussetzung, um eine Operation durchführen zu lassen, ist es unter anderem, dass das Zielgewicht erreicht ist und mehrere Monate stabil bleibt. Doch bereits in der Phase des Gewichtsverlusts wird dazu geraten, ärztlichen Rat einzuholen und den Zustand der betroffenen Körperpartien und insbesondere auftretender Hautreizungen zu dokumentieren. Dies ist auch hilfreich, um bei der Krankenkasse die Kostenübernahme zu beantragen, denn je nach Intensität der Beschwerden tragen diese die Kosten ganz oder teilweise. Nach dem Eingriff sind sorgfältige Hautpflege und regelmäßige Nachsorge ebenfalls notwendig, um sicherzustellen, dass die Haut nicht erneut erschlafft oder es zu Wundheilungsstörungen kommt. Förderlich für ein optimales Ergebnis sind außerdem ein gesunder Lebensstil, Nikotinverzicht für etwa vier Wochen vor und nach der Operation sowie nach Absprache mit dem behandelnden Arzt die Einnahme von Eiweißen, Vitaminen und Mineralien. +

DER BMI-RECHNER

Zu dick, zu dünn oder ganz normal? Eine Maßeinheit für die Einschätzung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße ist der Body-Mass-Index der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein Beispiel: Eine Frau wiegt 68 Kilogramm und ist 1,70 m groß. Im ersten Schritt wird die Körpergröße zum Quadrat genommen (1,70 mal 1,70, Ergebnis: 2,89). Im zweiten Schritt wird wie folgt gerechnet: Gewicht (68) mal 2,89, Ergebnis: 23,5. Diese Zahl ist der BMI.

Die WHO klassifiziert diesen wie folgt:
Untergewicht: BMI unter 18,5
Normalgewicht: BMI 18,5 bis 24,9
Übergewicht: BMI 25 bis 29,9

Starkes Übergewicht
Adipositas Grad I: BMI 30 bis 34,9
Adipositas Grad II: BMI 35 bis 39,9
Adipositas Grad III: BMI über 40