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Gesundheits Kompass

Zahnimplantate: Sofort-TherapieKonzepte

Patienten-orientierte Behandlungstechniken stehen im Fokus der wissenschaftlichen Forschung

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Ausgangssituation: Patient mit abgebrochenem rechten, seitlichen Schneidezahn.

Sofort-Therapie-Konzepte in der zahnärztlichen Implantologie werden immer populärer, da von den Patienten die Verkürzung der Behandlungszeit sehr geschätzt wird und unbequeme, herausnehmbare, provisorische Versorgungen vermieden werden können. Derzeit werden in der Implantat-Zahnmedizin verschiedene Vorgehensweisen angewendet, die sich hinsichtlich der Abheilungszeiten unterscheiden: Es werden Sofort- (innerhalb der ersten 1 bis 3 Tage), Früh- (6 Wochen Wartezeit) und Spätbehandlungskonzepte (2 bis 9 Monate Wartezeit) sowohl in der chirurgischen als auch in der prothetischen (Zahnersatz) Phase der Implantat-Therapie unterschieden. Je nach gewähltem Konzept kann der festsitzende Zahnersatz direkt nach der Operation oder erst nach 6 bis 12 Monaten Abheilungszeit eingesetzt werden.

Liegt genügend Knochen in der jeweiligen Kieferregion vor?

Die Begründung für die längeren Wartezeiten besteht in der Vorstellung, dass eine längere Heilungszeit zu einer sicheren und besseren Implantat-Knochen-Verbindung führt und die Prognose der Therapie verbessert. Zu den Sofort-Behandlungskonzepten gibt es jedoch mittlerweile wissenschaftliche Ergebnisse, die zeigen, dass diese bei der richtigen Patienten-Auswahl gleich gute Prognosen erzielen. In der Patientenauswahl steht die Frage im Vordergrund, ob genügend Knochen in der jeweiligen Kieferregion vorliegt und ob die Allgemeingesundheit der Patienten eine reguläre Knochenheilung erwarten lässt. Wenn jedoch ein Knochenaufbau notwendig ist, sollte bei ungenügender Allgemeingesundheit weiterhin eine längere, unbelastete Heilungszeit abgewartet werden. Die Sofort-Therapie-Konzepte werden seit mehr als 20 Jahren erfolgreich eingesetzt und haben sich in der richtigen Indikation somit als praxistauglich erwiesen und bewährt.

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PROF. DR. DR. MED. DENT. NORBERT ENKLING

MAS, Eichenklinik-Praxisklinik für Zahnmedizin, Akademische Lehrpraxis der Universität Bern, Telefon: (02732) 76561-0, E-Mail: n.enkling@eichenklinik.de

Wenn direkt nach einer Zahnentfernung ein Zahnimplantat am selben Ort angewendet werden soll, bedeutet dies, dass das Implantat in das leere Knochen-Zahnfach eingesetzt wird: Somit steht für die initiale Implantat-Verankerung nur eine sehr begrenzte Knochenmenge zur Verfügung. Damit das Implantat trotzdem die genügende Festigkeit bzw. Stabilität aufweist, um sofort mit einer Krone versorgt werden zu können, werden moderne Implantat-Designs und digitale Operationstechniken eingesetzt. Diese digitalen Techniken können in verschiedenen Phasen der Implantat-Therapie angewendet werden: in der Planung, in der Operationsdurchführung und bei der Herstellung der Implantat-Krone.

Dies ermöglicht eine kürzere Behandlungszeit und Präzisionsverbesserung des Gesamtergebnisses. Die Messung der Präzision des voll-digitalen Behandlungsablaufs, also die Umsetzung der Planung in das Operationsergebnis und die Passung und das Aussehen der Implantat-Zahnkrone, wird aktuell in einer aufwendigen Studie der Arbeitsgruppe Implantologie und Biomaterialforschung der Universität Bonn (DRKS No. 00022273, Ethik-Kommission der Universität Bonn: 096 / 20) untersucht. Die AG Implantologie und Biomaterialforschung wurde im Jahr 2019 als Joint Venture zwischen der Universitätszahnmedizin Bonn und der Eichenklinik in Kreuztal als Forschungs- und Weiterbildungsgemeinschaft gegründet.

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Ausgangssituation: Zahnsituation mit abgehaltenen Lippen. 
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1 Woche nach der Operation: Zahnsituation mit abgehaltenen Lippen mit ersetztem Zahn

Studie untersucht auch Patienten aus Kreuztal

Die Studie untersucht bei Patienten aus Kreuztal und Bonn Einzelzahnimplantate, die sofort nach der Implantat-OP mit einer provisorischen Krone versorgt und genutzt werden können. Diese Methodik wird „Sofortversorgung“ bzw. „Sofortbelastung“ genannt. Es wurden sowohl Fälle versorgt, bei denen die Zahnentfernung längere Zeit zurücklag („SpätImplantation“), als auch Fälle, bei denen der nicht erhaltungsfähige Zahn entfernt und in der gleichen Sitzung das Implantat gesetzt wurde („Sofort-Implantation“). Für die Patienten ist vor allem die Sofort-Implantation kombiniert mit der Sofort-Versorgung interessant, da hierbei keine Zeitphase entsteht, in der ein Zahn fehlt.

Die Prognose einer Sofort-Sofort Implantat-Therapie liegt gemäß aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen nach fünf Jahren bei 98,4 Prozent. Dies ist im Vergleich zu anderen zahnärztlichen Behandlungen eine optimale Prognose. Bei Zahnimplantaten ist zudem bekannt, dass sich 75 Prozent der Implantat-Verluste innerhalb des ersten Jahres nach Implantat-Operation ereignen. In den Folgejahren ist ein Implantatverlust dementsprechend sehr selten. Somit ist der 1-Jahreszeitpunkt ein wichtiger Indikator für den Erfolg einer Implantat-Therapie. Die 1-Jahresdaten der oben genannten Studie aus Bonn und Kreuztal werden aktuell auf internationalen Zahnmedizin-Kongressen positiv diskutiert, da neben einer 100-prozentigen Erfolgsrate vor allem die Präzision der Passung der vorgefertigten Implantat-Krone überzeugt.

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Ausgangsröntgenbild mit abgebrochener Zahnwurzel.
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Röntgenbild nach Implantat-OP.

Das optisch schöne Ergebnis direkt nach der OP überzeugt

Die Bilder auf dieser Seite zeigen einen Beispiel-Patienten aus der Studie, bei dem der linke obere Schneidezahn nach einem Unfall abgebrochen war. Der Zahnwurzelrest konnte nicht mehr weiterverwendet werden und wurde durch ein Einzelzahnimplantat ersetzt. Das optisch schöne Ergebnis direkt nach der OP überzeugt: der Ersatz-Zahn sieht sehr natürlich aus. Bei dem operativen Vorgehen musste nicht geschnitten werden, daher war auch keine Naht erforderlich. Die Computer-geführte Chirurgie ermöglicht ein minimal-invasives Vorgehen. Daher kommt es auch zu keinen Schwellungen nach der OP. Eine sorgfältige Patientenauswahl ist bei Einzelzahn-Implantaten im ästhetisch wichtigen Frontzahnbereich jedoch essentiell: Bei guter ästhetischer und anatomischer Ausgangslage helfen die Sofortkonzepte eine optimale Ästhetik zu bewahren.

Neben Einzelzahnimplantaten können auch Situationen mit Sofort-Therapien versorgt werden, bei denen mehrere Zähne fehlen beziehungsweise entfernt werden müssen. Wenn alle Zähne fehlen bzw. gezogen werden müssen, gibt es ebenfalls Sofort-Belastungs-Therapien: Bei vielen Patienten ist mittlerweile die „all-on-4®“ Methode bekannt, bei der über den Einsatz von 4 bis 6 Implantaten ein ganzer Kiefer innerhalb eines Tages festsitzend versorgt werden kann. Diese Methode wurde in den 1990er-Jahren von Prof. Dr. Paulo Malo entwickelt und wird sehr erfolgreich angewendet. Dabei werden die hinteren Implantate schräg gesetzt und der vorhandene Knochen unterhalb der Nase im Oberkiefer und im Bereich des Kinns im Unterkiefer optimal ausgenutzt. Daher kann auf eine Knochenaufbau-Operation im Bereich der Kieferhöhle oder über dem Unterkiefernerv verzichtet werden.

Die wissenschaftliche Forschung konnte zeigen, dass die schräg gesetzten Implantate die gleiche Prognose wie gerade gesetzte Implantate aufweisen. Bei der Umsetzung der Sofortversorgungs- und Sofortbelastungs-Konzepte ist eine zeitlich enge und präzise Zusammenarbeit von Chirurg und Zahnarzt erforderlich: ideal ist dies in einem Team vereint realisiert.

Bei allen Sofort-Therapiekonzepten muss beachtet werden, dass die Heilung beim Menschen immer gleich verlaufen. Wenn das Implantat bereits innerhalb der achtwöchigen Einheilungszeit in den Knochen zum Kauen und Sprechen verwendet wird, muss darauf geachtet werden, dass der Knochen-Implantat-Verbund nicht überbelastet wird. Dafür ist erforderlich, dass der Kieferknochen eine entsprechende Härte aufweist und innerhalb der ersten acht Wochen vom Patienten eher weiche Kost gegessen wird.

Erfolgreiche, neue Therapieoption

Zusammengefasst, erscheint aus Patientensicht vor allem die Sofort-Implantation mit Sofortversorgung im sichtbaren Bereich und die Sofortbelastung im zahnlosen Kiefer als Sofort- oder Spätimplantation interessant zu sein. Wenn Hart- und Weich-Gewebsdefizite durch Aufbau-Operationen ausgeglichen werden müssen, sind verzögerte oder späte Therapiekonzepte vorzuziehen. Die Sofort-Therapien stellen eine wichtige Ergänzung, jedoch keinen völligen Ersatz der konventionellen Protokolle, die mit längeren Heilungszeiten arbeiten, dar. +