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Gesundheits Kompass

Was ist eine Hernie? 

Wenn Lücken und Schwachstellen in der Bauchwand den natürlichen Schutz des Körpers stören

Was ist eine Hernie? 

Sie können mit oder ohne Schmerzen auftreten und machen sich typischerweise durch eine von außen sichtbare Vorwölbung an der Bauchoberfläche bemerkbar. Die Rede ist von Hernien. Ihre Bezeichnung hat die Hernie von dem lateinischen Wort „Hernia“, das übersetzt „Bruch“ bedeutet und bereits einen Hinweis darauf gibt, wie eine Hernie, auch „Eingeweidebruch“ genannt, entsteht. Während die Bauchwand, welche aus verschiedenen Strukturen besteht, normalerweise dafür sorgt, dass innere Organe vor äußeren Einflüssen geschützt werden und in der richtigen Position bleiben, kommt es bei einer Hernie zu einem Bauchwandbruch, bei dem Fettgewebe und teilweise auch Organe aus der Bauchhöhle nach außen gedrückt werden. Die natürliche Funktion der Bauchwand als Schutzbarriere wird somit gestört und die austretenden Organe liegen nur noch von der Haut bedeckt an der Oberfläche. Doch wie kann es überhaupt hierzu kommen?

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DR. MED. DANIEL SINN

Leitender Oberarzt der Klinik für Viszeralmedizinische Chirurgie, Adipositas­ und Metabolische Chirurgie am Kreisklinikum Siegen, Facharzt für Chirurgie/ Viszeralchirurgie, Spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie, Notfallmedizin, Verantwortlicher für das Hernienzentrum

Begünstigende Faktoren wenn möglich meiden

Generell verfügt jeder Mensch über natürliche Lücken und Schwachstellen in seiner Bauchwand. Ein Beispiel hierfür ist unter anderem der männliche Leistenkanal, wo der Samenleiter aus dem Körperinneren nach vorne verläuft. Wenn diese Lücken in der Bauchwand jedoch ungewöhnlich groß sind oder die Verstärkung der Bauchwand zu schwach ist, können Hernien entstehen. Dies kann entweder ein bereits angeborenes Phänomen sein oder durch verschiedene Faktoren wie Übergewicht, Schwangerschaften, häufiges Pressen beim Stuhlgang, Überdehnung der Bauchdecke durch Geschwülste, Bindegewebsschwäche oder Verletzung der Bauchwand hervorgerufen werden. Vor allem bei Tätigkeiten wie dem Anheben oder Tragen schwerer Gegenstände, Crunches oder dem Toilettengang kann dann durch die Anspannung der Bauchmuskulatur und somit der Erhöhung des Drucks in der Bauchhöhle bei den beschriebenen begünstigenden Faktoren eine Hernie entstehen.

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Hernie ist hierbei jedoch nicht gleich Hernie. Denn aufgrund der Lage, Lokalisation und Entstehung gibt es verschiedene Arten von Hernien, die an bestimmten Stellen des Körpers gehäuft auftreten. Zu unterscheiden sind hier unter anderem Brüche des Oberbauchs, der Leistenbruch, der Schenkelbruch, der Nabelbruch, der Narbenbruch sowie Brüche im Bereich von künstlichen Darmausgängen, welche alle Arten von äußeren Hernien darstellen. Darüber hinaus gibt es noch den Zwerchfellbruch, der einen inneren Eingeweidebruch darstellt und nicht von außen sichtbar ist. Die häufigste Art von Hernien ist bei Männern der Leistenbruch, jeder vierte Mann erkrankt hieran mindestens einmal in seinem Leben. Bei Frauen liegt die Quote hingegen bei nur zwei Prozent. Hier kommt es häufiger zu Schenkelbrüchen. Während diese beiden Arten von Hernien sowohl angeboren sein können als auch im Laufe des Lebens erworben werden können, ist der Nabelbruch in den meisten Fällen angeboren und tritt vermehrt direkt nach der Geburt aufgrund einer nicht vollständigen Ausbildung der Bauchwand um den Nabel auf. Narbenbrüche hingegen entstehen in der Regel im Bereich von Operationsnarben bei vorangegangenen Bauchoperationen, wenn die Bauchwand nicht richtig gefestigt ist. Hieran leidet etwa jeder fünfte Patient nach einer Bauchoperation. Der innere Zwerchfellbruch gehört zu der häufigsten Form von Hernien. Hierbei gelangen Magenanteile durch das Zwerchfell hindurch.

So unterschiedlich wie die Arten von Hernien sind, können auch die entsprechenden Symptome bei der Erkrankung aussehen. Ob eine Hernie Schmerzen bereitet und eine Vorwölbung verursacht, hängt häufig von der Größe und Beschaffenheit ab. Bei unkomplizierten Hernien kommt es oftmals zu einem ziehenden oder stechenden Schmerz im Bereich der Bruchpforte, der vor allem bei körperlicher Belastung auftritt. Er wird stärker, sobald Organe durch die Pforte dringen. Parallel tritt in der Regel eine sichtbare Vorwölbung an der Bauchdecke beziehungsweise in der Leistenregion auf. Sie ist weich und lässt sich in den Bauchraum zurückdrücken beziehungsweise verschwindet bei Entspannung. Treten jedoch plötzlich starke, meist stechende Schmerzen auf und die Vorwölbung bildet sich bei Entspannung nicht mehr selbst zurück beziehungsweise lässt sich nicht mehr zurückdrücken, kann es sich um eine eingeklemmte Hernie handeln. Diese Art von Weichteilbruch entsteht oft durch einen plötzlichen Vorgang wie das Heben eines schweren Gewichts. Färbt sich die Vorwölbung zunehmend rot, sollte umgehend eine OP erfolgen. Je nach Einklemmung kann es zu ernsthaften Komplikationen wie Darmverschlüssen oder Bauchfellentzündungen kommen.

Operative Behandlung ist in der Regel erforderlich

Um festzustellen, ob es sich um eine Hernie handelt, sind von ärztlicher Seite neben der Erfragung von Symptomen und der Vorgeschichte eine körperliche Untersuchung inklusive eines Abtastens des Bauchs sowie ein Ultraschall erforderlich. Hierbei können die Größe der Bruchpforte, der Bruchkanal und der Inhalt des Bruchsacks beurteilt werden. Bei inneren Hernien werden zudem Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Um die ausgestülpten Strukturen dauerhaft wieder in das Körperinnere zu verlagern und die Bruchpforte zu verschließen und zu sichern, ist in der Regel eine operative Behandlung der Hernie notwendig. Die Auswahl des Operationsverfahrens muss sich hierbei an den individuellen Gegebenheiten des Patienten orientieren. Bruchbänder, die äußerlich um die Vorwölbung gebunden werden, um diese wieder zurückzudrängen, können nur als unterstützende, jedoch nicht als dauerhafte und heilende Maßnahme dienen.

Ähnlich verhält es sich mit den sogenannten „Repositionen“, bei denen der eingeklemmte Bruch durch massierende Bewegungen wieder in die Bauchhöhle geschoben wird. Auch dieses Verfahren stellt keine Dauerlösung dar, sondern kann Betroffene lediglich schnell von starken Schmerzen befreien und bis zur OP eine Schädigung der eingeklemmten Eingeweideteile verhindern. Bei der chirurgischen Behandlung von Hernien steht ein breites therapeutisches Leistungsspektrum bereit, das vom einfachen Nahtverschluss über Rekonstruktionen der Bauchwand bis hin zum Bauchwandersatz durch Kunststoffnetze reicht. Eine Hernien-Operation kann dabei sowohl konventionell im Rahmen eines offenen Eingriffs als auch minimal-invasiv („Schlüsselloch-Technik“) erfolgen. Im Bereich der minimal-invasiven Chirurgie steht zudem die Möglichkeit eines roboterassistierten Eingriffs zur Verfügung. Welches Verfahren am besten geeignet ist, hängt unter anderem von der Lage und Größer der Hernie ab. Auch der allgemeine Gesundheitszustand, das Alter und mögliche Begleiterkrankungen sind für die Wahl der OP-Methode entscheidend. Generell weisen Bruchoperationen eine sehr hohe Erfolgsquote auf und es kommt vor allem dank der Einlegung von Kunststoffnetzen nur selten zu Rückfällen.

Experten empfehlen eine ballaststoffreiche Ernährung

Wie bereits erläutert, können Hernien vielfältige Ursachen haben, die teilweise nicht verhindert werden können. Dennoch gibt es einige Tipps, die man beherzigen kann, um das Risiko einer Hernie so gering wie möglich zu halten. Hierzu zählt beispielsweise das Heben von schweren Lasten ohne Hilfsmittel zu vermeiden und sich generell körperlich fit zu halten, um Übergewicht vorzubeugen. Auch ist es ratsam, starkes Pressen beim Stuhlgang zu unterlassen. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann Verstopfungen verhindern und somit die Bauchdecke beim Stuhlgang entlasten. Ebenso regt eine regelmäßige sportliche Betätigung und Bewegung im Alltag die Darmtätigkeit an und sorgt für ein Training der Bauchmuskulatur. +