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Kreuztal – Meine Stadt

Lang auf Eis, jetzt verbrannt

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Diese Dachkonstruktion ging am 16. Mai komplett in Flammen auf. Foto: bjö

Ein großer Schlitten" wäre sie geworden, die Schulaula in den 1970er-Jahren  kubistisch, in der Anmutung ähnlich wie die Gebäude von Gymnasium und (ehemaliger) Haupschule, gehörte sie doch zum Gesamtpaket des ausgeschriebenen Wettbewerbs für ein neues Kreuztaler Schulzentrum, ergänzend zur wenige Jahre zuvor entstandenen Realschule. Den Zuschlag erhielt damals das Kreuztaler Architekturbüro von Manfred Arlt; im Jahr 1973 konnten die Kreuztaler bereits ihr Gymnasium einweihen, ein Jahr später die direkt angebundene Hauptschule, heute Altbau der Clara-Schumann-Gesamtschule. Doch wo blieb die Schulaula? Auf der Strecke, wie sich Frank-Wieland Frisch erinnert. „Der Wunsch nach ihr war immer da, deren Verwirklichung hat nur noch weitere 14 Jahre gedauert."

Frank-Wieland Frisch
Frank-Wieland Frisch

Der heutige Ruheständler und FDP-Fraktionsvorsitzende gehörte als frisch gebackener Architekt damals zum Planungsteam von Manfred Arlt und erlebte, dass der letzte Bauabschnitt des Schulzentrums fast anderthalb Jahrzehnte auf Eis liegen blieb, und zwar aus Kostengründen. Dessen Umsetzung sei immer wieder versucht worden" - bis 1988 der Bauantrag für eine Kombination von Stadthalle und Schulaula nach Jahren des Sparzwangs nun endlich formuliert vorlag - von einem „multifunktionalen Kommunikationszentrum" war damals die Rede.

Klar, dass der Kreuztaler Architekt Manfred Arlt Ender seine Chance witterte, das Gesamtprojekt Schulzentrum mit jahrzehntelangem Verzug zu Ende zu bringen. Doch damit war ein eng gesteckter Kostenrahmen verbunden, den Arlt einzuhalten hatte. 

„Weil alles mit sparsamsten Mitteln geschehen musste", so weiß Frank-Wieland Frisch, entschieden sich die Planer für einen im Prinzip quadratischen stützenfreien Raum, über den quer verlaufende Doppelbinder führten. ,,Und dem Quadrat als Grundfläche haben wir dann die Ecken gebrochen", so Frisch - der Raum wurde so achteckig, zum Oktogon.

Genau mit dieser Grundform hatte Manfred Arlt bereits zuvor in Siegen ein Bauprojekt für ein heimisches Unternehmen kostengünstig und effizient realisieren können. Die extravagante 22-flächige Dachform, die der Stadthalle den Beinamen ,Kathedrale des Schulzentrums" gab, war für die Architekten die naheliegende Konsequenz aus Grundfläche und parallel geführten Dachbindern sowie bewusstem Kontrast zur Flachdachästhetik der benachbarten Schulgebäude.

„Es wäre schön, man könnte die Grundrissform des Veranstaltungsraums wiederherstellen", äußert sich Frank-Wieland Frisch auf die Frage, wie er sich einen Nachfolge-Bau vorstellen könnte, und ergänzt: ,,Alles drumherum würde ich den funktionalen Anforderungen unterordnen." Emotional verbunden war und ist er der Stadthalle und seiner Weiter-Existenz sowieso. Nicht als Architekt, aber als Ratsherr hat auch er am Ende ein Wörtchen mitzureden. Sein Votum wird allerdings niemanden überraschen: „Ich bin in hoffnungsvoller Erwartung, dass da wieder was Gutes draus wird." . bjö

Es ist noch alles möglich

Arne Siebel Vorsitzender, der Kreuztaler CDU-Ratsfraktion
Arne Siebel Vorsitzender, der Kreuztaler CDU-Ratsfraktion

Dass die angrenzenden Schulgebäude im Wesentlichen verschont geblieben sind, ist nicht zuletzt auf den sehr gut organisierten Feuerwehreinsatz zurückzuführen. Dafür gilt den Einsatzkräften unser aller Dank. Von allen Veranstaltern, die für die bevorstehende Spielzeit Termine im Bürgerforum geplant hatten, ist nun Umdenken und Improvisation gefordert. Das ist sicherlich nicht in allen Fällen möglich.

Ob noch Komponenten und Gebäudeteile sind, müssen Gutachter wiederverwendbar und Versicherungen klären. Ein Totalschaden bietet aber auch Möglichkeiten für einen kompletten Neuanfang - vielleicht an anderer Stelle, ohne die Zwangspunkte durch die bestehenden Schulgebäude. Es ist daher noch alles möglich.