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Maschinenbau und Technik

Digitalisierung vorantreiben

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Digitalisierung ist wichtig – das haben uns die vergangenen Monate deutlich vor Augen geführt. Und Digitalisierung ist noch etwas: ein nicht enden wollender Prozess, den Unternehmen ständig im Blick haben sollten. Foto: AdobeStock

Über nichts anderes ist in den vergangenen Monaten wohl so intensiv diskutiert worden wie über das Thema Digitalisierung. Ob das bargeldlose Bezahlen an der Kasse, die Ausstattung unserer Schulen, das Arbeiten im Homeoffice über VPN-Tunnel: Die digitale Transformation, beschleunigt durch die Corona-Krise, hat vieles in unserem Alltag von Grund auf verändert. Doch wie wirkt sich die Digitalisierung auf unsere produktiven Unternehmen aus, insbesondere auf die der Metallbranche?

Digitalisierung – wer sich in der Branche mit diesem Thema beschäftigt, stößt schnell auf Schlagwörter wie Künstliche Intelligenz, Predictive Maintenance oder Digital Engineering. Doch womit genau treibe ich eigentlich die Digitalisierung voran? Ist ein Unternehmen nicht vielleicht sogar schon digitalisiert, wenn es unter Einbezug von Cloud-Lösungen „nur“ die eigene IT-Landschaft zu einem hybriden Modell umgebaut hat?

Prof. Dr.-Ing. Peter Burggräf von der Universität Siegen hat dazu eine klare Meinung – und findet es nicht angebracht, im klassischen Sinn von einer Digitalisierung der Metallbranche zu sprechen. Schließlich suggeriere der Begriff, dass es einen speziellen Prozess zu durchlaufen gilt, an dessen Ende dann ein bestimmtes Ergebnis steht. Das aber sei nicht Digitalisierung. Diese sei vielmehr ein fortlaufender Prozess, der allenfalls Zwischenlösungen hervorbringe. Denn eines ist klar, so der Inhaber des Lehrstuhls International Production Engineering and Management (IPEM): Neue Trends tauchen auf, immerzu, und neue Technologien erobern den Markt, immer und immer wieder – dabei den Überblick zu behalten, ja, den Weg vielleicht sogar auf Augenhöhe mitzugehen, das sei wohl die größte Herausforderung für die Unternehmen.

Insgesamt, lobt der heimische Fachmann, seien die metallverarbeitenden Betriebe in der Region gut aufgestellt. Die Krise habe dafür gesorgt, dass man sich – kundengetrieben – Gedanken machen musste und sich in der Folge entsprechend aufgestellt habe. Zur Wahrheit gehört aber eben auch: Nicht die Unternehmen selbst haben die Digitalisierung vorangetrieben, sondern vielmehr die Umstände. Schließlich wollte man auch weiterhin wettbewerbsfähig produzieren. Dass die Region im Bundesschnitt gut dasteht, dürfe nun aber nicht den Eindruck entstehen lassen, sich zurücklehnen zu können. Digitalisierung – genau, sie ist und bleibt eine dauerhafte Aufgabe, mahnt Prof. Dr.-Ing. Peter Burggräf .

Zurzeit profitiere die Metallbranche noch von ihrer starken Hardware. Gleichwohl empfiehlt der Experte, die Qualitätsanforderungen, die wir an unsere Hardware stellen, in Zukunft auch auf die Software zu projizieren. Nur dann seien Unternehmen wirklich zukunftsfähig. Dass die Digitalisierung in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinne, stehe außer Frage. Gleichwohl verweist der Experte darauf, dass dieser Prozess ein Stück weit wie das berühmte Stochern im Nebel sein werde – denn den einen richtigen Weg, den Universalschlüssel, die Musterschablone für den perfekten Digitalisierungsprozess gebe es einfach nicht. Und werde es auch nicht geben.

Vielmehr spiegele sich der eigene Maßstab im jeweiligen Kundennutzen wider, sagt Prof. Dr.-Ing. Peter Burggräf. Dieser könne in besseren Produkten liegen, in einer optimierten Dienstleistung, vielleicht aber auch in effektiveren Produktionsprozessen, um Umsatzpotenziale intensiver auszuschöpfen. Auf große Erfahrungswerte könne die Managementebene dabei nicht zurückgreifen, eben weil die Technik so unglaublich rasant voranschreitet.

Zwar könne sich die Unternehmensführung auf dem Weg der Digitalisierung an die Hand nehmen lassen, aber, warnt der Professor, dabei gebe man leider auch ein wesentliches Element aus der Hand.

Vielmehr empfiehlt er jeder Geschäftsführung, sich selbst zu befähigen, Digitalisierungstrategien zu entwickeln und diese auch umzusetzen. Inspiration und Hilfe kann es dabei auch von Externen geben, also von Kunden und Lieferanten. Wichtig auf dem Weg der Digitalisierung sei eine ehrliche Antwort auf die Frage: Bin ich überhaupt in der Lage, eine Digitalisierungsstrategie aufzustellen? Fällt die Antwort negativ aus, sollte die Geschäftsleitung prüfen, warum das der Fall ist. Fehlt das Fachwissen? Muss ich mir das Know-How noch aneignen? Lernbereitschaft jedenfalls sei eine Voraussetzung auf dem Weg der Digitalisierung. Und damit das A und O – wie auch immer der Weg aussehen wird. wette