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Gesundheits Kompass

Besonders tückisch 

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Je früher ein Pankreaskarzinom entdeckt wird, umso größer sind die Heilungschancen

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In Deutschland erkranken etwa 20.000 Menschen im Jahr an Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). Fast ebenso viele versterben hieran, was die hohe Bösartigkeit belegt. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt unter Männern bei circa 70 Jahren und unter Frauen bei etwa 75 Jahren.Die Entstehungsursachen für das Pankreaskarzinom sind nicht bekannt, doch können bestimmte Faktoren das Erkrankungsrisiko erhöhen. Als Risikofaktoren gelten die „üblichen Verdächtigen“ wie Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht. Auch eine genetische Veranlagung oder eine Vorerkrankung kann ursächlich sein.Symptome treten meist erst dann auf, wenn der Tumor so groß ist, dass er die Produktion der Verdauungsenzyme oder deren Abfluss in den Zwölffingerdarm behindert oder wenn er bereits auf andere Organe wie Magen, Zwölffingerdarm, Leber oder Bauchfell übergegriffen hat. Unter anderem kommt es zu Beschwerden wie Gewichtsverlust, Schmerzen im Bauchbereich oder im Rücken, Gelbsucht, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen und Diabetes mellitus. Bei Auftreten dieser Beschwerden sollte umgehend ein Arzt zur genauen Abklärung aufgesucht werden. Es gilt: Je früher ein Pankreaskarzinom entdeckt wird, umso größer sind die Heilungschancen.

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PROF. DR. MED. FRANK WILLEKE

Medizinischer Direktor und Chefarzt Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Marien Kliniken – St. MarienKrankenhaus Siegen

Maßnahmen sind immer individuell

Die Therapie orientiert sich dann nach den betroffenen Organanteilen, dem Stadium der Erkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Eine vollständige Heilung ist nur möglich, wenn der Tumor operativ komplett entfernt werden kann. Alle anderen Therapieoptionen dienen insbesondere der Verkleinerung des Tumors, der Beschränkung des weiteren Tumorwachstums oder der Linderung von Beschwerden.

Vor der operativen Therapie werden in Onkologischen Zentren alle Patienten im gemeinsamen „Board“ von Gastroenterologen, Onkologen, Strahlentherapeuten und Radiologen vorgestellt. Hier wird für den individuellen Patienten die sinnvollste chirurgische Maßnahme ausgewählt und sodann mit ihm besprochen. Als Operation kommen die konventionellen Operationen über einen Bauchschnitt mit Entfernung des Kopfes der Bauchspeicheldrüse samt Zwölffingerdarm, Pankreasteilresektionen und Pankreasschwanzresektionen mit und ohne Entfernung der Milz zur Durchführung. Eingriffe in Schlüssellochtechnik (minimal-invasive Chirurgie) sind für sogenannten Zysten, Drainageverfahren und die Resektion im Bereich des Schwanzes der Bauchspeicheldrüse geeignet. Das exakte Vorgehen wird jeweils im Vorfeld individuell mit den Patienten besprochen und entschieden.

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Komplikationen nach Operation

Komplikationen nach Operationen an der Bauchspeicheldrüse betreffen zuerst einmal die Maßnahmen, die an und um die Bauchspeicheldrüse an sich getroffen wurden. Werden Nähte zwischen der Bauchspeicheldrüse und beispielsweise dem Dünndarm angelegt, können hier Heilungsstörungen in bis zu 15 Prozent der Fälle auftreten. Meist lassen sich diese Heilungsstörungen ohne erneute Operation behandeln, da eine Drainage sich hier ansammelndes Sekret nach außen fördern kann. Heilungsstörungen kommen seltener vor bei Naht der Gallenwege an den Dünndarm, noch seltener im Bereich der Nähte zwischen Zwölffingerdarmrest, Magenpförtner oder Magen an den Dünndarm. All diese Stellen werden postoperativ besonders überwacht, im Zweifelsfall werden Kontrolluntersuchungen des Bauchraumes mittels Computertomographie vorgenommen. Auch postoperative Blutungen können bei größeren Eingriffen als Komplikation auftreten. Ein spezielles Monitoring soll hier sicherstellen, dass in einem solchen Fall eine frühzeitige operative Revision einen größeren Blutverlust verhindert.

Im Anschluss an die Tumortherapie sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Die Tumornachsorge verfolgt das Ziel, ein Wiederauftreten der Krebskrankheit rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, sofern der Tumor operativ entfernt werden konnte. Auch gilt es, Begleiterkrankungen festzustellen, zu behandeln und gegebenenfalls zu lindern sowie bei seelischen und sozialen Problemen behilflich zu sein. Häufig wird eine Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation) empfohlen, um den Erholungs- und Genesungsprozess zu beschleunigen. +

SPEZIALISIERTE ZENTREN

Das Onkologische Zentrum Südwestfalen wurde Mitte 2022 von der Bezirksregierung Arnsberg im Krankenhausplan des Landes Nordrhein-Westfalen als medizinisches Spitzenzentrum für Onkologie mit überregionalen besonderen Aufgaben ausgewiesen. Damit ist es die einzige Einrichtung zwischen Köln/Bonn, Dortmund und Marburg/Gießen, die über diesen Status verfügt.

ZUFÄLLIGE ENTDECKUNG

Die Bauchspeicheldrüse befindet sich hinter dem Magen in der Bauchhöhle. Ihre Hauptaufgaben besteht in der Verdauung und dem Zuckerstoffwechsel. Eine bösartige Erkrankung wird oft nur zufällig bei einer Untersuchung entdeckt – beispielsweise beim Ultraschall des Bauches.