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Steuern und Finanzen

Vom Berater zum Optimierer

Steuerkanzlei 4.0

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Der digitale Wandel in der Steuerberatung eröffnet Kanzleien neue Chancen und Möglichkeiten. Als Dienstleister kann der Berater digital quasi direkt im Unternehmen sein und den Mandanten eng betreuen. Foto: Pixabay

Die Digitalisierung hat mittlerweile ganze Branchen wesentlich beeinflusst und verändert. Diese Entwicklung macht auch vor dem Bereich der Steuerberatung nicht halt. Grundsätzlich eröffnet der digitale Wandel auch in dieser Branche interessante Potenziale, die es zu heben gilt.Das Thema Digitalisierung zieht sich durch alle Branchen und Berufsbilder – und macht auch vor Steuerkanzleien nicht halt. Steuerberater sehen sich vor neue Herausforderungen gestellt, doch ein Ende dieses Berufsbildes, wie vor einigen Jahren noch von manchen orakelt, ist nicht in Sicht. In der Coronapandemie ist momentan sogar eher das Gegenteil der Fall: Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen und Grundsteuerneuberechnung sorgen dafür, dass Steuerkanzleien aktuell alle Hände voll zu tun haben.

Steuerkanzlei 4.0

Parallel dazu kommen immer neue Technologien auf den Markt, die den Kanzleien die Arbeit erleichtern und Fehlerquellen minimieren. Gerade bei kanzleiinternen Abläufen spielen moderne Software-Anwendungen eine immer größere Rolle. Dabei beschreibt der Begriff „Steuerberatung 4.0“ die umfassende Digitalisierung von Geschäftsprozessen durch die fortschreitende Vernetzung aller Bereiche in Produktion und Dienstleistung mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik. Die Vernetzung hat zunächst innerhalb von Kanzleien begonnen und schließt längst auch die Finanzverwaltungen mit ein. In vielen Kanzleien wird der Mandant hingegen oft noch konservativ bedient. Steuerberatung 4.0 ist aber viel weiter zu fassen und wird – davon sind Fachleute überzeugt – die Arbeitsprozesse innerhalb der Kanzlei sowie die gesamte Kommunikation und Datenübergabe radikal verändern. Dabei zeigt die Coronapandemie hier durchaus katalytische Wirkung: Kanzleien waren plötzlich gezwungen, digitale Alternativen zu bislang analogen Prozessen zu finden. So werden mittlerweile auch Kontakte zu Mandanten und Leistungen für diese mehr und mehr digitalisiert. Hier eröffnen sich Steuerkanzleien neue Möglichkeiten. So kann mit zunehmender Digitalisierung einer Kanzlei beispielsweise dem Personalmangel und dem Kostenproblem begegnet werden. Vor allem stark automatisierte Tätigkeitsbereiche werden durch Softwarelösungen ersetzt. Liegen etwa alle Belege digital vor und werden sie mit professionellen Lösungen sowie passenden Workflows weiterverarbeitet, gewinnen Kanzleien an Transparenz. Aufwendiges Recherchieren nach Dokumenten, etwa durch zeitraubendes Nachfragen bei Kollegen und Mandanten, entfällt. Die Mitarbeiter können sich auf das Buchen konzentrieren und mehr Fälle in kürzerer Zeit bearbeiten. Zugleich reduziert sich der verwaltungstechnische Aufwand deutlich, wenn alle Mandantenbelege konsequent digitalisiert werden und dem Berater in elektronischer Form zur Verfügung stehen – das senkt langfristig die Kosten. Und nicht zuletzt finden Steuerberater mehr Zeit für ihr Kerngeschäft, die Beratung. Davon profitieren wiederum die Mandanten, die sich besser betreut fühlen.

Die Automatisierung von Routinearbeiten verlagert den Fokus der Steuerberater in den digitalen Kanzleien also mehr und mehr in Richtung Betreuung und betriebswirtschaftliche Beratung. Ihre Aufgabenfelder werden zunehmend von Auswertungen und Analysen bestimmt. Die Leistung für Unternehmen kann deutlich enger erfolgen. Als Dienstleister kann der Berater digital quasi direkt im Unternehmen sein. Darüber hinaus kann sich das Geschäftsfeld erweitern: Berater, die die Chancen des digitalen Wandels frühzeitig positiv aufnehmen, können perspektivisch weitere Beratungsleistungen anbieten und Mandanten mit neuen Lösungskonzepten langfristig an sich binden. Aus dem Steuerberater wird ein Optimierer, der die betriebswirtschaftlichen Prozesse beim Mandanten verbessert.

Zudem spielen bei zunehmender Digitalisierung und einem zentralen Dokumentenmanagementsystem Standort und Nähe zwischen Steuerberater und Mandant eine immer geringere Rolle. Selbst Kanzleien von kleiner Größe können durch digitale Erreichbarkeit Mandanten bundesweit beraten. Anstelle der Standortfrage gewinnen damit Spezialisierung und Qualifikation an Bedeutung. Insgesamt eröffnet der digitale Wandel in der Steuerberatung also neue Chancen, bedeutet aber auch neue Herausforderungen. BStBK/aro