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Steuern und Finanzen

Wie grün darf es sein?

Nachhaltige Geldanlagen

Wie grün darf es sein?

Es ist längst mehr als nur ein Trend: Ökologische Investments sind für viele Anleger mittlerweile ein fester Bestandteil des Portfolios. Kaum ein Thema bewegt die Finanzindustrie derzeit so sehr wie die Nachhaltigkeit. Innerhalb weniger Jahre ist das Volumen nachhaltiger Fonds laut Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) um mehr als 100 Milliarden Euro gewachsen. Was steckt hinter dem Boom?Sein Geld vermehren und Gutes tun – nachhaltiges Investment ist einer der großen Trends am Geldanlagenmarkt. Weltweit fließen von Jahr zu Jahr unter diesem Thema größere Summen in Aktien, Anleihen, Investmentfonds und andere Finanzprodukte. Das Angebot an Fonds für ESG-Anleger, also solche, die auf Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (verantwortungsvolle Unternehmensführung) setzen, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die aktuelle Analyse eines großen Wirtschaftsberatungsunternehmens in Zusammenarbeit mit einem Finanzinformations- und Analysedienstleisters ergab, dass bereits knapp 22 Prozent aller Fonds auf dem europäischen Markt und rund ein Drittel (32 Prozent) des gesamten europäischen Fondsvermögens nach Artikel 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung SFDR klassifiziert sind.Die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) der EU trat im März vergangenen Jahres in Kraft. Ziel dieser Verordnung ist es, die Transparenz zu Nachhaltigkeitsauswirkungen und -risiken in der Finanzindustrie zu erhöhen. Teil der Regulierung ist die Einteilung von Fonds in Kategorien: Nichtnachhaltige Finanzprodukte fallen unter Artikel 6. Als Artikel 8 klassifizierte Fonds bewerben unter anderem ökologische oder soziale Merkmale. Anlageprodukte, die als Artikel 9 eingestuft werden, müssen explizit ein nachhaltiges Investitionsziel verfolgen. Die SFDR soll Anlegern einen Vergleich der ESG-Ziele verschiedener Finanzprodukte ermöglichen.

Nachhaltige Geldanlagen

Die aktuelle Analyse, fußend auf einer Befragung von Verbrauchern, Fondsgesellschaften und Distributoren in Deutschland und der Schweiz, belegt, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile für Verbraucher ist. Eine klare Mehrheit, nämlich 89 Prozent, ist der Meinung, dass Maßnahmen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit keinen kurzfristigen Trend darstellen, sondern einen langfristigen Systemwechsel. Und neun von zehn Befragten waren der Ansicht, dass auch die Finanzbranche einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten kann – etwa bei der Bekämpfung des Klimawandels. Nach Ansicht der Analyse-Autoren sei es daher unbedingt erforderlich, dass Finanzdienstleister aktiv daran arbeiten, Nachhaltigkeit transparent in ihren Angeboten zu verankern. Allerdings ist nur ein Drittel der befragten Studienteilnehmer davon überzeugt, dass sich ihr Finanzinstitut ausreichend für Nachhaltigkeit einsetzt. Zudem fordern die Anleger genügend Auswahlmöglichkeiten, um überhaupt in nachhaltige Finanzprodukte investieren zu können. Eine klare Mehrheit der Befragten spricht sich dafür aus, dass mindestens die Hälfte eines Portfolios in nachhaltige Investitionen fließen sollten.

Mehr Transparenz wird gefordert – nicht nur von den Anlegern sondern auch von den Finanzberatern. Denn eine wichtige Voraussetzung für den Fondsvertrieb ist, dass ausführliche Informationen zu den Anlageprodukten zur Verfügung stehen. 53 Prozent der Berater sind jedoch nicht zufrieden mit den Angaben, die ihnen die Anbieter der Finanzprodukte derzeit bereitstellen. Als größte Schwierigkeit in den kommenden Jahren bezeichnen 80 Prozent der Finanzberater folglich die Verfügbarkeit von Daten, die notwendig sind, um die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen.

Ab Juli dieses Jahres werden die Anbieter der Fonds gesetzlich verpflichtet, noch detailliertere Informationen rund um nachhaltigkeitsbezogene Chancen und Risiken zur Verfügung zu stellen – das sieht Level 2 der europäischen Offenlegungsverordnung vor. Offen ist bisher allerdings, welche Detailtiefe die Branche ermöglicht, um die noch klaffenden Informationslücken zu schließen. Zudem besteht noch Unklarheit über die praktische Umsetzung der erweiterten europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID II ab Mitte dieses Jahres. Sie macht im Beratungsgespräch die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen der Geldanleger erforderlich. Im Raum steht hier also die Frage: Wie nachhaltig darf es denn sein?

Aber ist auch wirklich alles so nachhaltig, wie vollmundig versprochen? Tatsächlich werden die ESG-Kriterien von Fondsgesellschaften oder Fondsmanagern unterschiedlich interpretiert. Laut einer Studie der Verbraucherorganisation Finanzwende stecken beispielsweise 70 Prozent der angeblich nachhaltig im Energiesektor angelegten Gelder in Firmen, die ihr Geschäft mit fossilen Energien machen. Es kann also durchaus sein, dass ein „nachhaltiger“ Fonds oder ETF die Aktien von Öl- oder Kohlekonzernen enthält, von Atomkraftbetreibern oder Firmen, die Regenwälder abholzen. So gab es denn erst kürzlich deutliche Kritik an der EU-Taxonomie, die im Februar Atomkraft und Gas als klimafreundliche Energiequellen aufnahm, wo sie doch eigentlich Investoren genaue Informationen darüber geben soll, welche wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig sind. Das Pro-Argument: Gas und Atomkraft gelten als Brückentechnologien auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Insgesamt, so betonen Befürworter auch aus der Finanzwirtschaft, gehe es um Veränderung. Sie halten es für sinnvoll, gerade in jene zu investieren, die sich wandeln, beispielsweise in den Autobauer, der auf Elektromobilität umschwenkt. ots/aro

Knackpunkt Finanzierung

Unternehmensnachfolge 

Bei vielen Mittelständlern steht in den nächsten Jahren aus Altersgründen eine Unternehmensübergabe an. Zahllose kleinere und mittlere Unternehmen müssen einen Nachfolger finden – und diese wiederum müssen die Unternehmensnachfolge finanzieren. Doch viele potenzielle Neuinhaber schreckt der hohe Kapitalbedarf. Ob die Nachfolge gelingt, hängt nämlich nicht zuletzt von deren finanziellen Mitteln ab.

Wer macht hier weiter? Diese Frage stellt sich in den kommenden Jahren für eine große Zahl von Inhabern kleiner und mittlerer Unternehmen. Nach aktuellen Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn steht für insgesamt rund 190 000 Unternehmen in den kommenden fünf Jahren eine Nachfolge an. Die Pandemie hat die Übergabesituation zusätzlich erschwert, die daher in vielen Fällen herausgezögert wurde – insbesondere bei den familienexternen Übergaben. Damit steigt der Handlungsdruck, schließlich sind mit den Unternehmen unzählige Arbeitsplätze verbunden.

Während sich für den alten Unternehmer in Sachen Nachfolge zunächst die Frage nach dem „Wer“ stellt, stehen potenzielle Neuunternehmer nicht zuletzt vor dem Problem des „Wie“. Denn ohne Kapital läuft gar nichts. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Kaufpreis, sondern auch Investitionen und die Liquidität für die Führung der laufenden Geschäfte. Dabei wird der Kapitalbedarf für die Übernahme eines Unternehmens häufig unterschätzt – nach Angaben des IfM liegt der durchschnittliche Investitionsbedarf bei Übernahmen deutlich höher als bei Neugründungen. Oft müssen Nachfolger beispielsweise noch weitere Investitionen tätigen, um das Unternehmen auf den neuesten technischen Stand zu bringen. In der Regel werden typische Risiken im Vorfeld im Detail beleuchtet: Dazu kann gehören, dass die Betriebseinrichtung überaltert und Produkte kaum noch konkurrenzfähig sind oder dass bei der Übertragung des Unternehmens auf einen Familiennachfolger übersehen wird, dass Erbansprüche anderer Familienmitglieder zu berücksichtigen sind.

Anders als bei Übergaben in der Familie spielt bei Verhandlungen mit externen Interessenten die Weiterführung des Betriebes und die Sicherung der Arbeitsplätze eine große Rolle. Auch wird üblicherweise ein hoher Kaufpreis gewünscht. Vier von zehn Altinhabern fordern mit Blick auf ihr Lebenswerk aus Sicht der Käufer zu hohe Summen, wie der DIHK-Nachfolgereport 2020 ergab.

Der Kaufpreis ist aber nicht alles, was der potenzielle Neuunternehmer auf der Ausgabenseite zu kalkulieren hat. Neben Gründungskosten für Anwalt, Notar und anderes mehr können diverse Sachinvestitionen, Kosten für die Einstellung neuer Mitarbeiter und der eventuelle Kauf weiterer Geschäftsanteile, etwa von anderen Gesellschaftern, auf ihn zukommen. Nicht zu vergessen die wichtige Reserve für Unvorhergesehenes.

Ein solider Finanzplan ist also unabdingbar. Er sollte sämtliche Eigen- und Fremdkapitalmittel, zum Beispiel Barmittel und Bankkredite sowie öffentliche Fördermittel, Kosten der privaten Lebensführung usw. enthalten. Im Rahmen der Übergabe empfiehlt es sich – abgestimmt auf den jeweiligen Übertragungsweg – eine individuelle Finanzierungslösung sowie ein tragbares Konzept zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen das Eigenkapital des Käufers, klassische Bankkredite, aber auch öffentlich geförderte Darlehen, die Zinskosten senken können. Immer im Blick dabei: eine ausreichende Liquidität für mögliche strategische Neuausrichtungen.

Eine Nachfolgefinanzierung erfordert also viel Sorgfalt und Zeit, denn dabei ist es wichtig, eine Lösung zu finden, die bestmöglich zum Unternehmen, dem Verkäufer und dem künftigen Unternehmer passt. aro