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Steuern und Finanzen

Zufriedene Kunden auch ohne Regulierung

Finanzberatung

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Eine sachkundige Finanzberatung – egal wie sie vergütet wird - sichert einen professionellen Vermögensaufbau und auch bei geringerem Einkommen die Teilhabe am Kapitalmarkt. Foto: Pixabay

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist mit ihren Finanzberatern nahezu durchgängig zufrieden. Dieses insgesamt positive Bild ist das Ergebnis einer breit angelegten Bürgerbefragung im Jahr 2021. Zugleich mahnen die Studienautoren: Noch mehr Regulierung könne die Existenz vieler Berater kosten und die finanzielle Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger noch weiter schwächen.Wird die Qualität einer Finanzberatung besser, wenn die Beratung und das Angebot von Finanzdienstleistungen voneinander getrennt werden? Dieser Frage, die in Teilen der Politik diskutiert wird, widmet sich eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in Marburg. Für diese Studie wurden 2000 Entscheider in privaten Haushalten in Deutschland befragt, die in den vergangenen drei Jahren eine Finanzberatung in Anspruch genommen hatten. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Frage: Empfinden die Bürger eine Beratung als höherwertiger, wenn diese nicht mit der üblichen Provision für Beratung und Vermittlung, sondern über ein vom Kunden zu entrichtendes Honorar vergütet wird?Bei allen Qualitätskriterien für eine Beratung zeigt sich laut der Studie eine Mehrheit der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden – bei Werten zwischen 52 und 70 Prozent. Das gilt auch für den Umfang und die Qualität der vom Berater bereitgestellten Informationen – hier sind es sogar 84 Prozent. Dabei hat die Form der Beratervergütung – Honorar oder Vermittlungsprovision – keinen erkennbaren Einfluss auf die Zufriedenheit.

Finanzberatung

Die Autoren der Studie, Wissenschaftler von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Marburg und der Fachhochschule Dortmund, bringen das Ergebnis auf den Punkt: Die immer wieder anzutreffende Aussage, die Provisionsberatung übervorteile den Verbraucher, werde von Letzteren so nicht gesehen und empfunden. Zu den empirischen Untersuchungen passen gemäß der DIVA-Studie kontinuierlich geringe Beschwerdezahlen der BaFin und bei den Ombusleuten.

Ein wesentliches Qualitätskriterium ist laut Untersuchung auch die Ausgewogenheit der Finanzberatung. Hier zeigte sich, dass die Kunden von (freien) Vermögens- und Finanzberatern jeweils die beste Ausstattung mit Versicherungen, Fonds und Aktien aufweisen. Am schlechtesten versorgt sind nach Studien-Angaben diejenigen Kunden, die auf jegliche Beratung verzichten. Unausgewogen sind die Portfolios auch bei den Kunden, die sich nur von einzelnen Produktanbietern beraten lassen – sie haben überwiegend nur Versicherungs- oder nur Anlageprodukte dieser Anbieter. Insgesamt finde sich kein Hinweis auf ein strukturelles Problem, das der Branche gelegentlich unterstellt werde, heißt es seitens der DIVA.

Nach Angaben der Studienautoren sei die Provisionsberatung auch sozial ausgewogener als die Honorarberatung. Denn Provisionen belasteten weniger vermögende Kunden geringer als vermögende. Erfahrungen des europäischen Auslands zeigten darüber hinaus, dass weniger vermögende Kunden auch weniger Honorarberatung in Anspruch nähmen und in der Folge schlechter mit vermögensbildenden und altersvorsorgenden Produkten ausgestattet seien. Das könne im Rentenalter dazu führen, dass eine finanzielle Lücke entstehe, schlussfolgern die Autoren.

Zu ähnlichen Ergebnissen wie die DIVA-Untersuchung kommt auch die Studie eines großen Wirtschaftsberatungsunternehmens. Demnach würden bei einem Verbot der Provisionsberatung insbesondere Menschen mit nur geringen Anlagebeträgen nicht mehr fundiert beraten werden. Diese 2021 erstellte Studie im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft (DK), des deutschen Fondsverbands BVI und des Deutschen Derivate Verbands (DDV) stellte fest, dass die Honorarberatung bis zu einem Anlagebetrag von 25 000 Euro teurer als die provisionsbasierte Beratung sei. Wie schon diese Studie plädieren auch die Autoren der DIVA-Untersuchung in ihrem Fazit für die Beibehaltung eines freien Wettbewerbs der beiden Vergütungskonzepte. ots

Gebremste Investitionslaune

Mittelstand hielt sich zurück

Lieferengpässe, steigende Preise, Lockdowns – Corona hat den Mittelstand arg gebeutelt. Das führt auf Unternehmensseite zu Unsicherheiten. Die Folge: Das Gros der Mittelständler hat in der Krise die Investitionen deutlich zurückgefahren. Der bereits länger sichtbare Trend einer strukturellen Investitionsschwäche der kleinen und mittleren Unternehmen hat sich in der Krise noch einmal verstärkt. Der Tiefpunkt scheint aber überschritten.

Deutschlands Unternehmen investieren seit Jahren zu wenig. Das gilt insbesondere für den Mittelstand, wie KfW Research feststellt. Die Coronakrise hat den bereits länger sichtbaren Trend einer strukturellen Investitionsschwäche der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) noch einmal verstärkt. Ihre Neuinvestitionen gingen 2020 um zirka 14 Milliarden Euro beziehungsweise 7 Prozent auf insgesamt 173 Milliarden Euro zurück, wie das repräsentative KfW-Mittelstandspanel zeigt. An der jährlichen Befragung kleiner und mittlerer Unternehmen im Auftrag der KfW-Bankengruppe beteiligen sich regelmäßig bis zu 15 000 Unternehmen. Das Mittelstandspanel ermöglicht Analysen sowohl zu Veränderungen in der Struktur des Mittelstands als auch zur Entwicklung der Einschätzungen, Probleme und Pläne der KMU.

Darüber hinaus ergab die Untersuchung, dass die mittelständischen Investitionen zudem kontinuierlich an Bedeutung für das gesamte Investitionsgeschehen im deutschen Unternehmenssektor verloren haben. Kamen sie im Jahr 2008 noch auf einen Anteil von 49 Prozent an allen Unternehmensinvestitionen, gingen seither 7 Prozentpunkte verloren. 2020 lag der Mittelstandsanteil bei nur noch 42 Prozent.

Welche Gründe die mittelständischen Firmen für ihre Investitionszurückhaltung nennen, hat KfW Research in einer neuen Studie analysiert. Demnach sinkt die Investitionsbereitschaft stärker als erwartet, wenn die Umsatz- und Gewinnerwartungen pessimistisch ausfallen und das Unternehmen über geringe Eigenmittel verfügt. Doch die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist auch erheblich an die Person der Unternehmensinhaber geknüpft.

Blickt man im Detail auf die Reihenfolge der Rahmenbedingungen für Investitionsentscheidungen im Mittelstand, so spielt laut KfW Research das im Unternehmen vorhandene finanzielle Polster für 54 Prozent aller KMU-Unternehmen eine Rolle. An zweiter Stelle folgen die Erfahrungswerte der Inhaber (36 Prozent). Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist folglich oft weniger stark durch die Einbettung in ein strategisches Gesamtkonzept gekennzeichnet, sondern erheblich an die Person des Unternehmensinhabers gekoppelt.

Gravierend wirkt sich dabei der demografische Wandel aus, mit messbaren negativen Folgen für die Investitionstätigkeit: Die Neigung zu investieren sinkt mit dem Alter des Inhabers erheblich, wie die Studie ergab. Viele Investitionen besitzen bei hohem Alter aus Inhabersicht schlicht eine zu lange Amortisierungszeit – die finanzielle Verpflichtung wird dann eher gescheut. Dies gilt besonders bei eher umfangreichen, aber wettbewerbsstärkenden Investitionen. In Zahlen zeigen dies: Während im langjährigen Mittel (2004 bis 2020) etwa 57 Prozent der jüngeren Inhaber unter 40 Jahren Investitionen vornehmen, sinkt dieser Anteil bei den älteren Inhabern über 60 Jahren auf nur noch 36 Prozent. Zudem investieren jüngere Inhaber einen größeren Anteil ihres Gesamtvolumens in Kapazitätserweiterungen (50 Prozent gegenüber 20 Prozent bei den Älteren), weisen häufiger positive Nettoinvestitionen (38 Prozent gegenüber 22 Prozent) sowie eine deutlich höhere Investitionsintensität auf, nämlich ein Investitionsvolumen je Beschäftigten von durchschnittlich 9200 Euro gegenüber 7600 Euro.

Der zunehmende Alterungsprozess innerhalb der KMU-Inhaberschaft zeige die steigende Relevanz dieses Aspektes, so Kfw Research mit Verweis auf das Durchschnittsalter eines Inhabers im Mittelstand: Dieses liegt aktuell bei 52,8 Jahren. In den vergangenen zehn Jahren ist dieser Wert um drei Jahre gewachsen, seit 2002 sogar um acht Jahre. Aktuell sind 50 Prozent der Inhaberschaft 55 Jahre und älter. Die Neigung zu Investitionen sinke mit zunehmendem Alter deutlich – sowohl beim Investitionsvolumen als auch beim Hang, Kapazitätserweiterungen umzusetzen.

Hoffnung in Sachen Investitionen machen jedoch aktuelle Zahlen aus der Region: Nach den dreimal jährlichen Konjunkturerhebungen der IHK Siegen-Wittgenstein steigt die Investitionsneigung der heimischen Industrieunternehmen seit dem Tiefpunkt im Frühjahr 2020 kontinuierlich an. Gaben zum genannten Zeitpunkt noch 47,7, Prozent eine fallende und 8,5 Prozent der Industrieunternehmen eine steigende Investitionsbereitschaft an, was einen Saldowert von positiver und negativer Einschätzung von -39 bedeutete, sagen in der aktuellen Konjunkturumfrage zu Beginn dieses Jahres 33,7 Prozent, in den kommenden Monaten mehr investieren zu wollen, während nur 12,8 Prozent ihre Investitionen verringern wollen. Der Saldowert ist also auf +21 gestiegen – der höchste Wert seit drei Jahren. KfW/IHK