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Wirtschaftsreport: Transport und Logistik

Herausforderung Schwerlasttransporte

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Schwertransporte sind eine logistische Herausforderung. Foto: bjö

Schwere Lieferung

Sie fahren oft am späten Abend, die Zeitpläne sind eng, die Fahrzeiten knapp kalkuliert: Wenn große Lasten zu transportieren sind, also Schwerlasttransporte unterwegs sind, kann das auch ein Aufreger für viele Verkehrsteilnehmer sein. Schwertransporte sind immer auch ein Hindernis im Verkehrsfluss; dabei stehen die Logistiker selbst vor großen Hindernissen. In Südwestfalen sind viele Unternehmen genau von diesen Schwierigkeiten betroffen.

Die mittelständischen Betriebe mit einer starken Stellung auf den Weltmärkten müssen ihre Produkte auf den Weg bringen, darunter viele große, unzerteilte Erzeugnisse wie Behälter, Rohre, Betonfertigteile, Walzen und Maschinen. All das geschieht auf knapp bemessenen Straßen und Schienenwegen und unter dem Eindruck mangelnder Fachkräfte in der Branche. Zwischen 16.000 und 20.000 Genehmigungsanträge bearbeiten alleine die hierfür zuständigen Straßenverkehrsbehörden der Kreise Siegen-Wittgenstein, Olpe und des Märkischen Kreises jährlich.

Frachtgüter im drei- bis vierstelligen Tonnenbereich lassen sich nicht ohne Weiteres mit einem Lkw von A nach B bringen. Großraum- und Schwertransporte bedürfen einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung, wobei spezielle Fahrzeuge zum Einsatz kommen müssen. Wenn Ladungen die zulässigen Abmessungen und Gewichte überschreiten, können die Lkw nicht einfach zu ihrem Zielort losfahren. Solche "lademaßüberschreitenden" Transporte werden als Großraum- und Schwertransporte eingestuft, die nicht nur streng geregelt sind, sondern sorgfältig vorbereitet und geplant werden müssen. Um besonders schwere Güter wie Brückenträger, Generatoren, Gondeln von Windkraftanlagen, Turbinen oder riesige Baumaschinen zu befördern, ist logischerweise einiges an Know-how nötig. Das fängt bei den richtigen Fahrzeugen an und hört bei Experten für Ladungssicherung und Rechtsvorschriften nicht auf.

Gerade in der heimischen Region ist die Planung nicht einfach. Immer mehr Brücken auf den Autobahnen, Bundes- und Landstraßen werden ,,abgelastet", das heißt, für schwere Lkw gesperrt. Aktuell ist es praktisch kaum noch möglich, schwere Teile aus der Region herauszubekommen. Laut Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten (BsK) müssen pro Windenergieanlage durchschnittlich 80 Transporte durchgeführt werden, der Großteil davon Schwertransporte. Die Genehmigungsbescheide für jeden einzelnen Transport umfassen neben dem genauen Transportweg eine Vielzahl von Auflagen - auf durchschnittlich rund 200 Seiten pro Antrag. Dabei variieren die Vorgaben von Bundesland zu Bundesland. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit der Genehmigungen beläuft sich auf mehrere Wochen. Die Rahmenbedingungen für Schwertransporte sind daher alles andere als gut besonders in Südwestfalen.

Was ist ein Schwerlasttransport überhaupt? In der Regel wird zwischen Großraum-Transporten, Schwertransporten, Groß- und Schwertransporten sowie Langtransporten unterschieden. Lkw dürfen in Deutschland inklusive ihrer Ladung nicht breiter als 2,55 Meter, höher als 4 Meter, länger als 12 Meter bzw. 16,50 Meter (Sattelzug) oder 18,75 Meter (Lkw-Zug) sein und nur maximal 36 bis 40 Tonnen auf die Waage bringen. Überschreiten Transporte diese Grenzen, sind gemäß Straßenverkehrsordnung besondere Genehmigungen erforderlich. Um die einschlägigen Paragraphen richtig einzuschätzen und dann die richtigen Genehmigungen einzuholen, braucht es Profis. Unternehmen, die sich auf die Abwicklung von Spezialtransporten spezialisiert haben, benötigen Spezialisten. Das Team muss eingespielt sein, um die Tücken der Tranportplanung zu bewältigen. Gerade dann, wenn es um knifflige Situationen geht, sind gut organisierte Teams wichtig.

Einer der wichtigsten Punkte neben der Beantragung der Genehmigung ist die Auswahl der richtigen Fahrzeuge. Die Experten haben die Wahl zwischen unterschiedlichen Systemen, die auf verschiedene Anwendungen optimiert sind. Nutzlasten von 45 bis 100 Tonnen sind dabei keine Seltenheit. Wenn es um Güter von mehr als 1000 Tonnen geht, werden sogenannte Self Propelled Modular Transporter eingesetzt. Diese selbst angetriebenen Schwertransportfahrzeuge verteilen ihre Nutzlast gleichmäßig auf viele Achsen. Solche Transporte sind in der heimischen Region selten. Knackpunkt sind oft die Verkehrswege, die solche Lasten aushalten müssen.

Nicht zu unterschätzen ist deswegen die präzise Planung der Wegstrecke. Für jeden einzelnen Abschnitt sind unter Umständen gesonderte Genehmigungen erforderlich, die der Fahrer des Schwertransports jederzeit zur Hand haben muss. Die Kontrollen durch die Behörden sind umfangreich und genau. Bevor sich der Schwerlasttransport auf den Weg macht, muss die Fahrtstrecke festgelegt und bis ins Detail überprüft werden. Auch dafür sind Spezialisten im Einsatz. Hier schlägt der Fachkräftemangel schnell zu und kann Logistikketten empfindlich stören, wenn Transportunternehmen Lieferfristen nicht einhalten können oder Produzenten keine Transporteure finden.

Da Schwerlasttransporte eine hohe Belastung für die Infrastruktur darstellen bzw. diese immer weniger in der Lage ist, schwere Lasten zu tragen, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Wegstrecke über lange Umwege führt. Besonders kurz vor dem Ziel kann das zu weiteren Problemen führen. Auch hier wieder das Beispiel Windkraft: Kurz vor dem Ziel ist die Zahl der Straßen, die als Ausweichrouten dienen können, immer weiter eingeschränkt. Das macht die Sache schwierig und stellt für die ausführenden Firmen eine große Herausforderung dar.

Eine weitere Herausforderung neben dem Umfahren von Hindernissen ist die eingeschränkte Fahrtzeit: Die strengen Regelungen in Deutschland gestatten die Durchführung von Großraum- und Schwertransporten nur zu verkehrsarmen Zeiten von Montag, 9.00 Uhr, bis Freitag, 15.00 Uhr, oder gegebenenfalls nachts zwischen 22.00 und 6.00 Uhr morgens, wenn Fahrzeug und Ladung eine Breite von 3,2 Metern überschreiten. Je nach Abmessungen und Gewichten des Transports ist eine zusätzliche Transportbegleitung vorgeschrieben. Bei besonders schweren Transportgütern ist dies praktisch stets der Fall. schn