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Wirtschaftsreport: Transport und Logistik

Logistik und Nachhaltigkeit

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Vor allem bei Massengütern und großen Transportmengen stehen Schiene und Schifffahrt vor einer Renaissance. Foto: AdobeStock

Im Wandel

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt für die Logistikbranche immer mehr an Bedeutung. Zum einen sind es ökologische Gründe, denn viele Unternehmen werden sich ihrer Verantwortung bewusst, zum anderen stehen die Logistiker vor harten ökonomischen Gründen für mehr Nachhaltigkeit. ,,Logistik und Mobilität sind Grundvoraussetzungen für eine funktionierende und prosperierende Wirtschaft", stellen ,,die Wirtschaftsmacher", eine Initiative deutscher Logistiker, fest. Der Lobbyverband gibt regelmäßig Publikationen zu Logistikthemen heraus.

Die Energiekosten steigen immer weiter und ein Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht. Zudem unternimmt die Politik auf unterschiedlichen Ebenen immer neue Anläufe, um die Umweltkosten weiter zu internalisieren. Unternehmen, die weniger Treibhausgase ausstoßen, Energie effizienter einsetzen und ihre Prozesse optimieren, werden also einen Kostenvorteil haben. Logistiker, die konkurrenzfähig am Markt operieren wollen, müssen die Umweltkosten daher immer stärker in den Blick nehmen. Die Logistik mit rund 80.000 Dienstleistungsunternehmen und insgesamt etwa 3,2 Mio. Beschäftigten hat nicht nur eine essentielle Bedeutung für Wirtschaft und Wohlstand. Gerade wegen ihrer volkswirtschaftlich bedeutsamen Rolle leistet die Logistik auch einen aktiven Beitrag in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Deutschland hat sich zu einer weitgehenden Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2050 bekannt, sämtliche Wirtschaftsbereiche müssen dazu ihren Anteil zu einer Reduzierung der Emission von Treibhausgasen beitragen. Das heißt, die Logistik hat - wie jeder andere Wirtschaftsbereich auch - ihren Beitrag zu leisten, um die Erderwärmung zu begrenzen. Da fällt der Blick vor allem auf den Teilbereich „Transport und Verkehr". Logistik umfasst zwar mehr als die alleinige Beförderung von Gütern, dennoch gehört der Transport untrennbar dazu. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) ist der Transportsektor in den OECD-Ländern für 30 Prozent aller CO₂-Emissionen verantwortlich, im gesamten Verkehrssektor verursacht der Güterverkehr derzeit rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen.

Die Logistik sieht sich in vielen Bereichen als Innovationstreiber und Vorbild. Komplexe analoge Prozesse werden vielfach optimiert und digitalisiert mit dem Ziel, die Prozesseffizienz zu erhöhen. Die Branche legt Wert darauf, dass hier kein ,,Green-Washing" betrieben, sondern ernsthaft an der Umsetzung gearbeitet wird. Konkret bedeutet das, die Unternehmen setzen verstärkt auf digitale Lösungen, um Prozesse zu optimieren und Kapazitäten besser zu nutzen. In einer im Sommer 2019 veröffentlichten Analyse stellt der Bundesverband Paket & Expresslogistik (BIEK e.V.) fest, dass das Sendungsvolumen in Deutschland mittlerweile bei jährlich 3,52 Mrd. transportierten Sendungen liegt und noch weiter wachsen wird.

In dieser Situation Emissionen einzusparen funktioniert nur mit einem Paket von Anpassungen. Zum Beispiel bei den Transportwegen und einer verstärkten Nutzung CO₂-armer Verkehrsträger: Noch 2017 gingen bei einer jährlichen Gesamtgüterverkehrsleistung von 696 Mrd. Tonnenkilometern knapp 500 Mrd. Tonnenkilometer auf den Straßengüterverkehr zurück. Die Transportunternehmen setzen auf eine verstärkte Verlagerung vom Straßenverkehr auf die Schiene sowie eine vermehrte Nutzung der Binnenschifffahrt. Gleichzeitig stehen alternative Antriebe und Kraftstoffe im Fokus der Logistiker. Neben e-Fuels und Gas-Motoren, die in früheren Jahren Erfolge zeigten, sind es inzwischen vor allem batterieelektrische und Wasserstoffantriebe, die als besonders zukunftsträchtig angesehen werden.

Kurier- und Paketdienste werden aus Sicht des Branchenverbandes ihre Flotten weiter umstellen. Vorreiter war die Deutsche Post, die mit dem Streetscooter das bekannteste Beispiel zeigt. Auch UPS verstärkt den Einsatz von Elektrofahrzeugen, ebenso Hermes. Dabei ist noch nicht ausgemacht, ob die einzelnen Fahrzeuge eher größer werden und damit mehr Ladung aufnehmen können, oder eher kleinere Fahrzeuge, die dann besonders effizient und wenig sind, zum Einsatz kommen werden. Die Branche testet hier noch unterschiedliche Konzepte aus. Auf der langen Strecke dagegen scheint der Trend zu großen Kapazitäten zu gehen. Dabei kommt die Bahn ins Spiel, wie bereits erwähnt. Ob sich auch größere Lkw etablieren können, wird stark davon abhängen, wie sich die Reichweite von Lkw mit Elektromotor entwickeln werden. Versuche wie der Gigaliner und ähnliche überlange Lkw-Konzepte haben sich bisher nicht durchgesetzt. VW als größter Automobilproduzent plant auf jeden Fall mit dem Ausbau des kombinierten Verkehrs von Straße und Schiene sowie dem Einsatz von eTrucks.

Vor allem bei Massengütern und großen Transportmengen stehen Schiene und Schifffahrt vor einer Renaissance, zumindest in der Theorie. Durch die lange Konzentration auf den Straßenverkehr sind an Wasserstraßen und Bahntrassen Potenziale nicht genutzt oder Verbindungen abgebaut worden; das wird einen Umstieg nicht leichter machen.

Da in der Logistik viele Teilbereiche eine Rolle spielen, wird es sehr individuelle Lösungen geben, die alle eine Prozessoptimierung gemeinsam haben werden. ,,Tatsächlich sind in kaum einem anderen Wirtschaftsbereich die Vielfältigkeit und das Potenzial für Innovation so hoch wie hier. Digitalisierung, Automatisierung, Künstliche Intelligenz, Internet of Things und Blockchain-Technologie (die allerdings aufgrund des hohen Energieverbrauchs nur für bestimmte Anwendungen eingesetzt wird) gehören für viele Logistiker genauso zur Tagesordnung wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit", schreiben "die Wirtschaftsmacher" dazu. schn