Anzeige
Wirtschaftsreport: Transport und Logistik

Wie sich die Logistik immer transformiert

Wie sich die Logistik immer transformiert Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Neben der Aufgabe, den Einsatz von Ressourcen zu verringern, muss die Logistikbranche gleichzeitig die weitere Beschleunigung der Warenströme organisieren. Es gibt verschiedene Ansätze. Foto: AdobeStock

Digitalisierung

Wenn es um Digitalisierung geht, dann ist gerne auch von Industrie 4.0 oder Verwaltung 4.0 die Rede. Dabei bedient man sich der Logik der Versionsbezeichnung von Software. Diese wird mit Ziffern benannt, wobei Updates einfach mit der Ziffer hinter dem Punkt durchnummeriert werden. So wäre das Update von Industrie 4.0 eben die Industrie 4.1. Ob diese Analogie tatsächlich den Kern der Sache trifft, darf diskutiert werden. Allerdings geht es um eine grundlegende Neuausrichtung ganzer Gesellschaftszweige. Davon ist auch die Logistik betroffen.

Als Teil der Wirtschaft mit mehr als 3 Millionen Beschäftigten geht es hier um einiges. Neben Fragen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes stehen die Unternehmen auch vor den Fragen, wie Betriebsabläufe in Zukunft organisiert werden können, wie die Kostenstrukturen sind und ob die Unternehmen am Markt konkurrenzfähig teilnehmen können. Neben der Aufgabe, den Einsatz von Ressourcen zu verringern, muss die Branche gleichzeitig die weitere Beschleunigung der Warenströme organisieren. Der Prozess des beschleunigten Transports ist nicht neu. Mit jedem technischen Innovationsschub hat sich auch die Geschwindigkeit erhöht. Richtig Fahrt aufgenommen hat dieser Prozess mit der Erfindung der Dampfmaschine und der Telegrafie. Die Bereitstellung von Informationen praktisch in Echtzeit hat auch die Anforderungen an die Logistikketten massiv erhöht. Diese Entwicklung hält schon lange an und hat deutlich vor den ersten digitalen Anwendungen begonnen. Die Frage des Ressourceneinsatzes hat allerdings in früheren Zeiten keine Rolle gespielt. An dieser Stelle steht die Industrie als Ganzes tatsächlich vor einer grundlegenden Neuausrichtung, hier ist die Logistik 4.0 gefragt.

Logistikunternehmen steuern Güter immer schneller an ihren Bestimmungsort. Dabei sind verschiedene Akteure in unterschiedlichen Rollen in den gesamten Prozess eingebunden: Produktionsbetriebe, Spediteure, Transportdienstleister, Reedereien, Häfen, Zollbehörden und letztlich der Empfänger. Verträge und Transportdokumente bewegen sich entlang der Lieferkette durch die Hände vieler Prozesseigner - oft immer noch in gedruckter Form. Das erhöht die Managementkosten der Logistikdienstleister und verlängert die Transitzeit der Waren. Dieser Punkt steht dem Ziel einer Beschleunigung bei gleichzeitig weniger Materialeinsatz entgegen. Neben den Wartezeiten verbrauchen die Dokumente ein erhebliches Maß an Papier und die Ablage zusätzlich viel Stauraum. Schon deshalb suchen alle Beteiligten nach praktikablen Lösungen, um die Abläufe effizienter und schneller zu gestalten.

Ebenso wächst das Bedürfnis nach einer transparenteren und sicheren Lieferkette. Auch die Frage der Sicherheit von Warenströmen wird heute ganz anders gestellt als noch in früheren Zeiten. Auf dem Weg in die Logistik 4.0 erscheint eine Technologie als besonders interessant: die Blockchain. Auf diesem Konzept einer dezentralen Datenbank beruhen unter anderem digitale Währungen wie der Bitcoin. Wie in einem Kassenbuch werden Informationen in verschlüsselten und komprimierten Dateneinheiten, den sogenannten Blocks, in einer lückenlosen Kette gespeichert. In etwa so, wie in früheren Zeiten Kassenbücher in Unternehmen geführt wurden, um Manipulationen zu erschweren.

Innerhalb der Blockchain können Unternehmen Werte austauschen, ohne dass dafür ein externer Vermittler wie eine Bank nötig wäre. Ein Punkt, der Kryptowährungen in den Augen Vieler interessant macht. Auch Versicherungsinfos oder Kaufbelege lassen sich damit austauschen. Damit rüttelt die Blockchain an den Säulen der traditionellen Geschäftswelt. Eine Reihe von Akteuren würde hier übersprungen und die Informationen direkt und ohne Makler zur Verfügung gestellt. Dafür werden die Transaktionen auf allen Speichermedien des Netzwerks gleichzeitig gesichert und aktualisiert. Jede einzelne von ihnen ist durch einen automatisierten Zeitstempel abgesichert: Durch diese Hash-Verknüpfung passt eine Nachfolgetransaktion nur auf den Vorgänger. Da die Datenketten auf allen Speichermedien des Netzwerks identisch abgelegt sind, sind Fälschungen beinahe unmöglich.

Im Zuge der Digitalisierung wächst nun die Bedeutung dieses Konzepts. Denn es ermöglicht hochsichere und automatisierte Prozesse und ihre Abwicklung. In der Logistik ist dies beispielsweise interessant für den Transport besonders wertvoller Güter wie Elektronik, Diamanten oder für das Management besonders sensibler Prozesse wie Abrechnung oder Verzollung. Für Logistiker wird die Blockchain deshalb zunehmend relevant. Die Vernetzung der Dienstleister entlang der Supply Chain und die Straffung der oft langen Prozesskette haben mehrere positive Effekte. Der Wegfall von Agenten, Banken und Kurieren senkt Managementkosten und verkürzt die Transitzeit. Gleichzeitig werden Warenströme neu organisiert und strukturiert. Bisherige Nadelöhre verschwinden, Prozesse werden zudem für die Beteiligten transparenter und direkter. Zudem können Ressourcen eingespart werden, wenn von Beginn an auf hohe Effizienz geachtet wird. Der Energieverbrauch - etwa für die Verwaltung und das Mining von Bitcoin - ist gewaltig. Hier müssen die Akteure früh ein Auge auf die Prozesse haben, damit steigende Energiekosten die Gewinne an anderer Stelle nicht wieder auffressen.

Mit der dezentralen Datenbank können Disponenten Container-Transporte in Echtzeit nachverfolgen, wodurch der Versandablauf vereinfacht wird. Über ein verbessertes Bestandsmanagement kann der Ausschuss reduziert werden. Deshalb testen einzelne Unternehmen bereits den Einsatz von Blockchain-basierten Lösungen. Fälschungen von Blockchain-Transaktionen sind beinahe unmöglich. Finanzielle Transaktionen, Verträge und wichtige Vertragsdokumente wie Akkreditiv oder Konnossement können mit ihr sicher und deutlich schneller verarbeitet werden. Durch ,,Smart contracts" sind sogar sichere Verträge zwischen Unbekannten möglich. Die Auftragsbestätigung erfolgt hierbei automatisch, sobald die Bedingungen beidseitig erfüllt sind. An dieser Stelle ist also einiges im Fluss. schn