Am Ende ist immer der Ofen kaputt

Georg Petau und die »Schlackebolde«–zeigten an der Wendener Hütte die Eisengewinnung

win Wendenerhütte. Georg Petau ist Schmied. Und hartnäckig dazu. Als Schmied ist er gewöhnt, komplette Produkte anzufertigen. Allerdings ärgerte ihn, dass er dazu das Rohmaterial, den Schmiedestahl, stets zukaufen musste. Eines Tages stand ein örtlicher Heimatforscher in seiner Werkstatt bei Holzminden. In der Hand hielt er einen Klumpen Schlacke, den er auf einem Acker gefunden hatte. Ob Petau ihm helfen könne, die Schlacke zu bestimmen, wollte der pensionierte Lehrer wissen. Petau konnte nicht, machte sich aber kundig. Und so kam er dazu, sich mit der Geschichte der Eisengewinnung zu beschäftigen. Denn der Klumpen entpuppte sich als Schmiedeschlacke, Rohmaterial der Schmiede in alten Zeiten.

Petaus Neugier war geweckt, und es dauerte noch zwei Jahre, bis sich die Gruppe »Schlackebolde Holzminden«–gefunden hatte und erstmals daran ging, einen Rennofen zu bauen. Außer Schmiedemeister Petau mit dabei: ein Töpfermeister – der Rennofen wird aus Lehm gebaut. Ein Chemiker – er weiß, wie sich Eisenerz bei starker Hitze verhält. Ein Kachelofenbauer – die Frischluftführung der Rennöfen ist kompliziert. Und so entstand er erste Rennofen. Er funktionierte nicht richtig – wie auch seine neun Nachfolger nicht. Erst beim zehnten Rennofen kam etwas heraus, das dem gewünschten Ergebnis nahe kam.

Inzwischen haben Georg Petau und die »Schlackebolde«–rund 40 Rennöfen gebaut. Der jüngste konnte gestern am Technischen Museum Wendener Hütte in Aktion erlebt werden.

Am Samstag hatten die »Schlackebolde«–aus vor Ort gefundenem Lehm den Ofen gebaut und ihn trockengebrannt. Gestern in den frühen Morgenstunden füllten sie ihn dann mit einer Mischung aus Holzkohle und Erz. Nicht ganz originalgetreu die Luftzuführung: Außer einem handbetriebenen Blasebalg war auch ein elektrisches Gebläse im Einsatz. Dies verfälscht aber nicht den Prozess, sondern erleichtert nur die Arbeit.

Immer wieder füllten Georg Petau und seine Gehilfen Holzkohle und Erz nach. Durch zwei Schaugläser war ihnen sogar ein Blick ins Innere des zwischen 1100 und 1200 Grad heißen Ofens möglich. Anders als beim Hochofen, wie er in der Wendener Hütte im Einsatz war, ist das Ausgangsprodukt bei der Rennofenverhüttung ein direkt schmiedbares Eisen. Hochöfen brachten bis zur Entdeckung des Sauerstoffeinblasens nur Gusseisen. Dieses ist so spröde, dass es nur nach aufwendiger Bearbeitung schmiedbar ist. Das, was bei richtiger Bedienung aus dem Rennofen kommt, kann sofort weiterverarbeitet werden. 800 vor Christus wurden erste Rennöfen gebaut und in Europa bis ins 18. Jahrhundert benutzt. Jeder Rennofen läuft nur einmal: Ist die Schmelze beendet, muss er zerstört werden, um an den wertvollen Inhalt zu kommen. Das hat aber den für Schmiede angenehmen Nebeneffekt, dass der untere Teil des Ofens gleich als Esse genutzt werden kann, um das Eisen sofort zu bearbeiten.

Georg Petau hatte Ergebnisse seiner Arbeit mitgebracht. So konnten sich die Besucher der Wendener Hütte einen Eindruck davon verschaffen, wie ge- und misslungene Rennofenprodukte aussehen. Georg Petau kann mit Stolz von sich behaupten, Produkte von der Idee bis zur Auslieferung komplett selbst hergestellt zu haben. Und die zahlreichen Zuschauer erhielten einen Eindruck davon, wie mühsam es früher war, aus genauso mühsam beschafftem Erz ein Schmiedeprodukt zu fertigen. Das war lebendige Geschichte – nur nicht zum Anfassen, denn der Ofen war selbst an der Außenseite über 400 Grad heiß.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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