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Wegen Versandriese: SiBO-Chef droht mit Abwanderung
Amazon-Ampelanlage sorgt für mächtig Zoff

hobö Gerlingen. Süßholzraspeln zählt nicht zu den Vorlieben von Bernd Hesse. Das verdeutlichte der Unternehmer aus Gerlingen in einem längeren Telefonat mit der SZ. Anlass war die Berichterstattung über die Pläne der Gemeinde Wenden, wegen der bevorstehenden Ansiedlung des Online-Versandriesen Amazon eine neue Ampelanlage an der Zufahrt ins Industriegebiet „Auf der Mark“ in Gerlingen errichten zu wollen. Der 72-Jährige nutzte die Kritik an diesem Vorhaben gleich zu einem verbalen Rundumschlag und zur Ankündigung, seine Bewerbung für die CDU-Bundestagskandidatur im Kreis Olpe sofort zurückzuziehen.

hobö Gerlingen. Süßholzraspeln zählt nicht zu den Vorlieben von Bernd Hesse. Das verdeutlichte der Unternehmer aus Gerlingen in einem längeren Telefonat mit der SZ. Anlass war die Berichterstattung über die Pläne der Gemeinde Wenden, wegen der bevorstehenden Ansiedlung des Online-Versandriesen Amazon eine neue Ampelanlage an der Zufahrt ins Industriegebiet „Auf der Mark“ in Gerlingen errichten zu wollen. Der 72-Jährige nutzte die Kritik an diesem Vorhaben gleich zu einem verbalen Rundumschlag und zur Ankündigung, seine Bewerbung für die CDU-Bundestagskandidatur im Kreis Olpe sofort zurückzuziehen.

Wie berichtet, schlägt die Wendener Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Bernd Clemens an der Spitze vor, an der Einmündung der Ludwig-Erhard-Straße/Landesstraße 512 eine Ampelanlage zu errichten, um die bis zu 4200 zusätzlichen Fahrzeugbewegungen infolge einer Amazon-Ansiedlung in diesem Bereich besser steuern zu können. Dies befürwortet man im Wendener Rathaus unter anderem auch, weil der Projektträger des Amazon-Vorhabens in Aussicht gestellt hat, die Ampelanlage zu finanzieren.

Bernd Hesse als Chef des Unternehmens SiBO erfreut dieses Ansinnen überhaupt nicht, obwohl der Sitz seiner Verpackungsfirma auch im Industriegebiet „Auf der Mark“ liegt und der aus 45 Lkw-Zügen bestehende Fuhrpark ebenfalls häufig von der Ludwig-Erhard-Straße auf die ohnehin vielbefahrene L 512 gesteuert werden muss.

Ampelanlagen funktionieren nicht

Die anderen Ampelanlagen in Gerlingen bis hin zum Autobahnkreuz Olpe-Süd funktionierten nicht, kritisiert Hesse. „Die Systeme sind offenbar nicht kompatibel, es gibt hier keine Grünphase in Gerlingen.“ Dies wiederum führe zu Rückstauungen. Der verantwortliche Straßenbaulastträger, Straßen NRW, gerät daher ins Fadenkreuz Hesses: „Die kriegen gar nichts hin. Wenn Amazon tatsächlich kommt, sage ich jetzt schon: gute Nacht.“ Die neue Ampelanlage würde die ganze Situation nur noch verschlimmern.

Da die Gemeinde Wenden hinsichtlich einer Ortsumgehung von Gerlingen und einer gesonderten Abfahrt für das Industriegebiet im Autobahnkreuz Olpe-Süd seit Jahren nichts tue, platzt dem umtriebigen Unternehmer der Kragen: „Wenn die Amazon-Ampelanlage kommt, stoppe ich hier sofort alle Investitionen. Wir werden wahrscheinlich nach Bayern ausweichen.“

An insgesamt elf Standorten in Deutschland, Litauen und Ungarn arbeitet SiBO an der Konzeption, Produktion und Logistik neuer innovativer Verpackungslösungen. Sitz des Unternehmens samt Verwaltungszentrale und Logistikzentrum ist in Gerlingen. Weitere Standorte im näheren Umfeld sind das Produktionszentrum in Kreuztal und das Montagezentrum in Hünsborn. Laut Bernd Hesse erwirtschaftet sein Unternehmen mit 520 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 70 Millionen Euro.

Keine Gewerbe- und Einkommensteuer 

Bei einer Unternehmensverlagerung, rechnet Bernd Hesse, verliere die Gemeinde Wenden gleich doppelt: die Gewerbe- und seine Einkommensteuer. Der ehemalige Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Wenden, der als persönlicher Vertreter auch für kurze Zeit im Gemeinderat Wenden saß, übt in diesem Zusammenhang massive Kritik an Politik und Verwaltung „Es gibt seit ewiger Zeit keine neuen Gewerbegebiet in der Gemeinde, das Industriegebiet in Gerlingen ist falsch angelegt worden und der Winterdienst eine Katastrophe.“ Es müsse im Rathaus und der Kommunalpolitik ein generelles Umdenken stattfinden, für die Industrie würde jedenfalls nichts getan.

Als Beispiel für eine Stagnation nannte Hesse den Kauf des ehemaligen Unternehmens Balcke-Dürr in Rothemühle. „Da muss man doch vor dem Kauf ein Konzept in der Hand haben, doch seitdem das Gelände und die Immobilien im Besitz der Gemeinde stehen, tut sich da rein gar nichts.“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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