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Bedingungen des Amazon-Projekts
"Arbeit für weniger Qualifizierte ist wichtig"

Hier soll das neue Amazon-Verteilzentrum entstehen.
  • Hier soll das neue Amazon-Verteilzentrum entstehen.
  • Foto: Panattoni Deutschland
  • hochgeladen von Marc Thomas

hobö Gerlingen. „Uns ist bewusst, dass unser Vorhaben nicht auf Gegenliebe trifft.“ Torsten Freers, Projektverantwortlicher von Amazon für die geplante Errichtung eines Verteilzentrums des Online-Versanhändlers in Gerlingen, wusste schon vor der digitalen Informationsveranstaltung am Mittwochabend vom Widerstand seitens der Gemeindeverwaltung Wenden, der Lokalpolitik und insbesondere vielen Gerlinger Bürgern. Wie ausführlich berichtet, fußt die ablehnende Haltung vor allem auf dem zusätzlichen Verkehr von bis 4200 Fahrzeugbewegungen am Tag, den der Online-Versandhändler hervorruft. Neben diesem Thema gab es in dem mehr als zweistündigen „Webinar“ durchaus noch andere interessante Informationen und Fragestellungen.

hobö Gerlingen. „Uns ist bewusst, dass unser Vorhaben nicht auf Gegenliebe trifft.“ Torsten Freers, Projektverantwortlicher von Amazon für die geplante Errichtung eines Verteilzentrums des Online-Versanhändlers in Gerlingen, wusste schon vor der digitalen Informationsveranstaltung am Mittwochabend vom Widerstand seitens der Gemeindeverwaltung Wenden, der Lokalpolitik und insbesondere vielen Gerlinger Bürgern. Wie ausführlich berichtet, fußt die ablehnende Haltung vor allem auf dem zusätzlichen Verkehr von bis 4200 Fahrzeugbewegungen am Tag, den der Online-Versandhändler hervorruft. Neben diesem Thema gab es in dem mehr als zweistündigen „Webinar“ durchaus noch andere interessante Informationen und Fragestellungen.

Eine Frage stellte Torsten Freers gleich selbst, nämlich die nach dem Warum? „Ganz einfach, wegen der Kunden in der Region“, erklärte der Amazon-Vertreter den bis zu 200 Zuschauern an den Empfangsgeräten. Derzeit erfolge die Auslieferung der Amazon-Pakete zwischen Herborn im Süden und Lüdenscheid im Norden sowie Engelskirchen im Westen und Bad Berleburg im Osten durch große Partner. Hier wolle man das Prinzip der Verteilzentren für „die letzte Meile“ umsetzen. Dieses habe Amazon 2015 bundesweit begonnen, um einen besseren Zulieferservice zu erreichen. Deutschlandweit habe Amazon mit den Verteilzentren bereits 5000 Arbeitsplätze geschaffen. In Gerlingen sollen es, wie berichtet, zu normalen Zeiten 170 und in der Spitze bis zu 265 werden.

Gleich mehrere Fraktionsvorsitzende aus dem Wendener Gemeinderat befragten Freers nach Arbeitsbedingungen, Ausbildungsplätzen und einem Betriebsrat. Der Amazon-Projektverantwortliche gratulierte der Region für die vielen Arbeitsplätze für hochqualifizierte Fachkräfte. „Aber Arbeitsplätze für weniger Qualifizierte sind auch wichtig. Bei uns ist egal, wie alt und qualifiziert die Mitarbeiter sind.“ Binnen kurzer Zeit würden die Kräfte geschult, und die Logistikmitarbeiter bei Amazon starteten in NRW mit einem Stundenlohn von 11,82 Euro brutto, hinzu kämen Zuschläge. Nach zwei Jahren im Betrieb werde man als ungelernte Kraft etwa 2500 bis 2600 Euro brutto verdienen, so Freers.
In Gerlingen entstünden aber keine Ausbildungsplätze, da Verteilzentren von Amazon keine Ausbildungsbetriebe seien. Da es keine Tarifbindung bei Amazon gebe, „setzen wir bei uns keine Betriebsräte ein. Wenn Mitarbeiter das machen, verhindern wir das nicht. Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen.“

90 Prozent feste Mitarbeiter geplant 

Man werde mit Zeitarbeitsfirmen kooperieren, beantwortete Freers eine Frage von Ludger Reuber, SPD-Fraktionsvorsitzender im Wendener Gemeinderat. „Wir planen mit 90 Prozent festen Mitarbeitern, beim Rest wollen wir auf Zeitarbeitsfirmen zurückgreifen.“ Es werde an alle von Beginn an der gleiche Lohn gezahlt.

Auch bei den Partnern, die die Auslieferung vornehmen, werde Amazon auf Mindestlohn und Sozialabgaben achten, versprach Freers. „Verstöße werden von uns sanktioniert.“ Die Bezahlung erfolge nach Routen, nicht nach der Anzahl der Pakete.

Martin Solbach, CDU-Fraktionsvorsitzender im Wendener Rat fragte nach, ob sich Amazon für einen zusätzlichen Anschluss des Industriegebiets „Auf der Mark“ an die Autobahn 4 einsetzen würde. Ein Autobahnanschluss, so Torsten Freers, wäre sicherlich der „Königsweg“, um zusätzliche Belastungen für den örtlichen Verkehr abzuwenden. „Wir würden unseren Beitrag zusammen mit anderen Anrainern leisten.“ Man werde auch Kosten für andere Verbesserungen der Infrastruktur mit übernehmen.

Jan Imfeld, Projektverantwortlicher von Panattoni, also jenem Unternehmen, das das Verteilzentrum sowie das Parkhaus baut und sodann zumindest für zehn Jahre an Amazon vermietet, erklärte auf eine Zuschauerfrage hin, dass der Schallschutz gutachterlich untersucht werde. Eine Schallschutzwand in Richtung Hillmicke erscheine derzeit nicht notwendig. Falls doch, würden die notwendigen Maßnahmen natürlich ergriffen. Man werde sich zudem vor der für Frühjahr 2022 geplanten Inbetriebnahme in der Nachbarschaft vorstellen, das gelte auch für die allgemeine Öffentlichkeit. Jan Imfeld garantierte jedenfalls „immer ein offenes Ohr“ für Bürger, Nachbarn, Politik und Verwaltung.

Wie berichtet, hat Bernd Clemens als Bürgermeister der Gemeinde Wenden in der digitalen Veranstaltung seine ablehnende Haltung gegen die Ansiedlung von Amazon untermauert. Da diese aber baurechtlich nicht abzuwenden sei, gelte es nun, „mit Amazon zusammen zu arbeiten, um eine bestmögliche Lösung für die Bürger zu erreichen“. Er kündigte an, in der nächsten Sitzung des Wendener Gemeinderats am 3. Februar einen Vorschlag zu unterbreiten, „um die Verkehrssituation zu verbessern“. Mehr Details nannte er nicht.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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