Aus Erz wird Eisen

Fachmann baut Rennofen an der Wendener Hütte

sz Wendenerhütte. Als letzte Veranstaltung des Technischen Museums Wendener Hütte in diesem Jahr findet ein aufsehenerregendes Experiment statt: Am 14. und 15. Oktober wird der Schmied und Metallbildhauer Georg Petau, seit Jahren Experte für Rennfeuerversuche, zeigen, wie vor Jahrhunderten Eisen gewonnen wurde. Durch den Bau von knapp 1,5 bis zwei Meter hohen Lehmöfen wird die bis ins Mittelalter verbreitete Technik der direkten Eisenerzeugung anschaulich vermittelt. Archäologische Funde weisen für den Kreis Olpe ein Netz von mittelalterlichen Rennofenfunden aus, die sich bei Hünsborn, Oberveischede und Attendorn verdichten. Petau wird am Samstag, 14. Oktober, von 10 bis 18 Uhr mit dem Bau des Rennofens beschäftigt sein; am Sonntag, 15. Oktober, ab 10 Uhr wird die Luppe verschmiedet. An beiden Tagen ab 11 Uhr wird die Grundschule Rothemühle die Caféteria betreuen und für Speisen und Getränke für die Gäste sorgen.

Die Rennofenverhüttung ist die älteste bekannte Methode der Eisenverhüttung. Der Name der Schmelzöfen wird vom Zerfließen der Schlacke abgeleitet, die aus dem Ofen rinnt. Im Sauerland lassen sich Hüttenplätze über Keramikdatierungen seit dem 11. Jahrhundert nachweisen. Archäologische Grabungen zeigten, dass die Eisenerzeugung hier seit dem 13. Jahrhundert eine markante Ausbreitung und Entfaltung erfuhr. Als Ursache einer solchen intensiven Ausweitung kann ein steigender Eisenbedarf vermutet werden, dessen Ursachen in der zunehmenden Bevölkerungsdichte und dem Ausbau der Siedlungen, in der Intensivierung des Eisenhandels und in Rüstungs- und Befestigungsvorhaben der Landesherren vermutet wird.

Die Rennöfen wurden durch einen Windstrom angeblasen, der durch muskelgetriebene Blasebälge beziehungsweise durch Hangaufwinde erzeugt wurde. Das zerkleinerte Erz wurde zusammen mit der Holzkohle von oben in den Ofenschacht gegeben. Bei 800 bis 1000 Grad wurde den metallhaltigen Stoffen der Sauerstoff entzogen, ohne dass ein wirklicher Schmelzvorgang des Eisens stattfand. Lediglich die erdigen Bestandteile verflüssigten sich und liefen durch eine Öffnung als Schlacke aus dem Ofen. Die Eisenteilchen schweißten zu einer teigigen Masse, der so genannten Luppe, zusammen, die noch Reste flüssiger Schlacke einschloss und die mit Werkzeugen glühend aus dem Ofen gebrochen wurde. Die Verunreinigungen in dem Eisenklumpen wurde durch Hammerschläge ausgetrieben; dadurch entstand ein schmiedbares, zur Weiterverarbeitung geeignetes Schmiedeeisen. Die Schmiede verarbeiteten es zu drei- oder viereckigen Stäben.

Hüttenplätze entstanden möglichst in der Nähe reicher Eisenerzvorkommen, um beschwerliche Transportwege zu vermeiden. So bedingten die vorwiegend an Berghängen, in Quellmulden und an Siepen an der Erdoberfläche auftretenden Erzvorkommen den Standort der Hüttenplätze. Die Holzkohle wurde ebenfalls in der Nachbarschaft der Rennöfen in Meilern hergestellt. Weitere Informationen finden sich im Internet unter »www.petau.net«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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