SZ

Die heilsame Wirkung des Waldes
Bianca Eichert zeigt der SZ ihre Bank im Wendener Wald

Bianca Eichert sitzt mit ihrem Mann Torsten auf ihrem Lieblingsplatz. Auf dieser Bank tankt die 47-jährige Wendenerin zur frühen Morgenstunde Energie für den Tag – „hier geht mein Herz auf.“
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  • Bianca Eichert sitzt mit ihrem Mann Torsten auf ihrem Lieblingsplatz. Auf dieser Bank tankt die 47-jährige Wendenerin zur frühen Morgenstunde Energie für den Tag – „hier geht mein Herz auf.“
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yve Wenden. Das große Waldsterben wird uns täglich vor Augen geführt – zumindest auf dem Land. Das ehedem dichte Meer aus Fichten ist klaffenden Lücken gewichen. An anderen Stellen ragen vereinzelnd Baumleichen aus Gewächs, das sich den Boden nach dem Orkan „Kyrill“ zurückerobert hat. Der schlagartige Wandel im Wald bietet Spaziergängern aber auch neue Aussichten – wie Bianca Eichert.
Jeden Tag ist sie in der Natur unterwegs. Die 47-Jährige lebt mit ihrer Familie am Kasimirs Feld in Wenden, erreicht in kürzester Zeit den Waldweg. Und das täglich gegen 6 Uhr in der Früh. Bianca Eichert hat immer ein Ziel, sie geht zu „ihrer“ Bank. Dort hat sie nun freie Sicht auf Wenden, schaut zu, wie die Sonne langsam über den Hügel kommt, das vielstimmige Konzert der Vögel hat schon längst bekommen.

yve Wenden. Das große Waldsterben wird uns täglich vor Augen geführt – zumindest auf dem Land. Das ehedem dichte Meer aus Fichten ist klaffenden Lücken gewichen. An anderen Stellen ragen vereinzelnd Baumleichen aus Gewächs, das sich den Boden nach dem Orkan „Kyrill“ zurückerobert hat. Der schlagartige Wandel im Wald bietet Spaziergängern aber auch neue Aussichten – wie Bianca Eichert.
Jeden Tag ist sie in der Natur unterwegs. Die 47-Jährige lebt mit ihrer Familie am Kasimirs Feld in Wenden, erreicht in kürzester Zeit den Waldweg. Und das täglich gegen 6 Uhr in der Früh. Bianca Eichert hat immer ein Ziel, sie geht zu „ihrer“ Bank. Dort hat sie nun freie Sicht auf Wenden, schaut zu, wie die Sonne langsam über den Hügel kommt, das vielstimmige Konzert der Vögel hat schon längst bekommen. „Dann geht mein Herz auf“, erzählt die 47-Jährige. Hier tanke sie Energie. Lange gibt es die Sitzmöglichkeit am Wegesrand noch nicht. „Ich habe mir dort immer eine Bank gewünscht“, der Gedanke habe sie regelrecht verfolgt.

Ein großer Wegweiser führt auch zur „Kärmetze“ – hoffentlich 2022.
  • Ein großer Wegweiser führt auch zur „Kärmetze“ – hoffentlich 2022.
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Vor wenigen Wochen entdeckt Bianca Eichert einen alten umgefallenen Jägersitz zwischen Baumstümpfen, von Wind und Wetter seiner Standfestigkeit beraubt. „Das war an einem Sonntag.“ Bianca Eichert ruft ihren Mann Torsten an, klingelt ihn aus dem Bett, erzählt von ihrem Fund. Der 45-Jährige steht auf, geht in den Keller, packt Säge, Nägel sowie Hammer ein und macht sich auf in den Wald. Wo seine Frau ist, weiß er ganz genau – dort, wo sie jeden Morgen die Sonne beim Aufgehen begleitet.
Torsten Eichert zimmert aus dem alten Jägersitz in wenigen Stunden eine Bank für Bianca, eine Unikat mit hoher Rückenlehne – einen „Thron“ für seine Frau mit eingeritztem Herz. Für die 47-Jährige gewinnt ihr Lieblingsplatz jetzt noch mehr an Bedeutung. Sie stellt Tischchen, Wichtelhäuser, Insektenhotel und einen Wegweiser auf, dekoriert die Umgebung mit Materialien aus der Natur. Bemalt und beschriftet Schieferplatten, die Spaziergänger wie eine herzliche Umarmung begrüßen. Sie wünscht ihnen zum Beispiel einen Engel, „und sei er noch so klein, er möge immer bei dir sein“.

Jeden Morgen danke ich Gott auf meiner Bank dafür, dass ich das
erleben darf.
Bianca Eichert
47-jährige Wendenerin

Kürzlich hat sogar jemand etwas für die Wendenerin in den Wald gebracht, ein „Herzlich-Willkommen“-Schild. „Es stand einfach am Weg.“ Am nächsten Morgen habe es fest verschraubt an einem abgebrochenen Baum gehangen. „Da habe ich mich so gefreut“, strahlt der 47-Jährige. Bianca Eichert erhält viel Zuspruch auf ihr morgentliches Refugium, ob im persönlich Gespräch oder in sozialen Netzwerken. „Ich werde immer wieder auf den Platz im Wald angesprochen.“ Bianca Eichert ist glücklich darüber, sie teilt ihren Ort der Ruhe gerne.

Noch vor einem Jahr sei sie ein regelrechter „Couchpotato“ gewesen. Seit Jahrzehnten leidet sie an Morbus Crohn, an einer bislang unheilbaren entzündlichen Erkrankung des Magen-Darm-Traks. Drei Darmverschlüsse und stark schmerzende Gelenke sind die Folgen ihres langen Leidensweges. Das Leben von Bianca Eichert wird von Medikamenten und Krankenhausaufenthalten bestimmt, die Standartbehandlungen haben längst versagt. Die Wendenerin unterzieht sich derzeit einer Chemotherapie, erhofft sich davon eine Verbesserung der unberechenbaren Krankheit.
Wie der Wald, wandelt sich ihr teils von Depressionen bestimmter Alltag dann schlagartig – punktgenau mit dem Einzug von Tilda. „Meine Tilli“, schaut Bianca Eichert zu der aufgeweckten Labradorhündin. „Das ist mein Therapiehund.“ Bianca Eichert streichelt über das helle Fell des Tieres. „Ohne sie würde es meinen Lieblingsplatz nicht geben.“ Früher sei sie aus Angst nicht alleine in den Wald gegangen. „Ich habe als Kind schlechte Erfahrungen gemacht.“ Tilda habe ihr diese Angst genommen – „sie passt auf mich auf.“

Jeden Morgen schaut Bianca Eichert der Sonne beim Aufgehen zu. Immer an ihrer Seite ist Hündin Tilda.
  • Jeden Morgen schaut Bianca Eichert der Sonne beim Aufgehen zu. Immer an ihrer Seite ist Hündin Tilda.
  • Foto: privat
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Sie schaut zu ihrem Mann Torsten, ohne ihn und natürlich ihre Kinder und Enkelkinder hätte sie sich aufgegeben. „Er ist immer an meiner Seite, ich bin ihm so dankbar für meine Bank – einfach für alles.“ Torsten nimmt seine Frau in den Arm, Tränen kann Bianca Eichert in diesem Moment der Rührung nicht zurückhalten. „Jeden Morgen danke ich Gott auf meinem Lieblingsplatz dafür, dass ich das erleben darf, und dass hier die Sonne immer wieder aufs Neue für mich aufgeht.“

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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