„Bin ich Mitarbeitern schuldig“

Apotheker Markus Brinker (l.) hat in seiner Apotheke in Wenden Plexiglasscheiben montiert, um seine Mitarbeiter und die Kunden in einem Zug vor einer vermeintlichen Tröpfcheninfektion zu schützen.  Foto: hobö
  • Apotheker Markus Brinker (l.) hat in seiner Apotheke in Wenden Plexiglasscheiben montiert, um seine Mitarbeiter und die Kunden in einem Zug vor einer vermeintlichen Tröpfcheninfektion zu schützen. Foto: hobö
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö  „Das hat nichts mit Panik oder Panikmache zu tun – das ist eine reine Schutzmaßnahme“, stellte Markus Brinker am Donnerstag im Gespräch mit der SZ klar. Der Apotheker bezog sich mit diesen Worten auf eine kleine, gleichwohl bedeutende Neuerung in seiner Marien-Apotheke an der Hauptstraße in Wenden. Er hat wegen des Coronavirus Schutzwände aus Plexiglas montiert, die seine Mitarbeiterinnen und einhergehend die Kunden vor einer Tröpfcheninfektion schützen sollen.

Er sei zwar gegen eine überzogene Verunsicherung der Bevölkerung, aber ernstnehmen müsse man die Gefahr einer Coronavirus-Infektion sehr wohl. „Die Risiken darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen, daher habe ich mich zu dieser Initiative entschlossen. Das bin ich meinen Mitarbeiterinnen schuldig“, begründet Markus Brinker die Schutzwände. Außerdem stünden Einrichtungen des Gesundheitssystems in einer besonderen Verantwortung.

Stefan Spieren, Facharzt für Allgemeinmedizin und Inhaber der Arztpraxis Spieren & Kollegen in Hünsborn, sieht in einer Acryglasscheibe ebenfalls „ein einfaches Mittel, um eine erste Ansteckung in einer Praxis, einer Apotheke oder in anderen Einrichtungen zu vermeiden“. In einem Schreiben an diese Reaktion fügt Spieren hinzu: „Wir haben auch eine Scheibe installiert – ist gar nicht teuer und unsichtbar wirksam.“

Der Hauptübertragungsweg des Coronavirus sei nunmal die Tröpfcheninfektion. Die Scheibe schütze vor der Übertragung direkt von Mensch zu Mensch, die über die Schleimhäute der Atemwege geschehen könne. Natürlich bleibe die Händedesinfektion als eine wichtige Maßnahme bestehen, denn auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht würden, könne der Coronavirus übertragen werden.

Spieren hält es für „bemerkenswert, wie viele Unternehmen sich Gedanken über die ,Corona-Situation’ machen“. Viele seiner Lieferanten oder auch die Abrechnungsstelle hätten Ausfallkonzepte. Die Hünsborner Arztpraxis sei ebenfalls auf IT angewiesen, ganz besonders wichtig seien daher in diesem Dienstleistungssektor entsprechende Ausfallkonzepte. „Denn bei der Diskussion um Ansteckung, Verbreitung und Schutzkleidung sollte ,wenigstens’ die IT ihre Dienste tun.“

Lobend erwähnt der Hünsborner Arzt an dieser Stelle das Gesundheitsamt des Kreises Olpe, das entsprechende Schutzmasken für Arztpraxen vorrätig habe und diese bereits in der vergangenen Woche kostenlos zur Verfügung gestellt habe. In der Gemeinde Wenden sei beispielsweise jede Praxis mit Masken ausgestattet worden – zudem mit mindestens einem Testkit zur Diagnose, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert ist.

Markus Brinker verwies derweil auf einen aktuellen Erlass der NRW-Landesregierung, womit den Apothekern erlaubt wird, wieder selbst Desinfektionsmittel nach Standard der WHO (Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen) herzustellen. Aufgrund einer Biozid-Verordnung der EU sei dies bislang verboten gewesen.

Er stelle derzeit Desinfektionsmittel her, erklärte Brinker, wobei dies gar nicht so einfach sei, weil die benötigten Inhaltsstoffe sehr rar geworden seien. Außerdem mangele es an entsprechenden Abfüllbehältern. Er habe im Internet noch welche in Bayern gefunden und bestellen können. Er produziere nun 50 Liter Desinfektionsmittel, was zeige, wie wichtig eine Apotheke vor Ort sei. Die Versandapotheken könnten dies nicht leisten.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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