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Amazon präsentiert Details seines Vorhabens in der Gemeinde Wenden
Bis zu 4200 zusätzliche Fahrten am Tag

Diese von Panattoni Deutschland zur Verfügung gestellte Visualisierung zeigt, wie die beiden neuen Baukörper des Amazon-Vorhabens aussehen sollen: links das Parkhaus, rechts das Verteilzentrum. Hier wird übrigens deutlich, dass die Ortschaft Hillmicke viel näher an diesem Teil des Industriegebiets „Auf der Mark“ liegt als Gerlingen. Der Verkehr indes wird überwiegend durch Gerlingen geführt.
  • Diese von Panattoni Deutschland zur Verfügung gestellte Visualisierung zeigt, wie die beiden neuen Baukörper des Amazon-Vorhabens aussehen sollen: links das Parkhaus, rechts das Verteilzentrum. Hier wird übrigens deutlich, dass die Ortschaft Hillmicke viel näher an diesem Teil des Industriegebiets „Auf der Mark“ liegt als Gerlingen. Der Verkehr indes wird überwiegend durch Gerlingen geführt.
  • Foto: Panattoni Deutschland
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

hobö Gerlingen. Unternehmen, die zweistellige Millionenbeträge investieren und annähernd 200 Arbeitsplätze schaffen wollen, werden in aller Regel von Kommunen mit Kusshand begrüßt. Genau das beabsichtigen die Panattoni Germany Properties GmbH als Bauherr und das US-Online-Versandunternehmen Amazon in der Gemeinde Wenden, doch willkommen sind sie nicht. Das zeigte sich bei einer Protestaktion Gerlinger Bürger am Dienstag (die SZ berichtete) sowie in einer digitalen Informationsveranstaltung am Mittwochabend.
Widerstand gegen Amazon-Verteilzentrum
Kommune kann Amazon nicht verhindernBesonders deutlich brachte dies Bernd Clemens, der Bürgermeister der Gemeinde Wenden, zum Ausdruck: „Wenn wir entscheiden könnten, würde ich dem Gemeinderat empfehlen, das Vorhaben abzulehnen.

hobö Gerlingen. Unternehmen, die zweistellige Millionenbeträge investieren und annähernd 200 Arbeitsplätze schaffen wollen, werden in aller Regel von Kommunen mit Kusshand begrüßt. Genau das beabsichtigen die Panattoni Germany Properties GmbH als Bauherr und das US-Online-Versandunternehmen Amazon in der Gemeinde Wenden, doch willkommen sind sie nicht. Das zeigte sich bei einer Protestaktion Gerlinger Bürger am Dienstag (die SZ berichtete) sowie in einer digitalen Informationsveranstaltung am Mittwochabend.

Widerstand gegen Amazon-Verteilzentrum

Kommune kann Amazon nicht verhindern

Besonders deutlich brachte dies Bernd Clemens, der Bürgermeister der Gemeinde Wenden, zum Ausdruck: „Wenn wir entscheiden könnten, würde ich dem Gemeinderat empfehlen, das Vorhaben abzulehnen.“ Aber Markus Hohmann machte als Leiter des Fachbereichs Bauen und Stadtentwicklung im Wendener Rathaus deutlich: Die Kommune besitzt keine Werkzeuge für eine Verhinderung.
Entsprechend des seit 1989 für diesen Bereich des Industriegebiets „Auf der Mark“ bei Gerlingen gültigen Bebauungsplans sei das Vorhaben baurechtlich zulässig. Hohmann: „Es gibt keinen rechtlichen Grund, das Vorhaben zu verhindern.“ Ohnehin sei der Kreis Olpe als Untere Bauaufsichtsbehörde für das laufende Bauantragsverfahren und die noch ausstehende Baugenehmigung zuständig.

Zusätzlicher Verkehr sorgt für Ablehnung

Was führt zur ablehnenden Haltung? Es ist der zusätzliche Verkehr, den das anvisierte Amazon-Verteilzentrum (die SZ berichtete mehrfach) insbesondere der Ortschaft Gerlingen „beschert“. Im Vorfeld der Online-Infoveranstaltung machten Gerüchte von 3000 zusätzlichen Fahrzeugbewegungen die Runde, die Pressestelle von Amazon sprach von lediglich rund 20 Lkw nachts und bis zu 150 Kleintransportern tagsüber. Beides trifft nicht wirklich zu. Denn es werden zu Spitzenzeiten, speziell vor Weihnachten, täglich bis zu 4200 zusätzliche Fahrzeugbewegungen infolge der Amazon-Ansiedlung prognostiziert. An „normalen“ Tagen seien es bis zu 3100, ergänzte Markus Hohmann.
Nicht alle Fahrten werden durch Gerlingen führen, aber die jetzt schon täglich von rund 20.000 Fahrzeugen be- und teils überlastete Ortsdurchfahrt wird als direkte Zuwegung zu den Autobahnen 4 und 45 natürlich das Gros „abkriegen“.

„Andere Routen“ nicht bekannt

Die von der Gemeinde Wenden um eine Stellungnahme gebetene Sylke Schwarz vom Gutachterbüro IVV Aachen äußerte am Mittwoch eine andere Sichtweise. Sie kam gar zur Schlussfolgerung, dass die Amazon-Ansiedlung „keine gravierende Verschlechterung des Verkehrs in der Ortsdurchfahrt von Gerlingen“ herbeiführe. Sie rechne damit, dass lediglich 1700 der 4200 Fahrten durch den Ort führten. Sie begründete das mit ihrer Annahme, dass eine verstopfte Straße die Verkehrsteilnehmer dazu bringe, andere Routen auszusuchen. Das habe das Verfahren einer „Wirkungsanalyse“ aufgezeigt. Das Verfahren weiß offenbar nicht, dass selbst Ortskundigen derartige „andere Routen“ im näheren Umfeld von Gerlingen nicht bekannt sind.

„Blockierter Verkehrsfluss“ absehbar

Jan Imfeld, Projektverantwortlicher von Panattoni, stellte seinerseits eine in Auftrag gegebene Untersuchung vor. Die hat die Kreuzung der L 512 mit der Erschließungsstraße zum Industriegebiet unter die Lupe genommen. Imfeld räumte unumwunden ein, dass der Abfluss des Verkehrs aus dem Industriegebiet „auch ohne Amazon nachmittags nicht mehr ordentlich funktioniert“. Mit Amazon werde der Zustand noch schlechter – bis hin zum „blockierten Verkehrsfluss“. Optimal wäre hier ein Kreisverkehr, so Jan Imfeld, doch der sei wegen der Höhenverhältnisse und der nahegelegenen A-45-Talbrücke schlichtweg nicht möglich. Eine Ampelanlage aber, das habe die Untersuchung gezeigt, würde einen „nahezu freien Verkehrsfluss“ aus dem Gewerbegebiet auf die L 512 ermöglichen. Imfeld: „Wir würden in einem ersten Schritt gerne in die Ampelanlage investieren.“ Die Untersuchungen seien bereits im Oktober 2019 außerhalb der Ferien und somit vor Corona erfolgt.

Drei Schichten rund um die Uhr

Torsten Freers, Projektverantwortlicher von Amazon, führte weiter aus, dass die Anlieferung zwischen 22 und 8 Uhr mit bis zu 27 Lkw erfolge und im Peak, also zu Spitzenzeiten vor Weihnachten, mit bis zu 44. Zwischen 14 und 16 Uhr erfolgten weitere vier Lkw-Anfahrten. Von 9 bis 14 Uhr folgten 386 Touren mit Lieferwagen, im Peak bis zu 607. Ab 15 Uhr seien bis zu 40 Expresstouren möglich, im Peak bis zu 60. Hierbei handele es sich um das Maximum der erwarteten Bewegungen, versicherte Freers. Hinzu kämen die Fahrzeugbewegungen der durchschnittlich 170 Mitarbeiter, in der Spitze bis zu 265 Arbeitnehmer. Diese Zahlen, führte Torsten Freers aus, seien Bestandteil der Betriebsgenehmigung im Baugenehmigungsverfahren – und damit als Maximum festgezurrt.
Der Betrieb würde an sechs Tagen in drei Schichten (ohne Wechselschicht) rund um die Uhr laufen. An Sonn- und Feiertagen werde nicht gearbeitet.

„Lokale Steuern“ am Standort

Amazon plane, mit ca. fünf bis acht lokalen Firmen aus dem Kurier-, Express- und Paketdienst zusammenzuarbeiten. 400 bis 650 Mitarbeiter bei diesen Partnern seien vonnöten, rechnete Freers vor. Amazon würde die Neugründung von solchen Firmen unterstützen. Lediglich 5 Prozent aller Touren sollen über Amazon-Flex an Personen vergeben werden, die im Nebenerwerb Pakete auslieferten.
Das ehemalige Otto-Gelände, das Panattoni Ende 2019 erwarb, umfasst rund 51.500 Quadratmeter. Auf ihm soll das eigentliche Verteilzentrum auf einer Fläche von 9100 Quadratmetern mit umlaufender Straße entstehen. Daneben planen die Projektträger ein Parkhaus mit vier Ebenen und Platz für 600 Auslieferfahrzeuge. Die Transporter sollten „nicht in der Region zwischengeparkt werden, sondern bei uns“, betonte Torsten Freers. Zusätzlich seien 147 Parkplätze für die Mitarbeiter vorgesehen.
Der Amazon-Projektverantwortliche versprach einhergehend, dass man über diesen Standort „entsprechend lokale Steuern“ bezahlen werde. „Es gibt keine Steuervermeidung“, so Freers. Schon vor der für das erste Quartal 2022 geplanten Inbetriebnahme wolle sich das Unternehmen vor Ort engagieren und soziale Projekte unterstützen. Zudem habe die Amazon-Ansiedlung zusätzliche „weiche Faktoren“ zur Folge, von denen die Gastronomie bis hin zu Tankstellen profitierten.
In der weit mehr als zweistündigen Online-Veranstaltung gab es zahlreiche Fragen und Antworten zu weiteren Themenbereichen, über die wir noch berichten.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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