SZ

Entwarnung für den Weihnachtsbaum
Borkenkäfer macht Bogen um das Tannengrün

Forstwirt Peter Quast beliefert einige Baumärkte mit den Bio-Weihnachtsbäumen aus seinen Schonungen im Wendener Ortsteil Scheiderwald. Überwiegend wachsen dort Nordmanntannen. Der Borkenkäfer bereitet ihm (noch) keine Schwierigkeiten.
3Bilder
  • Forstwirt Peter Quast beliefert einige Baumärkte mit den Bio-Weihnachtsbäumen aus seinen Schonungen im Wendener Ortsteil Scheiderwald. Überwiegend wachsen dort Nordmanntannen. Der Borkenkäfer bereitet ihm (noch) keine Schwierigkeiten.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

tile Wenden/Mudersbach. Hätten Waldbauern für 2020 einen Wunsch frei gehabt, so wäre es wohl das Ende der Borkenkäfer-Kalamität gewesen. Doch gerade im Corona-Sommer wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe in den heimischen Wäldern sichtbar. Der Parasit hinterlässt tiefe Wunden in der Landschaft, hat sie nachhaltig verändert. Die Fichte verschwindet quasi über Nacht von Höhenzügen und Hängen. Zudem mehren sich Anzeichen, dass auch andere Baumarten angegriffen werden könnten. Auch Weihnachtsbäume? Die Siegener Zeitung schnürte die Stiefel und machte sich ein Bild über den aktuellen Zustand der Christbäume.

tile Wenden/Mudersbach. Hätten Waldbauern für 2020 einen Wunsch frei gehabt, so wäre es wohl das Ende der Borkenkäfer-Kalamität gewesen. Doch gerade im Corona-Sommer wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe in den heimischen Wäldern sichtbar. Der Parasit hinterlässt tiefe Wunden in der Landschaft, hat sie nachhaltig verändert. Die Fichte verschwindet quasi über Nacht von Höhenzügen und Hängen. Zudem mehren sich Anzeichen, dass auch andere Baumarten angegriffen werden könnten. Auch Weihnachtsbäume? Die Siegener Zeitung schnürte die Stiefel und machte sich ein Bild über den aktuellen Zustand der Christbäume.

Borkenkäfer noch keine Gefahr

Von der Schonung oberhalb seines Hofs im Wendener Ortsteil Scheiderwald, auf halber Strecke zwischen Gerlingen und Krombach, aus blickt Peter Quast auf die gegenüberliegende Höhe. Dort fallen Hektar um Hektar die Fichtenbestände den Sägen zum Opfer. Der Forst- und Landwirt steht inmitten Hunderter Nordmanntannen. Sie stehen im satten Grün, rötlich-braune Verfärbungen, die auf einen Borkenkäferbefall schließen ließen, sind nicht zu erkennen. „Trotz Trockenheit sind sie wunderbar in der Farbe“, findet Peter Quast. Dafür dokumentieren ausgebliebene Triebe an einigen Stellen der Bio-Weihnachtsbäume den Spätfrost im Frühjahr. Im Jahr zuvor hatte es vermehrt Wildverbiss an den jüngeren Bäumen gegeben.Neben den sonstigen „Gefahren“ für die Nordmanntanne gehöre der Borkenkäfer (noch) nicht dazu. „Soweit wir wissen“, schränkt Peter Quast ein. „Die Erkenntnisse ändern sich regelmäßig.“ Mit 1,5 Hektar ist der Bestand an Nobilistannen des Wendeners – vor allem für Schmuckgrün genutzt – deutlich geringer. Hier hat der Käfer vereinzelt bereits zugeschlagen. Auf die diesjährige Weihnachtsbaumernte habe das aber keinen Einfluss. Demnächst werde er die Bäume für die aktuelle Saison etikettieren. Bestimmt sind sie vor allem für verschiedene Baumärkte sowie für den Verkauf an einem großen Einrichtungshaus in Kamen.
Ob er seine Anpflanzungen anpassen wird, also weniger Nobilis- und dafür noch mehr Nordmanntannen, ist noch unklar. „Erst einmal warten wir die nächsten Monate ab“, ob und in welchem Umfang der Borkenkäfer auch unter den nachwachsenden Weihnachtsbaumgenerationen der kommenden Jahre wütet. Diese würden im Übrigen seit einigen Jahren jünger geschnitten als es noch früher der Fall war. „2,30 bis 2,50 Meter werden immer seltener gekauft, der Durchschnitt liegt bei 1,50 bis 1,80 Meter.“ Schmerzlicher als die Ausbreitung des Borkenkäfers trifft den Forstwirt das Coronavirus. Firmen, die sich alljährlich zur Weihnachtsfeier und zum Tannenbaumkauf einfänden, sagten ab. „Mal sehen, ob es überhaupt möglich ist, Events durchzuführen. Wenn überhaupt, dann nur draußen“, will sich Peter Quast zeitnah beim Ordnungsamt über die Möglichkeiten erkundigen.

Keine Anzeichen für Befall

Entwarnung für den Christbaum gibt auch Martin Szostak. Der ehemalige Revierförster des Mudersbacher Giebelwaldes findet in der Schonung der Haubergsgenossen, bei denen er Mitglied ist, keinerlei Anzeichen für einen Befall. Hier wachsen auf ca. 1200 Quadratmetern bis auf einige vereinzelte Blaufichten ebenfalls vor allem Nordmanntannen. „Nobilis war mal ein beliebter und rentabler Weihnachtsbaum, aber die Nordmanntanne hat sie abgelöst.“Ein paar Hundert Bäume schlagen die Genossen jährlich kurz vor Heiligabend, vor allem für den Eigenbedarf. Dann kommen die Familien aus dem Dorf auf den Berg hinauf, suchen sich einen Baum aus, essen eine Wurst, trinken Glühwein. Dieses Jahr soll der Spaß am letzten Samstag vor Heiligabend stattfinden – wenn die Pandemie es zulässt. Eine Prognose für die kommenden Jahre wagt auch Martin Szostak nicht. Der Borkenkäfer sei vor allem ein Fichtenkäfer, aber ob das so bleibt? Fest stehe, dass das gefräßige Insekt mittlerweile immer jüngere Bestände auf die Speisekarte setzt, auch erst zehnjährige Fichten blieben nicht länger verschont. Die Auswirkungen sind im Giebelwald flächendeckend sichtbar. Der 3000 Quadratmeter große zusammenhängende Wald weist immer größere Kahlflächen auf.
Das artenvielfältige Aufforsten – ohne den einstigen „Brotbaum“ der Region – ist eine Herkulesaufgabe. „Das ist mehr als eine Katastrophe“, sagt der Förster und Jagdpächter düster. Aber wenigstens die Weihnachtsbäume bleiben vorerst von ihr verschont. Zumindest sie verheißen also auch in diesem Jahr eine schöne Bescherung: „O Tannenbaum, o Tannenbaum …“

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen