SZ

Deutlicher Appell an die Politik
Bürger laufen gegen Amazon-Ampelanlage Sturm

Anfang Januar versammelten sich bereits zahlreiche Gerlinger Bürger, um vor einer Online-Präsentation des Amazon-Vorhabens ihr Missfallen gegenüber der Ansiedlung zu bekunden.
  • Anfang Januar versammelten sich bereits zahlreiche Gerlinger Bürger, um vor einer Online-Präsentation des Amazon-Vorhabens ihr Missfallen gegenüber der Ansiedlung zu bekunden.
  • Foto: hobö (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

hobö Gerlingen. Mit Spannung darf man der Sitzung des Wendener Gemeinderats am Mittwochabend (3. Februar) entgegenblicken. Denn der entscheidet über die Errichtung einer Ampelanlage an der Einmündung Ludwig-Erhard-Straße/Landesstraße 512, die inzwischen im Volksmund als „Amazon-Ampel“ bezeichnet wird. Unmittelbar vor der Ratssitzung wendet sich Benjamin Hacke als Ortsvorsteher von Gerlingen „im Namen besorgter Gerlinger“ in einem Brief an alle Gemeinderatsmitglieder und bittet darum, die Ampelanlage abzulehnen.
Dies birgt insofern politischen...

hobö Gerlingen. Mit Spannung darf man der Sitzung des Wendener Gemeinderats am Mittwochabend (3. Februar) entgegenblicken. Denn der entscheidet über die Errichtung einer Ampelanlage an der Einmündung Ludwig-Erhard-Straße/Landesstraße 512, die inzwischen im Volksmund als „Amazon-Ampel“ bezeichnet wird. Unmittelbar vor der Ratssitzung wendet sich Benjamin Hacke als Ortsvorsteher von Gerlingen „im Namen besorgter Gerlinger“ in einem Brief an alle Gemeinderatsmitglieder und bittet darum, die Ampelanlage abzulehnen.
Dies birgt insofern politischen Sprengstoff, da die Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Bernd Clemens aus Gerlingen an der Spitze die Errichtung der „Amazon-Ampel“ vorschlägt und der Bau- und Planungsausschuss in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch das Ansinnen mit 7:4-Stimmen befürwortete.

Amazon-Ampel soll zwischen 80.000 und 100.000 Euro kosten

Der US-Onlineversanhändler Amazon möchte bekanntlich ein Verteilzentrum im Industriegebiet „Auf der Mark“ bei Gerlingen errichten lassen, dessen Erschließung über besagte Ludwig-Erhard-Straße erfolgt. Um die in Spitzenzeiten bis zu 4200 Fahrten, die das Amazon-Vorhaben zusätzlich hervorruft, besser abwickeln zu können, soll die Ampelanlage installiert werden. Die Kosten von rund 80.000 bis 100.000 Euro will das Unternehmen Panattoni als sogenannter Vorhabenträger bezahlen. Panattoni hat das ehemalige Otto-Gelände gekauft, lässt die dortigen Immobilien abreißen und baut das Verteilzentrum, um jenes an Amazon zu vermieten.

Bürger aus Gerlingen sorgen sich um ihre Gesundheit

Der neue Gerlinger Ortsvorsteher, Benjamin Hacke, schreibt in dem Brief, dass sich Gerlinger Bürger „große Sorgen um die Lebensqualität und gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die extreme verkehrsmäßige Belastung in Gerlingen“ machen. Insbesondere die Diskussionen der zurückliegenden Wochen würden diese Sorgen befeuern.
„Aktuell wird mehr darüber gesprochen und berichtet, ob eine Ampelanlage im Bereich Zufahrt zum Industriegebiet sinnvoll ist oder nicht als über die Lebensqualität und die gesundheitliche Belastung der Bürger in Gerlingen“, bemängelt Hacke. Im Grunde, so erklärten einige Gerlinger Bürger im Gespräch mit der SZ zusätzlich, werde mit der Ampel nur dafür gesorgt, den Amazon-Verkehr schnell auf die Straße zu bringen, nicht aber auf die Interessen der Bevölkerung und die Auswirkungen auf die Ortsdurchfahrt von Gerlingen geschaut. Der Amazon-Verkehr werde schnell aus dem Industriegebiet geführt, die Straßen ringsherum aber genau so schnell zusätzlich belastet. Das könne nicht im Sinne der Gemeinde Wenden sein.

Ortsvorsteher Benjamin Hacke schreibt Brief an die Politik

Ortsvorsteher Hacke moniert in seinem Schreiben:

  • dass die im Auftrag von Panattoni durchgeführte Verkehrsanalyse an nur einem Tag durchgeführt worden und deshalb nicht repräsentativ sei;
  • dass die zusätzliche Analyse von IVV Aachen „nicht aussagekräftig“ sei, da es die benannten „Ausweichrouten“ für die Ortsdurchfahrt Gerlingen gar nicht gebe;
  • dass „unbelegt unterstellt wird“, dass der Verkehr (außer Schwerlastverkehr) aus dem Gewerbegebiet jeweils zu 50 Prozent in Richtung Gerlingen sowie in Richtung Rothemühle abfließe;
  • dass Alternativen zur Ampel-Anlage nicht untersucht worden seien;
  • dass eine zusätzliche Autobahn-Abfahrt (A4/A45) zum Industriegebiet nicht untersucht worden sei,
  • dass das beabsichtigte Gutachten Verkehrsfluss-Optimierung Gerlingen noch nicht vorliege.

Die Idee eines neuen Autobahn-Anschlusses sei sicherlich nicht neu, betont Benjamin Hacke. Und in diesem Zusammenhang werde häufig auf Zuständigkeiten verwiesen sowie darauf, dass man schon mehrfach erfolglos bei Straßen NRW vorstellig geworden sei. Immer wieder werde das Argument genannt, ein solcher Anschluss komme dem Autobahnkreuz Olpe-Süd zu nahe – der Mindestabstand einer neuen Abfahrt müsse 2 Kilometer betragen. „Wir stellen uns die Frage, warum derartige Abstände in anderen Fällen nicht gelten“, erklärt Hacke auch im Namen anderer Gerlinger Bürger. Ein Beispiel dafür, dass dies auch anders gehe, finde man beim Industriegebiet Eching in Bayern. Hier sei die Abfahrt (nur für die Zufahrt zum Industriegebiet) ca. 500 Meter vom Autobahnkreuz Neufarn entfernt. Dies könne man im Internet sehen.

"Wir brauchen einen Weg zur Entlastung von Gerlingen"

In dem Brief des Gerlinger Ortsvorstehers „im Namen besorgter Bürger“ heißt es weiter: „Für alle Gerlinger ist es unzumutbar, auf eine Umsetzung einer solchen Abfahrt oder einer Ortsumgehung in Verbindung mit dem Industriegebiet ,Ruttenberg’ zu warten. Wir brauchen jetzt einen Weg zur Entlastung von Gerlingen! Aus diesem Grund fordern wir alle Fraktionen im Rat der Gemeinde Wenden auf, am 3. Februar 2021 gegen die Einrichtung einer Ampel an der Zufahrt zum Gewerbegebiet zu stimmen und alle Diskussionen und Entscheidungen im Sinne der Gesundheit der Bürger von Gerlingen zu führen.“
Stattdessen solle die Gemeinde in einen „Umsetzungsplan“ investieren, um einen Autobahn-Anschluss für das Industriegebiet zu realisieren. Vor weiteren Entscheidungen solle überdies das Ergebnis der Verkehrsfluss-Analyse abgewartet werden, bevor mit der Installation der Ampelanlage weitere Fakten geschaffen würden.
Außerdem fragen sich die beteiligten Bürger in dem Brief: „Warum lässt die Gemeinde kein Gutachten zur gesundheitlichen Belastung der Gerlinger durch die hohen Verkehrsbelastungen erstellen? Von der Gemeinde lautet die Fragestellung immer nur, wie viel zusätzlichen Verkehr verträgt die Straße. Wie viel Verkehr die Gerlinger noch vertragen, interessiert offensichtlich nicht.“
Ferner fordern die Verfasser des Briefs als „Sofortmaßnahme“ die Verlegung der Bushaltestelle in Höhe des „Netto“-Markts in Fahrtrichtung Olpe in den vorhandenen Buswendeplatz neben der Volksbank. Der Bus hält auf der Straße und bringt den Verkehr auf der L512 (Koblenzer Straße) bei jedem Halt zum Stillstand.
Wegen der Corona-Schutzverordnung dürfen Besucher nur an einer Ratssitzung teilnehmen, wenn sie sich vorher bei der Gemeinde angemeldet haben. Die Zahl ist jedenfalls sehr begrenzt. Ansonsten wäre sicherlich mit einer hohen Zahl den Bürgern aus Gerlingen zu rechnen.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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