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Auf der Jagd nach „Beer Deers“
Christian Müller gründet „CrossBeau Brewing“

Christian Müller und Harald Häuser sind Bierexperten. In Wenden entwickeln sie immer wieder Rezepte für ihre Craft-Biere.
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yve Wenden. Christian Müller (43) und Harald  Häuser (51) teilen eine Leidenschaft, und die dreht sich rund um den Gerstensaft. Das bedeutet nicht, dass die Freunde kistenweise handelsübliches Bier trinken. Vielmehr sind sie Verkoster, begutachten, halten ihre Nasen tief in die Gläser, schnuppern und probieren. Müller, im „echten“ Leben Unternehmensberater, hat bereits über 2500 Sorten „gesammelt“, Berufsmusiker Häuser weit mehr als 1200. Jede Geschmacksprobe wird in einer Tabelle festgehalten. „Die Erde haben wir gut abgesteckt“, erzählen sie.
Feinsinn und EuphorieIch sitze in ihrem Hobbykeller in Wenden, mein Blick fällt sofort auf den Kessel. Christian Müller und Harald Häuser sind Kleinbierbrauer.

yve Wenden. Christian Müller (43) und Harald  Häuser (51) teilen eine Leidenschaft, und die dreht sich rund um den Gerstensaft. Das bedeutet nicht, dass die Freunde kistenweise handelsübliches Bier trinken. Vielmehr sind sie Verkoster, begutachten, halten ihre Nasen tief in die Gläser, schnuppern und probieren. Müller, im „echten“ Leben Unternehmensberater, hat bereits über 2500 Sorten „gesammelt“, Berufsmusiker Häuser weit mehr als 1200. Jede Geschmacksprobe wird in einer Tabelle festgehalten. „Die Erde haben wir gut abgesteckt“, erzählen sie.

Feinsinn und Euphorie

Ich sitze in ihrem Hobbykeller in Wenden, mein Blick fällt sofort auf den Kessel. Christian Müller und Harald Häuser sind Kleinbierbrauer. Mit einem Set aus Töpfen und einer 5-Liter-Gärflasche zum Geburtstag vor drei Jahren betreten sie Neuland. Wie ein qualitätsvolles Getränk aus Hopfen und Malz schmecken muss, wissen sie, doch für den Herstellungsprozess braucht es Feinsinn. Bereits drei Monate später erhöhen sie auf einen 20-Liter-Sud. „Das hat sofort funktioniert“, so Müller. Euphorisch tüfteln die Freunde an Rezepten, das jahrelange „Sezieren“ von Bier zahlt sich jetzt aus. Bei einer Stammsorte wollen sie es nicht belassen. Schließlich ist Vielfalt genau das, was sie an Craft-Bieren schätzen. „Die Brauprozesse haben uns richtig beflügelt“, blickt der 43-Jährige zurück. Und zwar so sehr, dass Christian Müller die Unternehmergesellschaft „CrossBeau Brewing“ gründet, um die Spezialgetränke auf den Markt zu bringen.

Wir nehmen uns die amerikanischen Garagenbrauereien zum Vorbild.
Christian Müller
„CrossBeau Brewing“

Das ist erst wenige Monate her. Die SZ-Serie über Mikrobrauereien führt mich nach dem Besuch bei Armin Judas, dem wohl „ältesten“ Brauer im Kreis Olpe, also offenbar zu den „jüngsten“ Gerstensaftherstellern im Beritt. Das erste Bier, das 2019 abgefüllt wird, nennen Müller und Häuser „Winternight’s Dream“, ein Dark Ale. Alle Testtrinker seien begeistert gewesen, berichten die Freunde. Einen Markennamen finden sie schnell, lassen aus ihren Spitznamen „Crossi“ und „Harrybeau“ die Bezeichnung „CrossBeau“ entstehen. Das „Beer Deer“, als ein Wappen der Brauerei, wird eigens in einer ukrainischen Designerschmiede entwickelt. Es ist ein Wortspiel aus Bier und Jagd, neben Hornspiel und Brauen die dritte große Leidenschaft von Häuser. Das CB im Label stehe auch für „Craft Beer“ und „CrossBeau Brewing“.„Wir nehmen uns beim Entwickeln des Sortiments die amerikanischen Garagenbrauereien zum Vorbild“, so Müller. Das sei einzigartig im Kreis Olpe. Statt immer gleicher Stammbiere kreieren Müller und Häuser lieber viele Variationen und wollen mindestens vier saisonale Biere im Jahr herausbringen mit oft über 6 Prozent Alkoholgehalt – Pale  Ales, India Pale Ales, New England IPAs, West Coast IPAs, Reds, Dark und Brown Ales, dazu Porter oder Stouts. Obergärig und herb, mit einer geballten Ladung Frucht und Aroma sowie bis zu vier verschiedenen Hopfensorten. Hohe Bitterness zeichne den Geschmack aus, erklären die Kleinbierbrauer. Teilweise fänden auch Hafermalze für ein weiches Mundgefühl Verwendung.

Sortenreichtum und kreatives Etikettendesign

So beachtlich wie der Sortenreichtum, ist das stets wechselnde Design der Etiketten, „mit fantasievollen Namen samt zugehöriger Geschichte“, betont Müller. „Trübe Aussichten“ heißt ein New England IPA. „Trübe Aussichten, wohin man nur schaut! Eiskalte, trübe Wintertage, trüber Dauerregen, trübe Pandemie“, steht auf der Rückseite des Etiketts. Hier erzählen die Freunde von ihrer Idee, „das trübste, komplexeste und aufwendigste Bier zu brauen, an das wir uns jemals herangewagt haben“. Das Summer Pale Ale „Cross Beau’s Sauerlandsommer“ beschreiben sie als „280 Tage Regen im Jahr, davon 68 zwischen Juni und August“. So sehe er aus, der geliebte Sommer im Sauerland. Ihr Marketingkonzept ist ausgeklügelt, dazu gehören eigene Kronkorken mit dem „Beer Deer“-Logo aus den USA, eine eigens designte Verpackung, individuelle Bierdeckel und gefrostete  Gläser mit Logo.

Lohnbrauverfahren statt eigenem Braukeller

Da stellt sich die Frage, wo eigentlich die vielen verschiedenen Biere produziert werden. Einen großen Braukeller sucht man im „Wendschen“ vergebens. Müller und Häuser bedienen sich dem Lohnbrauverfahren. „Wir mieten uns in anderen Craftbier-Brauereien ein und brauen dort unser Bier oder lassen es nach unseren Rezepten herstellen.“ Nach längerer Pandemie-bedingter Suche haben sie dafür nun Partner gefunden. Drei Sorten sind eingebraut und reifen. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für den Start des Vertriebs auf Hochtouren. Ende Juni beginnt der Bierverkauf – im Webshop sowie in lokalen Spezialitätengeschäften. Bis dahin setzen die Freunde weitere Rezepte in die Welt, paaren Malze mit Hopfen und exotischen Aromen für gemütliche Kaminabende in kalten Winternächten oder gesellige Gartenpartys unter dem Sonnenschirm – alles andere als trübe Aussichten!

Christian Müller und Harald Häuser sind Bierexperten. In Wenden entwickeln sie immer wieder Rezepte für ihre Craft-Biere.
Keine Etiketten ohne das „Beer Deer“, das Wappen der heimischen Kleinbrauerei.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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