Wieder keine Feiertage im August
Corona-Krise: „Wendsche Kärmetze“ abgesagt

Auch in diesem Jahr bleiben die Gondeln des Kettenkarussells leer. Die Hoffnung auf die „Wendsche Kärmetze“ im nächsten Jahr ist groß.
  • Auch in diesem Jahr bleiben die Gondeln des Kettenkarussells leer. Die Hoffnung auf die „Wendsche Kärmetze“ im nächsten Jahr ist groß.
  • Foto: Volker Schneider
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

hobö Wenden. Die meisten Freunde der Wendener Kirmes haben insgeheim damit gerechnet, jetzt ist es amtlich: Auch in diesem Jahr wird es keine „Wendsche Kärmetze“ geben. Das größte Volksfest seiner Art in Südwestfalen, das in jüngerer Vergangenheit alljährlich bis zu 300 000 Menschen nach Wenden lockte, ist abgesagt. Das teilte die Gemeinde Wenden als Veranstalterin am Mittwoch mit. Die Kirmes wird seit 1752 im Südsauerland gefeiert und musste lediglich in Kriegszeiten abgesagt werden, nach dem Corona-bedingten Ausfall im vergangenen Jahr erfolgt nun die zweite Absage im 21. Jahrhundert.
Die Begründung ist jedermann klar: Dem Coronavirus, das seit März 2020 das kulturelle und gesellschaftliche Leben sowie jede Großveranstaltung nicht nur in Deutschland zunichte gemacht hat, fällt auch die Wendener Kirmes wieder zum Opfer.

Bürgermeister Bernd Clemens blutet das Herz

„Mir blutet das Kirmes-Herz“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Wenden, Bernd Clemens. „Da ich selbst ,Kirmeskind’ bin und mit dem Duft von Zuckerwatte, Gewürzgerüchen und dem Gefühl des Mittendrinseins im Kirmesleben aufgewachsen bin.“
Aufgrund der sich immer wieder verändernden Situation, der neu auftretenden Virus-Mutationen und der bis August wahrscheinlich nicht herzustellenden Herdenimmunität bezüglich des Impffortschritts werde es leider zu keiner anderen Entscheidung kommen können, so die Gemeinde Wenden in einer Mitteilung.

„Wissen aber nicht, wie wir planen sollen“

„Kinder und Jugendliche, die sich bei der ,Wendschen Kärmetze’ immer wunderbar austoben, sind in diesem Jahr die wahrscheinlich wirklich besonderen vulnerablen Gruppen, da es bislang keinen sicheren Impfstoff für sie gibt“, erklärt Bürgermeister Clemens. Denn im Gegensatz zu den vielen bis in den Spätherbst geimpften Erwachsenen könne es sein, dass Kinder nach wie vor ungeschützt sind. „Und diese Verantwortung will die Gemeinde schlichtweg nicht übernehmen.“

Kein Corona-Konzept für Großveranstaltungen

Da es außerdem deutschlandweit bislang kein wirklich funktionierendes Konzept gebe, wie bei Großveranstaltungen Besucherströme in nicht eingezäunten Veranstaltungsgebieten und ohne PCR-Test geleitet werden können, sei auch die „Kärmetze“ nicht durchführbar. Bekanntlich findet diese stets am dritten Dienstag im August sowie am Samstag und am Sonntag davor statt.

Ein Betrieb der in Wenden ungewöhnlich vielen Getränkerondells, Imbissbuden- und stände sowie das Miteinander vor Bühnen mit Live-Konzerten sei angesichts der Pandemie einfach nicht zu planen und umzusetzen. Und auch die Schausteller leiden weiter. Seit März 2020 haben diese quasi Berufsverbot. Keine rasenden Karussells und rotierenden Riesenräder, keine Schießbuden, kein „Auto-Scooter“ und keine lustigen „Geisterbahnen“ – Wenden wird an dem betreffenden August-Wochenende nicht erneut in einen Ausnahmezustand verfallen.

Wenden hofft auf Kirmes im Jahr 2022

„Es macht mich sprachlos, dass uns nun schon im zweiten Jahr fast jegliche Arbeitsgrundlage genommen wird“, so Patrick Arens, Vizepräsident im Bund Deutscher Schausteller. „Die ,Kärmetze’ ist für uns eine Leuchtturmveranstaltung im alljährlichen Kirmes- und Volksfestgeschehen. Zahllose Freundschaften sind über die Jahre entstanden – und Wenden ist für viele Schausteller und Marktbeschicker zu einer zweiten Heimat geworden. Die Absage schmerzt natürlich sehr, ist aber unter den gegebenen Umständen unvermeidbar. Uns bleibt die Hoffnung, dass wir uns alle in 2022 gesund und munter wiedersehen und dann die wieder ,Kärmetze’ zusammen feiern können.“
Das hoffen auch die vielen zigtausend Kirmesfreunde, denen eine „Kirmes light“ oder unter besonderen Abstands- und Hygieneregeln vermutlich auch keine wirklich Freude bereitet hätte.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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