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Feuerwehr Wenden zieht Bilanz für 2020
"Corona schlägt aufs Gemüt"

Völlig erschöpft vom stundenlangen Kampf gegen den Waldbrand bei Rothemühle kehrten die Feuerwehreinheiten zum Sammelplatz bei Büchen zurück. Dieser Einsatz wird insbesondere der Wendener Gemeinde-Feuerwehr in Erinnerung bleiben.
  • Völlig erschöpft vom stundenlangen Kampf gegen den Waldbrand bei Rothemühle kehrten die Feuerwehreinheiten zum Sammelplatz bei Büchen zurück. Dieser Einsatz wird insbesondere der Wendener Gemeinde-Feuerwehr in Erinnerung bleiben.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

hobö Wenden. „Kein Jahr in jüngster Zeit hat uns so zurückgeworfen, vorangebracht, gespalten und zusammengeschweißt. Corona schlägt aufs Gemüt.“ Alles andere als erheiternd wirken die ersten Zeilen des Jahresberichts 2020 der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wenden, den ihr Leiter, Gemeindebrandinspektor Wolfgang Solbach, jetzt dem Wendener Gemeinderat vorlegte. Die Pandemie beherrsche auch den Alltag in der Wehr, das Handeln, die Gespräche und die Gedanken. „Die endlosen Diskussionen über das Für und Wider der getroffenen Maßnahmen kosten uns oft Nerven“, so Solbach. Dass infolge der Lockdowns der Feuerwehr-Übungsbetrieb eingestellt worden sei, belaste die Einheiten im Gemeindegebiet.

hobö Wenden. „Kein Jahr in jüngster Zeit hat uns so zurückgeworfen, vorangebracht, gespalten und zusammengeschweißt. Corona schlägt aufs Gemüt.“ Alles andere als erheiternd wirken die ersten Zeilen des Jahresberichts 2020 der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wenden, den ihr Leiter, Gemeindebrandinspektor Wolfgang Solbach, jetzt dem Wendener Gemeinderat vorlegte. Die Pandemie beherrsche auch den Alltag in der Wehr, das Handeln, die Gespräche und die Gedanken. „Die endlosen Diskussionen über das Für und Wider der getroffenen Maßnahmen kosten uns oft Nerven“, so Solbach. Dass infolge der Lockdowns der Feuerwehr-Übungsbetrieb eingestellt worden sei, belaste die Einheiten im Gemeindegebiet.

Vor allem ein Einsatz im Jahr 2020 bleibt in Erinnerung: In einem zermürbenden Kampf gelang es den Kräften von Feuerwehren aus der gesamten Region, den großen Waldbrand zwischen den Orten Brün, Büchen, Rothemühle und Bebbingen am 20. und 21. April in den Griff zu bekommen. 15 Stunden gingen mehr als 600 Blauröcke gegen die Flammen und Glutnester vor. Im Pendelverkehr wurden ungeheure Mengen Wasser an die Einsatzstelle gefahren, wobei hier insbesondere den hiesigen Landwirten enorme Verdienste zugeschrieben werden (die SZ berichtete seinerzeit ausführlich). In den sozialen Netzwerken gingen schon während des Einsatzes viele Dankesbotschaften für den unermüdlichen Einsatz der Rettungskräfte ein.

Wie vielfältig und anspruchsvoll der ehrenamtliche Dienst ist, macht der Jahresbericht auch an anderer Stelle deutlich. Während der Fahrt zu einem Einsatz wegen eines Brandmeldealarms in einem Hünsborner Industriegebiet ist ein Fahrzeug der Einheit Hünsborn am 21. September verunglückt. Bei dem Unfall wurden fünf Wehrleute leicht verletzt. Das Fahrzeug war mit sieben Personen besetzt, als der Fahrer auf der Siegener Straße Kreislaufprobleme bekam. Bei anderen Dienstveranstaltungen bzw. Einsätzen sind außerdem fünf weitere Ehrenamtliche verletzt worden.

Derzeit zählt die Feuerwehr der Gemeinde 179 aktive Feuerwehrleute (Vorjahr 184). In der Jugendfeuerwehr sind 54 (51) Nachwuchskräfte aktiv, der Ehrenabteilung gehören 37 (39) Personen an. Der Musikzug zählt 53 (54) aktive Mitglieder und die Kinderfeuerwehr 15 (15).

Bei den 212 Einsätzen (Vorjahr 244) war die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Wenden 4875 Stunden im Einsatz und durchschnittlich mit 15 Kräften vor Ort – das sind im Schnitt vier Einsätze pro Woche. Im vergangenen Jahr sind 17 Brände in Gebäuden sowie 22 Wald- und Flächenbrände aufgetreten. Kfz-Brände gab es elf. Zur technischen Hilfeleistung nach Unfällen rückte die Feuerwehr 51-mal und nach Unwettern 22-mal aus.

Da die Anforderungen immer größer werden, kommt der umfassenden Ausbildung immer wesentlichere Bedeutung zu. Auch hier hemmte Corona den „normalen“ Betrieb.

Von besonderer Bedeutung ist die Jugendfeuerwehr, die maßgeblich dazu beiträgt, dass weiterhin eine Freiwillige Feuerwehr den Feuer- und Katastrophenschutz wahrnimmt. Der Jugendfeuerwehr gehören 54 Mädchen und Jungen an. Die Ausbildung besteht normalerweise zu etwa 50 Prozent aus feuerwehrtechnischem Dienst und zur anderen Hälfte aus allgemeiner Jugendarbeit. Auch hier machte die Pandemie vielen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Die Jugendfeuerwehr wird von 15 Ausbildern betreut: 13 Betreuern und zwei Betreuerinnen. Drei Kinder wechselten im Sommer aus der Kinderfeuerwehr „Löschkids“ in die Jugendfeuerwehr. Den „Löschkids“ gehören 15 Kinder und vier Betreuerinnen an. Im Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wenden wirken 53 aktive Mitglieder mit.

Wolfgang Solbach stellt in seinem Jahresbericht heraus: „Die Kameraden erinnern sich an Bilder, Geräusche und Gerüche von Einsatzstellen, in denen sie dem Tod in seiner grausamsten und kaum nachvollziehbaren Härte begegnet sind. Das sind Eindrücke gewesen, die sich im wahrsten Sinne des Wortes in die Seele ,eingebrannt’ haben und die auch nach vielen Monaten noch im Bewusstsein sind und zum Beispiel bei Einsätzen mit ähnlichen Umständen wieder lebendig werden.“

Natürlich bringe der Dienst in der Feuerwehr auch viele gute und schöne Erfahrungen mit sich. „Es ist ein großartiges Gefühl, am Ende eines erfolgreichen Einsatzes feststellen zu können: Hier konnten wir die eingeklemmte Person nahezu unverletzt aus den Trümmern ihres Fahrzeuges befreien oder das Kind im letzten Moment aus der brennenden Wohnung retten“, beschreibt der Gemeindebrandinspektor. Nicht zuletzt dadurch werde das gute Gefühl, eine sinnvolle und hilfreiche Tätigkeit auszuüben, bestätigt. „Der Einzelne ist nichts, nur in der Gemeinschaft sind wir stark“, so Solbach in der Ratssitzung. Dort dankten ihm die Politiker für den Einsatz mit der Bitte, diesen herzlichen Dank an die Kameraden weiterzuleiten.
Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr verlieh schlussendlich seiner Hoffnung Ausdruck, dass baldmöglichst der Übungsdienst wieder begonnen werden könne – „ansonsten kriegen wir ein Problem. Der Leistungsstand geht ohne Üben nach unten.“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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