Vorreiter im Herstellen von Spezialbieren
Der "Dinosaurier" unter den Brauern

Armin Judas vor seinem neuen Kühlhaus, das er während der Pandemie gebaut hat. In wenigen Tagen wird es für ihn wieder arbeitsreicher, dann steht er am Kessel und braut frisches Carolinenbräu.
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  • Armin Judas vor seinem neuen Kühlhaus, das er während der Pandemie gebaut hat. In wenigen Tagen wird es für ihn wieder arbeitsreicher, dann steht er am Kessel und braut frisches Carolinenbräu.
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yve Altenhof. Fast zum Ende der SZ-Serie über Mikrobrauereien besuche ich Armin Judas, den „Dinosaurier unter den Brauern“, wie er selbst schmunzelnd über sich sagt. Noch vor dem Millennium verfällt er Hopfen und Malz, ruft am 1. Advent 1999 seine Hausbrauerei am Dörnschlader Weg in Altenhof ins Leben – eine Manufaktur, denn für den 55-Jährigen ist das Herstellen von Bier ein echtes Handwerk.

Seit 22 Jahren verbringt er seine Freizeit vom Frühjahr bis Ende Oktober, Anfang November am Kessel. „Ganz nach dem ökonomischen und ökologischen Prinzip“, erklärt Armin Judas. In wenigen Tagen legen sich die unverkennbaren Geruchsstoffe aus Maisch- und Würzepfanne mit frisch geernteten Rohstoffen wieder um Wohnhaus und Keller, während im Garten der Hallertauer Traditionshopfen neu austreibt, beim Hinsehen rankt und gedeiht. Eine Pause einzulegen, sei auch für das eigene Wohlbefinden wichtig. „Stress passt nicht zum Bierbrauen“, so der Altenhofer. „Es muss entschleunigen.“

Wieder in den Genuss von Carolinenbräu kommen

So kurz vor dem Start der Biersaison scharrt Armin Judas trotzdem mit den Hufen. Wie die Liebhaber seines bernsteinfarbenen und naturtrüben Landbieres, ein süffiges, nicht zu bitter gehopftes Märzen als Sommer- und Wintervariante. Die Vorräte längst verbraucht, möchten sie endlich wieder in den Genuss von Carolinenbräu kommen. Vor zwei Jahrzehnten fällt Armin Judas die Namensgebung für sein Produkt nicht schwer. Er denkt an das Liebste, was er neben seiner Frau hat – an seine Tochter Caroline. Nebst Name und Emblem ziert „Bier braucht Heimat“ die begehrten weißen Steinkrüge, die vor der Pandemie nahezu an jedem Wochenende durch die Braustube kreisten.

„Ich habe mir immer gewünscht, dass sich viele Kleinstbrauereien in unserer Region ansiedeln.“ Wie im Frankenland. Beim Gedanken daran gerät der 55-Jährige ins Schwärmen, schließlich sei es das Land des Bieres und warte mit der höchsten Brauereidichte Europas auf. Zumindest stehe er als Kleinbierbrauer nicht mehr allein auf weiter Flur. „Wäre es nicht schön, im Sauerland einen Bierwanderweg zu schaffen?“, fragt Armin Judas, und schon sehe ich mich die Trekkingschuhe schnüren.

Umbauarbeiten im Ausschank fast beendet

„Ich habe noch so viele Ideen“, führt er weiter aus. Um die zu schmieden, braucht der Altenhofer Zeit, die beschert ihm die Krise. Doch ihm fehle der Kontakt zu den Menschen. Wo die Umbauarbeiten im Ausschank fast beendet sind, herrscht eigentlich Leben. Bis zu 40 Personen kann Armin Judas hier beherbergen. Einmal eingekehrt, ist der Ruf nach einer Wiederholung groß. Das liegt nicht nur am geschätzten Carolinenbräu, auch an Armin Judas selbst.

Mit Kompetenz und Spontaneität, nicht zuletzt mit einer gehörigen Portion Humor, präsentiert er sein Landbier, sorgt mit manchen Anekdoten und Kuriositäten für jede Menge Kurzweil. Er stehe mit Herzblut hinter dem, was er mache. Das wichtigste an der Maschinerie sei jedoch der soziale Zweck. Seit Jahren schenkt er seine goldene Flüssigkeit nicht gegen Bezahlung, sondern gegen eine Spende aus, die der Elterninitiative krebskranker Kinder Siegen um Christian Pilz zugute kommt. Gruppen nicht nur aus dem näheren Umfeld steuern das „wendsche“ Dorf Altenhof an.

Wenige möchten nach Verkostung aufstehen

„Ich habe Gäste aus großen Städten wie Hamburg und Berlin oder aus dem Ruhrgebiet.“ Die wenigsten möchten nach der Verkostung gleich aufstehen, erzählt der Brauer. Daher empfehle er ein weiteres Ziel, zum Beispiel Essen gehen beim benachbarten „Wilden Eber“ oder im Landgasthof Berghof in Wenden. „Das stärkt die Region“, schaffe Synergieeffekte. „Ich habe hier schon so viel erlebt, ich könnte Bücher füllen“, freut sich der 55-Jährige, Menschen unterschiedlichster Couleur kennenzulernen. So mancher Dortmund-Fan meint scherzhaft, blaue Malzkörner im Carolinenbräu zu entdecken, sobald der Brauer die Gelsenkirchener Herkunft seines Malzes aufs Tapet bringt.

Armin Judas hat sein Spezialbier nach seiner Tochter Caroline benannt. Zudem spiegelt sich auf seinen Krügen seine Heimatverbundenheit wider.
  • Armin Judas hat sein Spezialbier nach seiner Tochter Caroline benannt. Zudem spiegelt sich auf seinen Krügen seine Heimatverbundenheit wider.
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Richtig „ran“ müssen bei ihm die Lehrer. Bierbrauen habe ja schließlich viel mit Geschichte, Physik, Chemie und Biologie zu tun. „Dann heißt es: Wissensabfrage mit Spaßfaktor.“ Derzeit muss sich Armin Judas mit der Warteliste zufrieden geben. „Die wird immer länger.“ Wer jetzt reserviere, müsse sich noch mindestens ein Jahr lang in Geduld üben. Untätig ist er in den vergangenen Monaten aber keineswegs gewesen. Unter sein Carport hat er ein neues Kühlhaus gesetzt und seine Brauanlage altersgerecht umgebaut. Die Deckel der Edelstahlbehälter seien sperrig und schwer. „Ob ich die in zehn Jahren noch auf- und absetzen kann, weiß ich nicht, also habe ich vorgesorgt.“ In Zukunft erledigt das eine Maschine mit Seilwinde, von Armin Judas selbst konzipiert und gebaut. Mit Unterstützung von Freunden und ortsansässigen Firmen ist überdies auch die komplette Brauanlage in Eigenregie entstanden.

Erste Kostprobe vom frischen Landbier

„In diesem Jahr stelle ich ein dunkles Starkbier hier“, hat sich der Brauer schon eine neue Aufgabe gegeben und lässt an seinen Herzenwünschen teilhaben: eine Wiederholung des karitativen „1. Wendschen Biertages“ in Hillmicke rund um den Gasthof Valpertz und die Fortsetzung des auf Familien ausgerichteten Festivals „Hüttenrock“ in Wendenerhütte mit Carolinenbräu am Bierstand „Das ist mittlerweile Tradition“, vor der die unvorhersehbar Pandemie natürlich keinen Halt mache. Nun fiebert der Altenhofer erst mal der ersten Kostprobe vom frischen Landbier nach sechswöchiger Lagerung im Mai entgegen.

Dann sieht der leidenschaftliche Brauer wieder bekannte Gesichter am Dörnschlader Weg, öffnen sich wieder die Kofferräume zum Einladen der Fässchen und Fässer. Armin Judas setzt beim Probieren auf den „Wendschen Dreiklang“ – ein frisch Gezapftes, Treberbrot und Hopfenschinken – welch ein Genuss!

Armin Judas vor seinem neuen Kühlhaus, das er während der Pandemie gebaut hat. In wenigen Tagen wird es für ihn wieder arbeitsreicher, dann steht er am Kessel und braut frisches Carolinenbräu.
Armin Judas hat sein Spezialbier nach seiner Tochter Caroline benannt. Zudem spiegelt sich auf seinen Krügen seine Heimatverbundenheit wider.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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