Verbot von Veranstaltungen trifft Gastronomen bis in Mark / Kritik an Ungleichbehandlung
„Der Schaden wird immens“

Insbesondere als Stätte für große Feiern – wie Hochzeiten mit bis zu 180 Gästen – steht der Landgasthof Scherer. Nun muss der Betrieb der Familie Butzkamm das Verbot für sämtliche private wie öffentliche Veranstaltungen verkraften.
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  • Insbesondere als Stätte für große Feiern – wie Hochzeiten mit bis zu 180 Gästen – steht der Landgasthof Scherer. Nun muss der Betrieb der Familie Butzkamm das Verbot für sämtliche private wie öffentliche Veranstaltungen verkraften.
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö  Eigentlich läge Christin Siepermann jetzt unter Palmen am herrlichen Strand von Ko Samui und würde dem leisen Rauschen der Wellen lauschen. Eigentlich, denn die Corona-Pandemie hat auch dem Betreiber des „Berghofs“ einen Strich durch die Urlaubsplanungen gemacht. Statt den Urlaub mit Ehefrau Bettina und Freunden in Thailand zu genießen, befindet sich der Gastronom in seinem Betrieb nahe der Wallfahrtskapelle Dörnschlade und versucht dort, die Auswirkungen der behördlichen Anordnungen Herr zu werden. Und insbesondere die am Mittwoch in Kraft getretene Allgemeinverfügung des Kreises Olpe trifft die heimischen Gastronomen bis ins Mark. Die SZ sprach mit Christian Siepermann sowie den Inhabern des Landhauses Wacker in Brün und des Landgasthofs Scherer in Schönau.

Die Verfügung des Kreises Olpe geht deutlich über die bis dahin geltenden Anordnungen des Landes NRW hinaus (die SZ berichtete). Das von Landrat Frank Beckehoff ausgesprochene Verbot aller öffentlichen und privaten Veranstaltungen hätte ohnehin immense Auswirkungen auf die Gastronomie, da aber einhergehend angeordnet wurde, die Gaststätten für den Besucherbetrieb zu schließen ist an Ausnahmeregelungen sowieso nicht zu denken. Derzeit dürfen lediglich Übernachtungen zu dienstlichen Zwecken erfolgen, Touristen indes müssen abreisen.

„Unsere Branche trifft es besonders hart“, betont daher Josef Wacker, der Inhaber des Landhauses Wacker in Brün. Und Christian Siepermann ärgert sich diesbezüglich, „dass es regional so unterschiedlich gehandhabt wird“. Stand 18. März durften im Kreis Olpe keine Restaurants geöffnet werden, zeitgleich in den Nachbarkreisen aber sehr wohl. „Entweder müssen alle schließen oder gar keiner.“

Auch Josef Wacker bemängelt das „Durcheinander“ der Anordnungen. Er stellt sich ohnehin die Frage, „ob es nicht besser ist, alles, aber wirklich alles drei Wochen stillstehen zu lassen“. Dann wäre das Gröbste überstanden, so aber entstehe ein tägliche Hin und Her.

„Das Schlimmste wäre, wenn einer krank würde“, ergänzt Ehefrau Emmelinde Wacker, Geschäftsführerin des Landhauses. Gleichwohl seien die wirtschaftlichen Folgen beachtlich. Am vergangenen Wochenende hätte man noch 60 Übernachtungen gehabt, jetzt sei das Haus komplett leer. Am Mittwochmorgen hätten die letzten Gäste ausgecheckt. Derzeit bearbeite man noch die Vielzahl an Stornierungen sowie Anfragen und Umbuchungen. Zudem seien noch die Hausmeister im Einsatz, um Haus und Anlage zu pflegen.

Insgesamt zähle der Betrieb 77 Mitarbeiter inklusive der Auszubildenden und Aushilfen, die nun allesamt freigestellt seien. Der Antrag auf Kurzarbeitergeld sei bereits gestellt worden, erklärte die Geschäftsführerin. „Aber ich denke, dass wir die Löhne, die nächste Woche zur Auszahlung anstehen, selbst vorfinanzieren.“ Nicht nur für den Betrieb selbst, sondern insbesondere für die Mitarbeiter sei die Situation schlimm. Emmelinde Wacker: „Aber wir stehen hinter unseren Mitarbeitern. Wir haben niemandem gekündigt und wollen das auch nicht tun. Da stehen ganze Familiengeschichten hinter.“

Die Ankündigungen von Rettungsschirmen und anderen Hilfen klängen in der Theorie schön, doch tatsächlich handele es sich um Kredite, deren Auszahlung nicht so einfach sei wie oft dargestellt. Außerdem, führt Emmelinde Wacker aus, müssten diese Darlehen ja zurückgezahlt werden. „Im Grunde ist man auf sich allein gestellt. Am 1. April wird unser Betrieb 160 Jahre alt, hoffentlich ist es nicht das letzte Jahr.“

Christian Siepermann vom „Berghof“ hat für seine 14 Mitarbeiter ebenfalls Kurzarbeitergeld beantragt. Er begrüßte in diesem Zusammenhang, dass die Gemeinde Wenden am Dienstag umgehend auf die kurz zuvor angekündigte Allgemeinverfügung des Kreises hingewiesen habe. Und die Dehoga melde sich fortwährend mit neuesten Informationen. Man habe noch einige Geschäftsgäste im Hause, aber die Lage insgesamt sei natürlich „nicht so schön“. Derzeit widme man sich überdies in der auferlegten freien Zeit um die Pflege des Hauses.

Christoph Butzkamm, Juniorchef des Landgasthofs Scherer in Schönau, erklärte auf Anfrage der SZ, dass bis Anfang Mai bereits 16 große Feiern abgesagt worden seien. „Der Schaden wird immens.“ Diese Ausfälle infolge der Corona-Pandemie gleiche keine Versicherung aus. Der Restaurantbetrieb sei zuletzt schon in die Knie gegangen. Und so lange sich die Lage nicht beruhige, komme sowieso keiner.

Da ab dem bevorstehenden Montag ohnehin zehn Tage Betriebsferien anberaumt seien, treffe die Schließungsanordnung den Familienbetrieb nicht mit voller Härte. „Vier Wochen kriegen wir das hin, wenn sich die Schließungen aber bis zum Sommer hinziehen, wird das für die ganze Branche ein Fiasko. Es kommt ja kein Geld rein.“

Der Familienbetrieb unterhält unter anderem 28 Appartements, von denen etliche von Monteuren belegt sind. Die erhalten entsprechend der Allgemeinverfügung noch ein Frühstück, für jegliche andere Verpflegung müssen die Gäste selbst sorgen – in den Appartements gebe es ja Küchenzeilen. Er selbst nutze die Zeit nun, um sich den Weihnachtsbaumkulturen zu widmen und alles instandzusetzen.

„Auch wenn wir von den Vorbuchungen vom stärksten Jahr überhaupt ausgegangen sind, das es aber jetzt mit Sicherheit nicht mehr werden wird, muss man die Lage nun möglichst gelassen nehmen. Alles andere hilft ja nicht“, so Christoph Butzkamm.

Emmelinde Wacker versprüht in etwa die gleiche Unternehmermentalität: „Wir müssen einen langen Atem haben. Irgendwie wird es wieder – Hauptsache wir bleiben gesund.“

Insbesondere als Stätte für große Feiern – wie Hochzeiten mit bis zu 180 Gästen – steht der Landgasthof Scherer. Nun muss der Betrieb der Familie Butzkamm das Verbot für sämtliche private wie öffentliche Veranstaltungen verkraften.
Das Landhaus Wacker in Brün bietet eigentlich 71 Zimmer mit 200 Betten, zehn Konferenzräume, verschiedene Räumlichkeiten für die Gastronomie, ein Wellnesscenter mit Schwimmbad, Saunen, eine „Beautyfarm“, Tennisplätze, einen Naturrasensportplatz, Minigolf, Kegelbahnen sowie eine Reithalle mit Reitbetrieb an. Doch die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass das Haus nun ohne Gäste dasteht. Auch solche besonderen Besuche wie im Frühjahr 2017, als sich die U-17-Nationalmannschaft des Deutschen Fußballbunds mehrere Tage im Landhaus Wacker für die EM in Kroatien vorbereitete, sind vorerst Geschichte. SZ-Archivfotos: hobö
Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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