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Schwierige Suche nach Proberäumen für Chöre und Musiker:
„Der Zollstock sollte mitdirigieren“

Die Turnhalle in Ottfingen ist Chorgesang durchaus gewöhnt, schließlich gab es hier schon häufiger Darbietungen bei unterschiedlichen Veranstaltungen – wie hier beim „Ottfinger Chorbrunch“ im Jahr 2019.  Archivfoto: baka
  • Die Turnhalle in Ottfingen ist Chorgesang durchaus gewöhnt, schließlich gab es hier schon häufiger Darbietungen bei unterschiedlichen Veranstaltungen – wie hier beim „Ottfinger Chorbrunch“ im Jahr 2019. Archivfoto: baka
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö Wenden/Rothemühle/Ottfingen. Immer wieder wird bei feierlichen Anlässen ein Loblied auf die kulturellen Vereine gesungen. Die Corona-Pandemie mit all den einhergehenden Restriktionen stellt die musizierenden Vereinigungen aber zurzeit vor erhebliche Probleme – und die Probentätigkeit wird in der kalten Jahreszeit wegen geltender Abstandsregeln zusätzlich erschwert. Das Üben unter freiem Himmel dürfte kaum möglich sein.

Den 28 Chören, zehn Musikvereinen und zwei Spielmannszügen in der Gemeinde Wenden daher kommunale Räume für ihre Proben bereitzustellen, klingt daher nahezu wie eine Selbstverständlichkeit. Doch auch hier liegt der Teufel im Detail, wie die Diskussion am Donnerstagabend im Sport- und Kulturausschuss der Gemeinde Wenden aufzeigte.

hobö Wenden/Rothemühle/Ottfingen. Immer wieder wird bei feierlichen Anlässen ein Loblied auf die kulturellen Vereine gesungen. Die Corona-Pandemie mit all den einhergehenden Restriktionen stellt die musizierenden Vereinigungen aber zurzeit vor erhebliche Probleme – und die Probentätigkeit wird in der kalten Jahreszeit wegen geltender Abstandsregeln zusätzlich erschwert. Das Üben unter freiem Himmel dürfte kaum möglich sein.

Den 28 Chören, zehn Musikvereinen und zwei Spielmannszügen in der Gemeinde Wenden daher kommunale Räume für ihre Proben bereitzustellen, klingt daher nahezu wie eine Selbstverständlichkeit. Doch auch hier liegt der Teufel im Detail, wie die Diskussion am Donnerstagabend im Sport- und Kulturausschuss der Gemeinde Wenden aufzeigte. Wie die SZ berichtete, hat SPD-Ratsherr Robert Dornseifer einen Antrag gestellt, Räumlichkeiten wie Foyers, Turnhallen, Gesamtschul-Aula und Hallen auf dem ehemaligen Balcke-Dürr-Firmengelände in Rothemühle für Probenzwecke bereitzustellen.

Bürgermeister Bernd Clemens machte in der Sitzung deutlich, dass es bereits im Mai erste Anfragen von Günther Stock als Vorsitzendem der Ottfinger Chöre gegeben habe, die Turnhalle im Ort für Proben nutzen zu dürfen. Wegen zu hoher Infektionsgefahr habe er das aber abgelehnt, erklärte der Bürgermeister. Nun seien die Regelungen zwar im steten Wandel, aber die Schulturnhallen möchte er für Proben nach wie vor nicht öffnen. In der Industriebrache in Rothemühle seien die Abstandsregelungen gut einzuhalten, dort fehlten aber sanitäre Anlagen und eine Heizung, gab Clemens zu bedenken. „Dort würden wir die komplette Verantwortung auf die Vereine übertragen“, so Clemens ergänzend. Dies bezöge sich auch darauf, für geeignete Toilettenanlagen zu sorgen.

Johannes Eichert (CDU) wies darauf hin, dass die Grundschule in Ottfingen geschlossen worden sei und damit die Turnhalle nicht mehr für den Schulbetrieb benötigt werde. Daher liefen seit geraumer Zeit im Hintergrund Gespräche zwischen dem Sportverein Ottfingen, der die Halle im Grunde komplett gebucht habe, und den musizierenden Vereinen, um Nutzungszeiten für eben jene zu finden. Den Antrag von Dornseifer empfinde er als Wahlkampf, da ja schon lange vorher die Gespräche begonnen hätten. Eichert forderte letztlich, dass die musizierenden Ottfinger Vereine die Turnhalle im Ort nutzen könnten, wenn sie die coronabedingten Hygienevorschriften beachten würden.

Dieses Ansinnen unterstützte Marina Bünting (Grüne). Die Ottfinger Vereine zahlten an die Gemeinde Miete für die Proberäume in der ehemaligen Grundschule, dürften diese wegen Corona aber nicht nutzen. Daher sollte man für Ottfingen eine Ausnahme machen und die Turnhalle zur Verfügung stellen. „Wir dürfen die Vereine nicht im Regen stehen lassen und auf der anderen Seite den Chorgesang als hohes Kulturgut anpreisen.“

Dies griff Heike Quast (UWG) auf und mahnte an, die Gemeindeimmobilie Turnhalle Ottfingen nicht nur musizierenden Ottfinger Vereinen zur Verfügung zu stellen. Hier aber käme man an die Kapazitätsgrenzen, wehrte Johannes Eichert ab.

Matthias Böhler (SPD) appellierte, dass die Gemeinde nach Probezeiten auch in anderen Turnhallen der Gemeinde suchen solle, „wenn wir die Qualität der geschätzten kulturellen Vereine aufrechterhalten wollen“. Man könne doch bei den Sportvereinen nachfragen, wer bereit sei, auf seine gebuchten Hallenstunden zu verzichten. „Es gibt doch nicht nur Sport in der Gemeinde“, betonte Böhler.

Hinsichtlich des ehemaligen Balcke-Dürr-Geländes betonte Marina Bünting noch, dass man den Vereinen doch nicht auferlegen könne, zur jeder Probe Toiletten aufzustellen. Heike Quast schlug in dieselbe Kerbe und meinte, dies müsse die Gemeinde organisieren und die Kosten gegebenenfalls auf die Vereine umlegen.

Zwischenzeitlich stellte sich heraus, dass bislang nur die Ottfinger Chöre sowie der Frauenchor „Pro Musica“ Gerlingen wegen kommunaler Probemöglichkeiten angefragt haben.

Am Ende beschloss der Sport- und Kulturausschuss einstimmig, die Hallen I und II auf dem ehemaligen Balcke-Dürr-Gelände in Rothemühle für Proben der Musik- und Gesangvereine zur Verfügung zu stellen. Die Verwaltung soll ferner prüfen, ob sanitäre Anlagen bereitgestellt werden können. Der Probenbetrieb hat auf Verantwortung der Vereine zu erfolgen. Sowohl Musik- als auch Gesangvereine haben Ansprechpartner zu benennen, die verantwortlich Betrieb und Nutzung in den Hallen regeln. Nutzungszeiten sind der Gemeinde Wenden zu melden. Die Turnhalle Ottfingen wird dem SVO und allen musizierenden Vereinen aus Ottfingen zur Verfügung gestellt. Ferner wurde die Verwaltung beauftragt, weitere Räumlichkeiten für Probezwecke von Chören und Musikvereinen zu finden.

„Der Zollstock sollte hier aber immer mitdirigieren“, forderte Dorothea Biermann (CDU) die Einhaltung der Abstandsregeln.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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