»Dinndach es Kärmetze«

»Betty« aus Eslohe wurde als schönste Kuh der Tierschau zur »Miss Wenden« gekürt

win Wenden. Die Wendener Tierschau wäre in diesem Jahr recht ärmlich ausgefallen, hätten die Organisatoren nicht schon im vergangenen Jahr die Zugangsbedingungen geändert und die Lokal- zur Regionalschau erweitert. Denn nur zwei Wendener Rinderzüchter waren bei der Tierschau gestern noch vertreten. Die übrigen durften aus impftechnischen Gründen nicht teilnehmen.

In den frühen Morgenstunden hatte bei fast schon ungewohnt kühler Witterung der Auftrieb in den Wendebachauen begonnen. Traktoren und Lkw, die meisten aus dem Hochsauerlandkreis und dem Altkreis Wittgenstein, entließen prächtige, herausgeputzte und kunstvoll »frisierte«–Tiere ins Freie. Die Preisrichter hatten stundenlang zu tun, bis die Ergebnisse feststanden. Zur schönsten Kuh der Schau wurde »Betty«–aus dem Stall von Michael Schnoede-Erwes aus Eslohe gekürt. Siegerbulle wurde ein riesiger Charolais von Andreas Schulze aus Elben, ein Rind von fast 1200 Kilogramm Gewicht.

Immer mehr Hobbyzüchter drängen auf die Tierschau. Besonders Kleinvieh wie Ziegen und Schafe erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Aber auch die Pferde rücken immer mehr in den Mittelpunkt der Schau. Während sich auf dem benachbarten Kirmesgelände ab 9 Uhr die Karussells drehten und wie schon am Samstag und am Sonntag Gäste aus nah und fern den Kirmestrubel genossen, bevölkerten ganze Heerscharen von Besuchern das Tierschaugelände. Das Publikum nutzte die Gunst der Stunde, war das Wetter doch nahezu ideal. Im Vorjahr, bei der Jubiläumskirmes zum 250. Jahrestag, hatte die Sonne gerade am Tierschautag nahezu gnadenlos geschienen und auf dem Ausstellungsplatz wie auch im Festzelt für tropische Temperaturen gesorgt, was manchen Zuschauer von einem Besuch abgehalten hatte. Doch gestern kamen Großeltern, Eltern und Kinder, um die riesigen Bullen, Pferde, aber auch die putzigen Hühner, Tauben, Gänse, Zicklein und Lämmer aus der Nähe zu betrachten.

Gegen Mittag endete die Tierschau, und die Landwirte fuhren ihr Vieh heim in den Stall. Im Festzelt ging das Programm weiter. Zu Klängen des Musikvereins »Lyra«–Altenhof versammelten sich die geladenen Gäste und zahlreiche Zuschauer aus dem Wendener Land, um zum einen ein deftiges Mittagessen zu genießen, zum anderen, um fast schon traditionell über die Olper und die Bundesregierung herzuziehen.

Manfred Hochhard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Lokalvereins Wenden, begrüßte zunächst die vielen geladenen Gäste, unter ihnen die Landräte Frank Beckehoff (Olpe) und Paul Breuer (Siegen-Wittgenstein), Vertreter der befreundeten Landwirtschaftlichen Vereine aus Wittgenstein und Drolshagen sowie den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe, Karl Meise, und dessen Stellvertreter Otto Meinecke.

Hochhard beklagte die Situation der Landwirte. Der Bundeskanzler sehe die Bauern wohl nur als notwendiges Übel – er solle einmal Nachhilfe bei seinem französischen Freund Jacques Chirac nehmen. Die Großhandelsketten seien es, die die Preise bestimmten und dafür sorgten, dass die Bauern ihre wertvollen Produkte verschleudern müssten. Mineralwasser werde teurer verkauft als Milch. Kräftigen Applaus bekam Hochhard, als er mit der Forderung schloss, die Bauern dürften nicht nur Museumswert haben.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Karl Meise, erklärte, er sei stolz über das, was er an diesem Vormittag gesehen habe. Obwohl die Landwirtschaft mit dem Rücken zur Wand stehe, werde in Wenden eine große Tradition aufrechterhalten. Die Landwirte, so Meise, bräuchten keine Lehrstunden der Politiker, sondern echte Hilfe.

Dann trat Prälat Thomas Dornseifer ans Mikrofon. Er bewies, dass er trotz seiner Tätigkeit in Paderborn das Geschehen in seiner Heimat, dem Wendener Land, nicht aus den Augen verliert – und vor allem das im nahen Olpe nicht. Mit Häme und mildem Spott nahm er auf »wendsch Platt«–die Bewohner der nahen Kreisstadt hoch. Dornseifer ging auch auf die Lage in Deutschland im Allgemeinen und Wenden im Besonderen ein. Doch trotz aller Sorgen dürfe das Feiern nicht vergessen werden: »Dinndach es Kärmetze« (Heute ist Kirmes), die Probleme könnten bis zum nächsten Tag warten, so Dornseifer.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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