SZ

Neben Rindermast und Jungbullen-Aufzucht nun auch Pferdepension:
Ein Bauernhof im Wandel

Claudia, Emma und Tobias Kaufmann am Offenstall: Die jungen Landwirte haben in Zeiten, in denen andere ihre Höfe aufgeben, investiert und eine Erweiterung des Betriebs gewagt. Die Warteliste zeigt: Das Risiko hat sich gelohnt.
5Bilder
  • Claudia, Emma und Tobias Kaufmann am Offenstall: Die jungen Landwirte haben in Zeiten, in denen andere ihre Höfe aufgeben, investiert und eine Erweiterung des Betriebs gewagt. Die Warteliste zeigt: Das Risiko hat sich gelohnt.
  • Foto: Jörg Winkel
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

win Wendenerhütte. Vor Jahrhunderten haben die Ahnen der Familie Kaufmann aus Wendenerhütte schon einmal einen kompletten Wechsel ihres Haupterwerbs hinter sich gebracht, wie der Nachname zeigt – aus Kaufleuten wurden Landwirte. Der heutige Hof Kaufmann ist locker 250 Jahre alt, und seit mindestens dieser Zeit verdienen „Hütten“, so der Rufname der Familie, ihr tägliches Brot zumindest immer zum Teil mit und in der Landwirtschaft.

Doch in den vergangenen zwei Jahren hat sich der Hof einem immensen Wandel unterzogen: Bislang überwiegend Bullenaufzucht und Rindermast, haben Tobias und Claudia Kaufmann Zug um Zug umgestellt und erwirtschaften inzwischen gut die Hälfte ihres Umsatzes mit Pferden.

win Wendenerhütte. Vor Jahrhunderten haben die Ahnen der Familie Kaufmann aus Wendenerhütte schon einmal einen kompletten Wechsel ihres Haupterwerbs hinter sich gebracht, wie der Nachname zeigt – aus Kaufleuten wurden Landwirte. Der heutige Hof Kaufmann ist locker 250 Jahre alt, und seit mindestens dieser Zeit verdienen „Hütten“, so der Rufname der Familie, ihr tägliches Brot zumindest immer zum Teil mit und in der Landwirtschaft.

Doch in den vergangenen zwei Jahren hat sich der Hof einem immensen Wandel unterzogen: Bislang überwiegend Bullenaufzucht und Rindermast, haben Tobias und Claudia Kaufmann Zug um Zug umgestellt und erwirtschaften inzwischen gut die Hälfte ihres Umsatzes mit Pferden.

Tobias Kaufmann, der bis dahin auch noch in der Industrie arbeitete, ist seit eineinhalb Jahren Vollerwerbslandwirt – in einer Zeit, in der andere ihren Hof aufgeben, hat die Familie Kaufmann investiert und den Hof aufgestockt. Die ersten Maßnahmen spielten sich auf dem traditionsreichen Hofgelände unmittelbar an der ehemaligen Bahnstrecke Olpe-Freudenberg ab. Doch der letzte, große Schritt hat den Wandel sichtbar gemacht: Links und rechts des Alten Wegs, der ursprünglichen Verbindung zwischen Wendenerhütte und Hillmicke, sind ein großer Pferdestall und eine wahrlich gigantische Reithalle entstanden.

200 Bullenkälber, die kurz nach der Geburt auf den Hof kommen und einige Monate lang aufgezogen werden, heißen wenig freundlich, aber durchaus treffend fachsprachlich „Fresser“. Kaufmanns ziehen sie auf, bis sie an Bullenmastbetriebe weitergegeben werden. Dazu kommen einige Schafe und 50 Mastrinder – und inzwischen fast 60 Pferde: acht eigene Tiere, alle übrigen: Pensionspferde. Das heißt: Die Halter können kommen, wann und so oft sie wollen, sich mit ihrem Tier beschäftigen, ausreiten – müssen es aber nicht.

Die komplette Betreuung und Versorgung übernimmt der Hof Kaufmann – vom Füttern bis zum Misten, und wenn die Besitzer verhindert sind, kümmern sie sich auch um die Tierarztbetreuung. So haben Pferdebesitzer jederzeit die Gewissheit, dass ihr Tier in besten Händen ist. Wie in der Gastronomie, spricht man auch hier von „Vollpension“.

Das Besondere an der Haltung bei Kaufmanns ist der Offenstall. Die Pferde entscheiden selbst, ob sie sich im Stall oder auf der großzügigen Koppel aufhalten und bilden praktisch eine Herde. Ihr Futter holen sie sich an großen Raufen, wann ihnen danach ist. Neu hinzukommende Tiere werden mehrere Wochen lang in einer Eingliederungsbox gehalten, die Kontakt zu den übrigen Pferden ermöglicht – der Anschluss an die Herde gelingt so problemlos. Wallache und Stuten werden in zwei getrennten Verbänden gehalten, was Konflikte verhindert.

„Wir haben immer ein Pferd auf dem Hof gehabt“, berichtet Tobias Kaufmann, und er habe daher schon von Kindesbeinen an eine Beziehung zu Pferden gehabt und reite gern. Durch seine Frau, die das Thema Pferde noch viel mehr verinnerlicht hat, sei dann die Idee gekommen, das Hobby auch zum Beruf zu machen. Eine Idee, die regelrecht eingeschlagen ist: Schnell waren alle Plätze vergeben, Pferdebesitzer und Inhaber von Reitbeteiligungen aus Olpe, dem Siegerland und sogar dem Oberbergischen schätzen den Service der Familie Kaufmann. Die Warteliste ist lang; 30 weitere Pferde könnten aufgenommen werden – wenn denn noch Platz wäre.

„Das Besondere bei uns sind einerseits der Offenstall, der für die Tiere eine extrem artgerechte Haltung bedeutet, und andererseits die große Reithalle mit dem Vorplatz.“ Dieses Gelände wird zum Üben genutzt, Reitanfänger lernen hier auch bei schlechtem Wetter den Umgang mit dem Pferd, weiterhin ist es für einige Besitzer von Turnierpferden auch ein willkommenes Übungsgelände.

Im Stall steht für jeden Einsteller ein abschließbarer Schrank mit dem nötigen Equipment, die Pferdebesitzer oder Reitbeteiligten können jederzeit zu ihrem Pferd. Der anfallende Mist wird als Dünger auf den eigenen Feldern verwendet, die Familie baut so viel Futter wie möglich selbst an. Und wenn Tobias und Claudia Kaufmann ihr System erklären, wird klar, dass hier Herzblut im Spiel ist. Unterstützt werden sie bei der täglichen Arbeit von Tobias Kaufmanns Mutter Andrea und seiner Zwillingsschwester Nicole. Bei der Arbeit im Offenstall ist auch Töchterchen Emma fast immer dabei – zum Reiten noch zu klein, aber Mitreiten liebt die Kleine schon jetzt und lässt ahnen, dass die nächste Generation den Strukturwandel des elterlichen Hofs weiter begleiten wird.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen